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| 10:53 Uhr

Mönchengladbach
Borussia schießt sich den Frust von der Seele

Mönchengladbach. Nach einer ereignis- und debattenreichen Woche landet Gladbach einen 3:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg. In der ersten Halbzeit spielt Dieter Heckings Mannschaft den Gegner fast an die Wand. Jannik Sorgatz

Erlösende Abpfiffe gibt es in der Bundesliga fast jede Woche. Es ist allerdings anzunehmen, dass Borussia gestern gegen den VfL Wolfsburg ausnahmsweise den Anpfiff als erlösend empfand. Hinter dem Klub lagen fünf Tage, in denen es allein mit der Aufarbeitung des 1:5 in München (dieser Abpfiff war sicherlich erlösend) genug zu tun gegeben hätte. Diesmal hätte Dieter Heckings Mannschaft bestimmt gerne weitergespielt. Die Partie gegen die abstiegsgefährdeten Wolfsburger ging ihr so leicht von den Füßen wie selten eine in dieser Saison. 3:0 hieß es am Ende durch Tore von Lars Stindl, Raffael und Christoph Kramer. Noch wichtiger als die Punkte dürften dabei die positiven Gefühle sein, die Gladbach sich selbst und seinen Fans bescherte. Zur Pause stand das ganze Stadion, zuletzt war das eher der Zeitpunkt für Pfeifkonzerte gewesen.

Nicht nur die Klatsche bei den Bayern war tagelang nachgehallt. Den Verein und die Fanszene schockierte eine mutmaßliche Vergewaltigung in einem Sonderzug. Auf der Mitgliederversammlung am Montag blieb es dann ruhiger, als von vielen vorab erwartet. Zu erklären hatten Max Eberl und Dieter Hecking dennoch jede Menge, noch einmal am Donnerstag auf der Pressekonferenz, als der Manager die aufkeimenden Diskussionen um seinen Trainer mit einem knappen "Ja" beendete - Hecking wird seinen Vertrag bis 2019 erfüllen. Außerdem stand Yann Sommer als Mobbing-Opfer einer kleinen Gruppierung in der Nordkurve im Fokus, und der frühere BVB-Spieler Matthias Ginter musste seine Aussage vor Gericht im Prozess um den Dortmunder Sprengstoffanschlag hinter sich bringen.

Einfach Fußball spielen zu dürfen, das schien wohltuend zu sein für die Borussen, die sich explizit damit meist schwergetan haben in der Rückrunde. Beim 1:0 durch Stindl kam die Vorlage noch vom Gegner. Deshalb stand Gladbachs Kapitän, der in München gelbgesperrt gefehlt hatte und der einzige Neue in der Startelf war, nicht im Abseits. Mit einem regelrechten Gewaltschlenzer setzte Stindl den Ball in die kurze Ecke. "So einfach kann's gehen", schien Hecking mit erhobenen Händen signalisieren zu wollen.

Torwart Sommer war zum Warmmachen demonstrativ freundlich von den Zuschauern empfangen worden, die ihm ja zu 99 Prozent auch sonst applaudieren. Auszeichnen konnte er sich lange nicht. Nur Borussia spielte - mit Dynamik im Passspiel, Konzentration in der Rückwärtsbewegung und wohldosiertem Gegenpressing. Mehr, das betonten auf der Mitgliederversammlung einige Fragesteller, verlangt ein Großteil der Fans auch gar nicht. Das 2:0 durch Raffael werden sie trotzdem gerne mitgenommen haben: Jonas Hofmann scheiterte nach einem 50-Meter-Pass von Jannik Vestergaard noch mit links, im Nachschuss traf Raffael.

Kurz darauf gab Wolfsburg seinen allerersten Torschuss ab. Noch vor der Pause fiel jedoch auf kuriose Weise das 3:0: Während selbst seine Kollegen noch mit der Vorbereitung eines Freistoßes beschäftigt waren, schoss Kramer den Ball einfach ins Tor. Die Wolfsburger protestierten vergeblich.

In den zweiten 45 Minuten ging es scheinbar nur noch um die Höhe des Gladbacher Sieges. Die Gäste besserten zumindest ihre Torschussbilanz auf und verhinderten, dass die Niederlage demoralisierende Sphären erreichte. Borussia stellte das Spielen nicht ein und hatte weiter mehr Ballbesitz. Doch es fielen keine weiteren Tore, unter anderem gelang es Hofmann nicht, seine starke Leistung zu krönen. Den Abend der positiven Gefühle nutzte Hecking in der Schlussphase, um Laszlo Bénes (nach mehr als sieben Monaten) und Ibrahima Traoré (nach sechs Monaten) ihre Comebacks zu ermöglichen. So viel ist den Borussen in 90 Minuten lange nicht gelungen.