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Düsseldorf

Veronika Rücker hat sich auf dem Sportkongress "Spobis" in Düsseldorf in der vergangenen Woche einen Scherz erlaubt. Wenn man allerdings Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist, ist das mit Scherzen so eine Sache. Rücker jedenfalls hatte im Plauderton verlauten lassen, man könne sich nach gescheiterten Bewerbungsanläufen für Sommerspiele doch auch mal für Winterspiele bewerben. Gianni Costa und Stefan Klüttermann

Winterspiele in NRW? Walter Schneeloch, Vize-Präsident des DOSB, kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Sagen wir mal so, auf die Idee bin ich so noch nicht gekommen", sagt Schneeloch. "Komplette Winterspiele in NRW wären vermutlich eine Nummer zu groß. Aber wir haben viele Orte, an denen durchaus Wettkämpfe ausgetragen werden könnten." Andrea Milz, Staatssekretärin Sport in der NRW-Landesregierung, fände die Idee "irgendwie charmant, aber wir sollten dann doch unsere volle Aufmerksamkeit darauf richten, irgendwann vielleicht mal die Sommerspiele austragen zu dürfen".

Indes: Wie gewagt wäre ein solches Gedankenspiel tatsächlich? Wie utopisch wären Winterspiele vor der Haustür? Immerhin hatte Sotschi 2014, hat Pyeongchang in diesem Jahr, und hat vor allem auch Peking in vier Jahren nicht gerade den Ruf, ein Epizentrum des Wintersports zu sein. Warum also nicht NRW? Wer den Versuch unternimmt, die olympischen Sportarten zwischen Eifel und Sauerland zu verorten, dürfte jedenfalls überrascht sein, wie gut die Bedingungen hier sind.

Natürlich dominiert Winterberg. Hier würden die Kombinierer und Skispringer ihre Flüge absolvieren. Zwar liegt der Rekord auf der St.-Georg-Schanze nur bei 88 Metern, aber internationale Standards stellen hier unterm Strich kein Problem da. Und die Kombinierer gingen einfach ein paar Kilometer weiter zum Langlauf in die Loipe Züschen. Alles eine Spur kleiner als im Hochgebirge würde sich natürlich die Situation für die Alpin-Skifahrer darstellen, aber immerhin bietet das Skiliftkarussell Winterberg das größte zusammenhängende Skigebiet nördlich der Mainlinie und mit dem am Slalomhang die steilste Abfahrt nördlich der Alpen. Bobfahrer, Rodler und Skeletonis finden in der WM-erprobten Eisarena schließlich perfekte Bedingungen.

Wenn das Sauerland schon gut versorgt ist, würden Langlauf und Biathlon in die Eifel wandern, zum Beispiel in die Loipe Windhaag bei Monschau. Curling, Eiskunstlauf und Eisschnelllauf fänden in Grefrath ihre Heimat - teils unter freiem Himmel. Wie man Freestyle-Events im Nordpark ausrichtet, haben sie derweil in Mönchengladbach schon nachgewiesen, und wer Arenen in NRW sucht, um die Eishockey-Turniere auszurichten, wird in Düsseldorf, Köln, Krefeld und Iserlohn fündig. In Duisburg auch - aber da fände Shorttrack statt.

Sollte das IOC also mal gar keinen mehr finden, der Winterspiele ausrichten will: Ein Blick nach NRW lohnt sich. Und wenn auch nur mit einem kleinen Augenzwinkern.