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| 10:56 Uhr

Analyse
Bei Geld hört die Freundschaft auf

Frankfurt/M.. Drei frühere Spitzenfunktionäre des Deutschen Fußball-Bundes müssen sich künftig vor Gericht verantworten. Sie galten mal als verschworene Gemeinschaft. Nun sind sie total zerstritten und stehen sich so verbittert wie unversöhnlich gegenüber. Gianni Costa

Drei frühere Spitzenfunktionäre des Deutschen Fußball-Bundes müssen sich künftig vor Gericht verantworten. Sie galten mal als verschworene Gemeinschaft. Nun sind sie total zerstritten und stehen sich so verbittert wie unversöhnlich gegenüber.

Der Horst. Der Theo. Der Wolfgang. Es gab mal eine Zeit beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), da versuchten sich die drei als verschworene Gemeinschaft zu inszenieren. Es blieb nur bei einem kurzen Versuch. Denn der damalige Schatzmeister Horst R. Schmidt, DFB-Präsident Theo Zwanziger und sein Generalsekretär Wolfgang Niersbach verfolgten wohl schon immer ziemlich unterschiedliche Interessen. Was sie verband, war vor allem ein großes Projekt: die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. In ihren einstigen Funktionen vertraten sie den DFB - und leisteten schließlich auch ihre Unterschrift auf einer Steuererklärung, an deren Richtigkeit die Finanzbehörden inzwischen erhebliche Zweifel haben.

Die Ermittler werfen dem Trio vor, eine falsche Steuererklärung für das WM-Jahr abgegeben und eine Rückzahlung der ominösen 6,7 Millionen Euro im Zentrum der gesamten Affäre bewusst verschleiert zu haben. "Es wird sich herausstellen, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind", sagte der 2015 zurückgetretene DFB-Präsident Niersbach. Vorgänger Zwanziger erklärte: "Diese Anklageerhebung ist blinder Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken und die ,heiße Kartoffel Ermittlungsverfahren' möglichst schnell in die Verantwortung der Gerichte abzuschieben. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Veranlassung, den reichen DFB durch eine Steuerhinterziehung noch reicher zu machen." Und der langjährige DFB-Generalsekretär Schmidt ging sogar so weit, zu sagen: "Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main verletzen mich."

Es geht in allererster Linie in dem Verfahren um eine juristische Aufarbeitung. Es ist indes auch eine spannende Innenansicht über die Verstrickungen im mit rund sieben Millionen Mitgliedern größten Sportverband der Welt. Schmidt, Zwanziger und Niersbach haben sich schon vor ein paar Jahren heillos zerstritten. Vor allem Zwanziger und Niersbach haben sich öffentlich ein erbittertes Gefecht über die Deutungshoheit in zentralen Themen des DFB geliefert. Vieles hat weniger mit Fakten zu tun, sondern mit verletzten Eitelkeiten. Zwanziger, der sich gerne als Mann des Ehrenamts dargestellt hat, fühlte sich von Niersbach, dem gefühlten Vertreter des Profi-Lagers, nicht ausreichend gewürdigt. Niersbach fühlte sich eng verbunden mit Franz Beckenbauer, der damals als Chef des Organisationskomitees wirkte. Der aber wiederum Niersbach fallen ließ, als die ersten Unregelmäßigkeiten an die Öffentlichkeit gelangten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Bündnis auseinanderbrechen musste.

Beim DFB ist man noch heute davon überzeugt, steuerrechtlich alles richtig gemacht zu haben. Die 6,7 Millionen Euro, so heißt es, seien Betriebsausgaben gewesen. Die spannende Frage ist nur: für was? Genau darüber hat der DFB für Millionen eine Rechtsanwaltskanzlei ermitteln lassen. Doch am Ende steht die Erkenntnis: Nichts Genaues weiß man. Der Einzige, der wirklich für Aufklärung sorgen könnte, hält sich zurück: Beckenbauer. Der einstige "Kaiser" will einfach nur seine Ruhe. Juristisch ist er auch aus der Sache raus.

Für den DFB selbst steht viel auf dem Spiel. In einem separaten Verfahren geht es um eine mögliche Aberkennung als gemeinnütziger Verein - verbunden mit dem Verlust von Steuervorteilen in Millionenhöhe. Dementsprechend zurückhaltend kommentiert man die aktuelle Entwicklung um Schmidt, Niersbach und Zwanziger. Am Ende sitzen doch alle in einem Boot.