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| 06:48 Uhr

Analyse
Der schwere Stand der jungen Trainer

Die Verbalattacke von Gladbachs Max Eberl auf Hoffenheims Julian Nagelsmann zeigt: Die Arrivierten der Liga reagieren schnell allergisch, wenn Trainer der neuen Generation ihnen als Besserwisser erscheinen. Stefan Klüttermann

Die Verbalattacke von Gladbachs Max Eberl auf Hoffenheims Julian Nagelsmann zeigt: Die Arrivierten der Liga reagieren schnell allergisch, wenn Trainer der neuen Generation ihnen als Besserwisser erscheinen.

Hoffenheim schoss drei Tore, Gladbach auch, aber am Ende waren es drei Wörter, die für viele die emotionalste Geschichte des 3:3 erzählten. "Du kleiner Pisser!", hatte Borussias Sportdirektor Max Eberl Hoffenheims Trainer Julia Nagelsmann am Spielfeldrand entgegengerufen. Eberl entschuldigte sich zwar nach Abpfiff umgehend und nahm Nagelsmann auch vor dem Vorwurf in Schutz, ein Provokateur zu sein. Aber eins wurde bei diesem Vorfall deutlich: Junge Trainer, oft ohne eigene Spielerkarriere, dafür aber mit frischen Ideen - "Laptoptrainer", wie Mehmet Scholl unkte - werden innerhalb der Liga gefeiert, solange sie es vermeiden können, den Arrivierten den Eindruck des Besserwissers zu vermitteln. Das ist die Grenze, die der innere Zirkel des Profifußballs steckt. Überschreiten die Talente auf der Bank die Grenze, gibt es Gegenwind. Dann wird "Jahrgangsbester" schnell zum Schimpfwort.

Für Nagelsmann, den 30-Jährigen, war es am Samstag nicht der erste Fall vergleichbarer Art. Erst im Februar entlockte er Schiedsrichter-assistent Robert Schröder beim Spiel auf Schalke durch Nachfragen ein "Haben Sie einen Dachschaden?". Und im Oktober 2016 hatte ihm ironischerweise in Leverkusens damaligem Coach Roger Schmidt just einer Contra gegeben, der selbst zuweilen den Eindruck vermittelte, als Erster diesen Sport in seiner Gänze zu begreifen. "Was bist du denn für ein Spinner? Halt doch einfach mal die Schnauze. Glaubst du, du hast Fußball erfunden?", blaffte Schmidt damals.

Der Erste, der sich in der Szene als Oberlehrer verdächtig gemacht hatte, war Ralf Rangnick, als er 1998 mit 30 Jahren und als Trainer des SSV Ulm im "Aktuellen Sportstudio" der Nation die Viererkette an der Taktiktafel erklärte. Seitdem hat er den Namen "Professor" weg. Seitdem werden viele seiner Aussagen auf die Goldwaage gelegt. Mal gilt er als Schlaumeier, mal als Visionär.

Domenico Tedesco, im Trainerlehrgang 2016 noch vor Nagelsmann Jahrgangsbester, steht als Trainer von Schalke 04 auch unter Beobachtung des Establishments. Aber Besserwisser-Attacken konnte der 32-Jährige bislang auffällig vermeiden. Weil er mit Königsblau erfolgreich ist. Aber eben auch, weil er in der öffentlichen Wahrnehmung als Moderator einer Teamführung auftritt, und nicht als einer, der die große Bühne fürs große Ego nutzt.

Nagelsmann galt 2016 schon kurz nach seiner Premiere in Hoffenheim als designierter Bayern-Trainer. Diese Gerüchte sind zuletzt verschwunden. Vielleicht hatten die Münchner ihn einfach zu oft als Grenzverletzer wahrgenommen.