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| 07:47 Uhr

Dortmund
BVB hofft auf Neustart mit Favre

Dortmund. Der Schweizer Trainer hat auf jeder seiner Stationen Erfolg gehabt, besonders in Mönchengladbach. Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz

Lucien Favre kommt aus einem winzigen Ort im Schweizer Kanton Waadt: Saint-Barthélemy. Dort tragen viele seinen Nachnamen, "da kann man ein Fußball-Team nur mit Favres aufstellen", sagte er mal. Auch in der Fußball-Welt gibt es mehr als einen Favre. Den echten natürlich, aber auch den Geist von Favre. Der schwebt noch immer über Borussia Mönchengladbach nach viereinhalb Jahren, und auch beim OGC Nizza, den Favre im Sommer 2016 übernahm, werden sie ihn nicht so schnell vergessen. Ganz leibhaftig jedoch wird der 60-Jährige ab Juli Borussia Dortmund trainieren, als Nachfolger von Peter Stöger.

Nach Hertha BSC und Gladbach wird der BVB Favres dritter Klub in der Bundesliga. Als er mit Nizza im Trainingslager der Gladbacher zu Gast war, trugen die Fans immer noch T-Shirts mit seinem Konterfei. Solche Shirts gibt es auch in Zürich. Dort machte er den FC Zürich zweimal zum Meister. Niemand wird ihm das je vergessen. Favre ist ein Trainer, der Spuren hinterlässt und regelmäßig noch mehr als das scheinbare Maximum herausholt. In Dortmund hegen sie nun die Hoffnung, dass es bei seiner größten Station nicht anders sein wird.

Favre hat Gladbach im Jahr 2011 neues Leben eingehaucht, die Mannschaft abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz übernommen, auf dem Umweg der Relegation gerettet und dann völlig unerwartet ins internationale Geschäft geführt. Favre kam als Hoffnungsträger, doch das, was er den Gladbachern gab, war viel mehr als Hoffnung. Es war, wie er oft sagte, und zwar mit dem nötigen Nachdruck: ein Wunder. Die Fans nannten ihn, in Anlehnung an Meistertrainer Weisweiler, "Hennes". Mehr Lob geht nicht in Gladbach. Weisweiler war der Erfinder der legendären Fohlenelf. Favre erfand die Borussia für die Neuzeit neu als "Borussia Barcelona".

Er tat es mit größter Akribie, das ist sein Markenzeichen. Der Schweizer gehört zu den Trainern, die Spieler besser machen können. Favre ist ein Entwickler und ein Tüftler. Er ist ein Fußball-Lehrer im eigentlichen Sinn, weniger indes Pädagoge als Professor - da ist jeder Millimeter auf dem Rasen entscheidend, Laufwege sind exakt ausbaldowert wie auf der Playstation. Favre-Teams sind gut organisiert, sie arbeiten präzise. Sie können spektakulär sein, müssen es aber nicht. Er lehrt seine Spieler Geduld, das fordert er auch von den Fans ein. Dass er auch schrullig sein kann, muss man wissen. Favre ist Fußball-Freak durch und durch, er liebt und lebt den Fußball. Drumherum ist der Rest seines Lebens organisiert.

Gladbach überließ er Hals über Kopf, Verein und Fans haben es ihm verziehen. Die eine Borussia vom Niederrhein scheint sich jedoch knapp drei Jahre nach seinem Rücktritt noch nicht vollständig von seinem Schaffen emanzipiert zu haben, während er nun die andere in Westfalen übernimmt. Bis 2020 hat Favre in Dortmund unterschrieben.