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| 14:42 Uhr

Der lange Weg des FC Energie Cottbus

Der Weg zurück nach oben wird für die Cottbuser zu einer langwierigen Aufgabe. Die ersten Schritte lassen jedoch auf eine erfolgreiche Zukunft hoffen.
Der Weg zurück nach oben wird für die Cottbuser zu einer langwierigen Aufgabe. Die ersten Schritte lassen jedoch auf eine erfolgreiche Zukunft hoffen. FOTO: Aleksandar Mijatovic/ Shutterstock
Energie Cottbus hat in der laufenden Regionalliga-Saison eine stabile Hinrunde hingelegt und befindet sich in Schlagdistanz zum Tabellenführer Carl Zeiss Jena. Nach dem emotionalen und am Ende traurigen ersten Halbjahr 2016 hat sich der FCE stabilisiert und mobilisiert weiterhin tausende von Zuschauern.

Der Rückhalt der Fans ist der Mannschaft gewiss und unter der Leitung von Claus-Dieter Wollitz wird die Truppe das Ziel Aufstieg bis zuletzt verfolgen.

Bevor es zu der Talfahrt und dem bisherigen Tiefpunkt mit dem Abstieg in die 4. Liga kam, konnte Cottbus eine durchaus erfolgreiche Zeit im deutschen Profifußball erleben. Nach der Wiedervereinigung ist es nur wenigen Ost-Klubs gelungen, sich im deutschen Profifußball zu etablieren. Energie Cottbus gehört dazu, auch wenn seit dieser Saison Regionalliga-Fußball auf dem Programm steht.

Erfolgsgeschichte unter Eduard Geyer

In den 90er-Jahren gelang das Kunststück, innerhalb weniger Jahre von der damaligen Oberliga in die Bundesliga aufzusteigen - unter kräftiger Mithilfe von Trainer Eduard Geyer . Geyer wurde im Jahr 1994 nach dem Aufstieg in die Regionalliga verpflichtet und unter seiner zehn Jahre andauernden Führung erlebten die Lausitzer ihre erfolgreichste Zeit.

Darunter fallen unter anderem die Aufstiege in die 2. (1997) und 1. Bundesliga (2000). Außerdem schaffte es die Mannschaft in der Regionalliga der Spielzeiten 95/96 und 96/97 in 57 aufeinanderfolgenden Pflichtspielen ungeschlagen zu bleiben. Drei Jahre lang konnte sich der FCE trotz finanzieller Ungleichheit in der höchsten deutschen Spielklasse halten.

Im Jahr 2003 folgte der Abstieg, ein direkter Wiederaufstieg wurde nur aufgrund von einer um sieben Tore besseren Tordifferenz zugunsten von Mainz 05 verpasst. In der Hinrunde der Saison 2004/2005 musste Geyer nach enttäuschenden Leistungen seiner Mannschaft den Trainerstuhl räumen.

Unter dem neuen Trainer Petrik Sander schaffte der Verein erneut den Aufstieg in die Bundesliga und die Fans konnten sich weitere drei Jahre an deutschem Spitzenfußball im Stadion der Freundschaft erfreuen.

Das Jahr 2016 endete versöhnlich

Die Sehnsucht danach ist bei Fans als auch den Verantwortlichen groß. Die Chancen, dem Verein nach den drei Abstiegen 2009, 2014 und 2016 wieder die richtige Richtung zu weisen, wurden genutzt bzw. zumindest gewahrt. Der Tabellenführer der Regionalliga Nordost, Carl Zeiss Jena, hat vier Punkte Vorsprung und noch ein Nachholspiel gegen den ZFC Meuselwitz (13.) zu absolvieren.

Aufgrund der Tatsache, dass Jena eine beinahe fehlerlose Saison spielt, ist Meuselwitz natürlich krasser Außenseiter, gewonnen werden muss dieses Spiel aber auch erst einmal. Deshalb sehen auch die einschlägigen Buchmacher von Wetten Online den Thüringer Klub als Favoriten, gefolgt vom FCE. Unmöglich ist der Aufstieg also nicht, auch wenn Jena bislang nur eine Partie verloren hat. Am 14. Spieltag musste sich der FCC der zweiten Mannschaft von RB Leipzig mit 3:0 geschlagen geben.

