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| 10:53 Uhr

Herning
Eishockey-Team enttäuscht bei der WM

Herning. Elf Wochen nach der Olympia-Sensation ist die DEB-Auswahl bereits in der Vorrunde gescheitert.

Elf Wochen nach der Olympia-Sensation ist die DEB-Auswahl bereits in der Vorrunde gescheitert.

Nach dem Absturz der Eishockey-Überflieger wollte Yannic Seidenberg nichts mehr von Pyeongchang hören. "Wir können jetzt langsam mal vergessen, was bei Olympia war", sagte der Silbermedaillengewinner von Südkorea, als die letzte Chance auf das WM-Viertelfinale in Dänemark verspielt war: "Wir sind jetzt hier mit einem anderen Team." Einem, das nach dem Olympia-Rausch einen veritablen WM-Kater erlebt. Nach der Viertelfinalteilnahme bei den beiden vorangegangenen Weltmeisterschaften und der Silbersensation bei den Spielen ist die deutsche Nationalmannschaft vorzeitig gescheitert.

Nach dem bitteren 1:3 gegen Lettland und nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen stand bereits fest: Nach der WM-Vorrunde fliegt sie nach Hause. Die K.o.-Spiele, in denen sie in Pyeongchang über sich hinauswuchsen, erleben Seidenberg und Co. allenfalls vor dem Fernseher - wenn sie noch nicht die Nase voll vom Eishockey haben.

"Sicherlich haben wir nicht das aufs Eis gebracht, was uns in den letzten Jahren stark gemacht hat", gab der Münchner Verteidiger zu. Das war auch nicht leicht: 15 der 25 Olympiahelden fehlten in Herning, Bundestrainer Marco Sturm musste die großen Lücken mit jungen, unerfahrenen Spielern stopfen.

Dass das neuformierte Team nicht auf Anhieb so funktionieren würde wie die verschworene Einheit, die im Februar die Eishockey-Welt begeisterte, war ihm klar. "Diese Mannschaft war einmalig. Es hat Jahre gebraucht, sie zuammenzubekommen", so Sturm, "jetzt ist ein neuer Abschnitt. Man braucht eine gewisse Zeit." Die hatte der Bundestrainer vor der WM nicht. Weil zehn Silbermedaillengewinner eine Woche vor Turnierstart um die deutsche Meisterschaft spielten und die Hälfte von ihnen kurzfristig - und für Sturm überraschend - absagte, musste er improvisieren.

"Dieser Kader kam auf die Schnelle zustande", gab der Chefcoach zu, der in Dänemark den ersten Misserfolg seit seinem Amtsantritt 2015 erlebt. Zwar konnte der 39-Jährige auf NHL-Star Leon Draisaitl bauen, doch auch aus der besten Eishockeyliga der Welt gab es diesmal Absagen für Sturm: Torhüter Thomas Greiss sowie die Stürmer Tobias Rieder und Tom Kühnhackl gaben dem Bundestrainer einen Korb. Auf den erst 22-jährigen Draisaitl war Verlass: Der Stürmerstar (Edmonton Oilers) war an neun der 13 deutschen Tore in den ersten fünf Spielen beteiligt. Doch alleine konnte er das Team nicht ziehen. Vor allem der Verlust der zurückgetretenen Führungsspieler von Olympia, Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer, schmerzte. Moritz Müller sagte: "Bei Olympia haben wir uns ins Herz der Leute gespielt. Ich hoffe, dass sie verstehen, dass wir nicht jedes Mal einen großen Wurf landen können."

(sid)