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| 10:27 Uhr

Valencia
Deutschland scheitert in Davis-Cup-Krimi

Valencia. Philipp Kohlschreiber muss sich im entscheidenden Einzel des Viertelfinales von Valencia dem Spanier David Ferrer erst im fünften Satz geschlagen geben. Alexander Zverev ist zuvor chancenlos gegen Rafael Nadal. Pirmin Closse

Philipp Kohlschreiber muss sich im entscheidenden Einzel des Viertelfinales von Valencia dem Spanier David Ferrer erst im fünften Satz geschlagen geben. Alexander Zverev ist zuvor chancenlos gegen Rafael Nadal.

Kein Happy End beim Davis-Cup-Krimi in der Stierkampfarena: Die deutsche Mannschaft hat die erste Halbfinal-Teilnahme seit 2007 am Ende einer echten Nervenschlacht denkbar knapp verpasst. Die DTB-Auswahl verlor zum Abschluss am Sonntag beide Einzel und verabschiedete sich damit nach einer dramatischen Fünf-Satz-Pleite von Philipp Kohlschreiber mit einer 2:3-Niederlage aus dem traditionsreichen Nationenwettbewerb.

Nachdem sich die deutsche Nummer eins Alexander Zverev im Spitzenspiel gegen Rafael Nadal klar hatte geschlagen geben müssen, unterlag Kohlschreiber nach einem packenden Match über 4:51 Stunden gegen David Ferrer 6:7 (1:7), 6:3, 6:7 (4:7), 6:4, 5:7. Zverev hatte es in der nervenaufreibenden Schlussphase auf der deutschen Bank ebenso wie Tennis-Ikone Boris Becker, im DTB mit dem klangvollen Titel Head of Men's Tennis ausgestattet, kaum mehr auf den Sitzen gehalten.

Bei seiner 1:6, 4:6, 4:6-Niederlage gegen Superstar Nadal, dem seine über zweimonatige Verletzungspause kaum anzumerken war, war Zverev zuvor selbst chancenlos gewesen. Anschließend war er bemüht, seine Enttäuschung zu verbergen. "Ich habe gegen den besten Spieler aller Zeiten auf Sand gespielt", sagte der Hamburger: "Es ist nicht überraschend, dass ich verloren habe."

Dennoch saß der 20-Jährige nach seiner vierten Niederlage im vierten Duell mit Nadal spürbar angefressen auf der obligatorischen Pressekonferenz. "Ich war müde, das versteht ihr einfach nicht", klagte er gegenüber den Journalisten. Durch seine verspätete Anreise vom ATP-Masters in Miami und "drei Wochen ohne einen freien Tag", habe er seine Bestform gar nicht abrufen können: "Ich bin kein Roboter, sondern ein Mensch."

"Der König gegen den Kronprinzen", hatte Valencias größte Lokalzeitung am Morgen des Duells getitelt. Und Nadal machte bei Kaiserwetter in Valencia eindrucksvoll klar, wer derzeit noch auf dem Thron sitzt. Der 31-Jährige dominierte den passiven Zverev quasi nach Belieben. Deutschlands Jungstar haderte mit den Linienrichtern, Ballkindern, dem Platz sowie sich selbst und war letztlich ohne Chance.

Zum Auftakt des Viertelfinalspiels am Freitag hatte Zverev noch durch einen souveränen Dreisatzsieg gegen Ferrer für die deutsche Führung gesorgt, Nadal gegen Kohlschreiber jedoch umgehend ausgeglichen. Jan-Lennard Struff (Warstein) und Tim Pütz (Frankfurt) rangen einen Tag später in einem fast fünfstündigen Duell Spaniens Spitzenduo Marc Lopez und Feliciano Lopez nieder. Für den Sieg reichte es trotzdem nicht.

Unterm Strich bleibt dennoch ein Wochenende, das inmitten der Diskussionen um seine Zukunft beste Werbung für den traditionsreichen Davis Cup bot. Die "Plaza de Toros" lieferte eine spektakuläre Kulisse für die mit allen Stars angetretenen Teams, der Doppel-Krimi am Samstag und das dramatische Finale am Sonntag ein leidenschaftliches Plädoyer für den Erhalt von Fünf-Satz-Matches.

Mit der angestrebten Radikal-Reform des Weltverbands ITF, der ein einwöchiges Nationenturnier am Jahresende einführen möchte, wäre all das Geschichte. "Wer das abschaffen möchte, den kann ich nicht verstehen", meinte der deutsche Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann.