| 02:45 Uhr

Adlung stoppt den Höhenflug

Ausgerechnet der ehemalige Cottbuser Daniel Adlung erzielte in der 70. Minute den Siegtreffer für die Löwen.
Ausgerechnet der ehemalige Cottbuser Daniel Adlung erzielte in der 70. Minute den Siegtreffer für die Löwen. FOTO: Winter/owe1
Cottbus. Das ist ein Rückschlag für Energie Cottbus auf dem Weg zum Fußballwunder: Nach einer 1:0-Pausenführung verloren die Lausitzer am Mittwochabend noch mit 1:2 gegen 1860 München. Sie bleiben weiter Tabellenletzter. Jan Lehmann und Frank Noack

Ausgerechnet Daniel Adlung hat den kleinen Höhenflug des FC Energie gestoppt. Nach der Führung von Mathias Fetsch (25.) leitete der Ex-Cottbuser den Ausgleich durch Dominik Stahl (47.) ein und traf dann zum 2:1-Sieg für München (70.). Energie bleibt Tabellenletzter und hat noch einen weiten Weg bis zum Klassenerhalt vor sich.

Dabei war das in der ersten Halbzeit spielerisch die bisher beste Leistung unter Trainer Jörg Böhme. Energie garnierte dessen Maxime, dass die Art und Weise des Auftretens entscheidend sei, mit bemerkenswertem Offensivschwung. Der FCE beeindruckte die Gäste mit unermüdlicher Laufbereitschaft und schonungslosen Zweikämpfen.

Bestes Beispiel: Die Szene vor dem Führungstor. Alexander Bittroff kam im Offensivzweikampf zu spät und 1860 leitete einen Konter ein. Doch Bittroff gab diesen Ball noch nicht verloren, sondern stürmte über den halben Platz. Kurz vorm eigenen Strafraum grätschte er Adlung die Kugel sauber vom Fuß und drehte mit dieser Willensleistung den Lautstärke-Regler im Stadion auf rechts. Der Jubelsturm wurde noch lauter, als Ahmed Madouni kurz darauf einen langen Freistoß im Münchner Strafraum mit dem Oberschenkel stoppte und Mathias Fetsch den Ball zum 1:0 über die Linie drückte (25.).

In diesem Moment hatte Fetsch zumindest vorübergehend die rote Laterne in der Lausitz gelöscht - Energie sprang sogar auf Relegationsrang 16. Runter von einem direkten Abstiegsplatz, dort hatte der FCE zuletzt am 27. Oktober gestanden. Diese Position hätten die Cottbuser festhalten können, ja müssen. Energie spielte zeitweise wie im Rausch. Doch Münchens Keeper Kiraly parierte glänzend bei Boubacar Sanogos Drehschuss (30.) und Fetsch schoss freistehend am Tor vorbei (35.). Als Marco Stiepermann auch noch Fetsch in die Hacken traf (41.), musste Energie sich mit der knappen Halbzeit-Führung zufrieden geben.

Wie wacklig dieses Ergebnis war, zeigte sich kurz nach dem Wechsel: Die FCE-Defensive war einmal nicht auf der Höhe und schon traf Münchens Dominik Stahl zum 1:1-Ausgleich (47.). Der Schwung aus der ersten Hälfte war damit verpufft. Kapitän Uwe Möhrle konstatierte: "Das erste Gegentor ist zu früh gefallen. Danach hat München brutal guten Offensivfußball gespielt." Doch auch Energie hatte noch Chancen. Stiepermann donnerte den Ball aus 20 Metern an den Innenpfosten, Sekunden später versuchte er Sanogo freizuspielen. Doch der Torjäger kam nicht mehr hinter den Ball (54.).

Auf der Gegenseite hielt René Renno den FCE mit einem Reflex gegen Adlung noch im Spiel (57.). Stiepermann erklärte: "Wir wollten weiter voll auf Sieg spielen." Doch nicht jedesmal gelingt der Ritt auf der Rasierklinge, wie ihn Energie in Bielefeld erfolgreich vollführt hatte. Das Kopfballtor (67.) von Münchens Osako wurde zwar noch wegen Abseits nicht gegeben. Doch als Adlung dann freistehend ins leere Tor schoss (70.), konnte der zuletzt so gnädige Fußballgott auch nichts mehr ausrichten. FCE-Trainer Böhme kommentierte enttäuscht: "Wir haben leider das zweite Tor nicht gemacht. Das wäre der Genickschuss für 1860 gewesen. In der zweiten Halbzeit haben wir zu viel gewollt."

Doppelt bitter: Keeper Renno wurde mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht. Bleibt zu hoffen, dass Renno und auch der FCE nach diesem Rückschlag schnell wieder aufstehen.

Zum Thema:
Gewinner: Daniel Adlung zeigte eine starke Leistung. Nach seinem Tor gegen den Ex-Club hob er entschuldigend die Hände und betonte später: "Für die Energie-Fans tut es mir leid. Cottbus hat trotzdem die besten Chancen auf den Klassenerhalt. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Energie es schafft."Verlierer: André Fomitschow galt eigentlich als Kandidat für die Startelf. Doch der 23-Jährige war am Mittwoch nicht auf dem Spielberichtsbogen zu finden, dort waren nur 17 Profis verzeichnet. Grund: Fomitschow hatte Probleme mit dem Oberschenkel.