Gegen eben diese Leipziger muss Energie Cottbus seine Aufstiegsambitionen untermauern, wenn sie am 19. Spieltag in Markranstädt antreten. Das Hinspiel der beiden Vereine endete 0:0, allerdings waren die Voraussetzungen im Vergleich zu heute komplett verschieden. Nach dem Abstieg aus der 3. Liga haben die Cottbuser einen großen Schnitt gemacht und einschneidende Veränderungen unternommen.

Bereits zum Ende der Saison 15/16 wurde der als Spieler gefeierte Vasile Miriuta, der mittlerweile wieder den dreimaligen rumänischen Meister und aktuellen Pokalsieger CFR Cluj betreut, beurlaubt und durch den jetzigen Trainer Claus-Dieter Wollitz ersetzt. Aber auch unter Wollitz konnte der Aufstieg nicht verhindert werden. Der bittere Abstieg wird vielen Cottbuser Fans noch lange im Gedächtnis bleiben, da nur wenige Minuten zwischen Freude und Trauer lagen.

Im letzten Spiel der Saison führte Cottbus bis zur 89. Minute mit 2:1 gegen die zweite Mannschaft von Mainz, verlor die Partie jedoch noch mit 2:3, wodurch der Abstieg besiegelt wurde. Ein Sieg hätte andererseits den Sprung ans rettende Ufer bedeutet. Dabei begann das Jahr für den Verein traditionsreich mit dem 50-jährigen Vereinsjubiläum am 31. Januar 2016. Am Saisonende kam es allerdings zum bisherigen Tiefpunkt der Vereinsgeschichte.

Umbau und Ausblick

Infolgedessen hat sich vor allem in der Kadergestaltung, aber auch in der Führungsetage einiges geändert. In der Sommerpause 2016 folgten 23 Abgänge und 21 Zugänge, darunter einige aus der Cottbuser U19, so dass sich eine komplett neue Mannschaft gebildet hat. Nur Avdo Spahic, Philipp Knechtel und Jonas Zickert waren in der Vorsaison bereits im Kader. Auch der Präsidentenposten wurde neu besetzt. Nach dem Rücktritt von Wolfgang Neubert übernahm Michael Wahlich das Amt.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Liga mit nur einem Sieg aus fünf Partien konnten die Cottbuser allerdings eine starke Hinrunde abliefern. Deshalb hat der neue Präsident den Aufstieg auch noch nicht abgehakt. Vor Weihnachten sagte Wahlich: "Für heute können wir festhalten: Wir haben eine erfolgreiche Halbserie hingelegt. Leider steht noch jemand vor uns, aber das werden wir womöglich im neuen Jahr ändern."

Ob dafür noch Verstärkungen in der Winterpause geholt werden, ist ob der finanziellen Situation des Vereins fraglich. Allenfalls kommt noch ein Offensivspieler. Interesse besteht an Felix Geisler , der im Sommer für 75.000 € zum FSV Zwickau gewechselt ist. Ansonsten sind momentan keine Transfers im Gespräch, da auch in letzter Zeit einige Verletzte zurückgekehrt sind.

Nur bei Alexander Meyer (Muskelfaserriss) besteht noch keine Klarheit über die Rückkehr. Der Mittelfeldspieler Fabio Viteritti (Mittelhandbruch) wird jedoch voraussichtlich bis zum Rückrundenstart wieder fit. Auf die Nummer 10 würde Wollitz nur ungern verzichten, ist er doch für 14 direkte Torbeteiligungen (7 Tore, 7 Vorlagen) in der aktuellen Saison verantwortlich.

Die Bewährungsprobe für die Rückrunde findet am 21. Januar in einem Testspiel gegen Drittligist Magdeburg statt. Voraussichtlich am 2. Februar muss der FCE dann wieder in der Regionalliga gegen RB Leipzig II ran. Da die Partie am Donnerstag um 13.30 Uhr stattfindet, führte die Ansetzung bereits zu Protesten der Fans . Ob sich hier noch etwas ändert, bleibt abzuwarten. Auch das Wetter könnte noch ein Wörtchen mitreden.