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Basketball-Meister Bamberg am Tiefpunkt
"Es war eine Schande, wie wir heute aufgetreten sind"

Der Bamberger Trainer Andrea Trinchieri kann nach einer Schulter-OP derzeit nicht coachen (Archivbild).
Der Bamberger Trainer Andrea Trinchieri kann nach einer Schulter-OP derzeit nicht coachen (Archivbild). FOTO: dpa, geb kno
Brose Bamberg ist am vorläufigen Tiefpunkt einer enttäuschenden Saison angekommen. In Bonn kam der Meister unter die Räder. Der Geschäftsführer entschuldigte sich für die Leistung.

Es geht immer um einen größeren Schaden, wenn sich der Geschäftsführer öffentlich entschuldigen muss. Bei Brose Bamberg ist das nicht anders als bei einem Unternehmen aus der Automobilbranche. "Unser Basketballherz hat einen Stich bekommen", sagte Rolf Beyer nach dem peinlichen 69:106 bei den Telekom Baskets Bonn und bat die mitgereisten Fans um Verzeihung.

Gut vier Stunden dauerte die Fahrt aus dem Westen zurück nach Franken. Der ein oder andere dürfte sie wortlos hinter sich gebracht haben, so schlecht, so indiskutabel war der Auftritt. Bamberg erlitt seine höchste Bundesliga-Niederlage seit mehr als 17 Jahren. Am 12. November 2000 war der Klub 71:128 bei Bayer Leverkusen untergegangen.

"Ich kann es kurz machen. Es war eine Schande, wie wir heute aufgetreten sind. Jeder einzelne muss sich hinterfragen. So kann und darf ein deutscher Meister nicht spielen", sagte Ilias Kantzouris. Der Assistent vertritt Cheftrainer Andrea Trinchieri wegen dessen Reha nach einer Schulter-OP. Für den Italiener war der Sonntagabend vor dem Bildschirm unabhängig vom Heilungsverlauf schmerzhaft.

Bamberg ließ sich nach allen Regeln der Kunst vorführen. Schon Mitte des zweiten Viertels (18:45/16. Minute) war das Spiel praktisch verloren. Gegenwehr? Fehlanzeige. "Niederlagen gehören zum Sport dazu. Aber die Art und Weise, wie die Niederlage zustande gekommen ist und wie sich unsere Mannschaft in Bonn präsentiert hat, entspricht nicht dem Selbstverständnis von Brose Bamberg", stellte Beyer klar.

Bamberg muss um Play-offs zittern

Der Serienmeister, im Vorjahr Double-Gewinner, steckt in Schwierigkeiten. Im Pokal ist der Titelverteidiger draußen, trotz einer starken Vorstellung bei Bayern München (97:101 n.V.) vor einer Woche. In der EuroLeague ist das Viertelfinale nach 7 Siegen und 13 Niederlagen realistisch betrachtet nicht zu erreichen. Und düster sieht es auch in der Liga aus.

Mit 22:14 Punkten ist Bamberg nur noch Siebter, dahinter lauern Ulm und Frankfurt, sie haben die gleiche Bilanz. Acht Teams kommen in die Play-offs, es könnte eng werden. Eine Meisterrunde ohne Bamberg? Kaum vorstellbar. So viele Niederlagen wie jetzt hat der Klub in der gesamten Hautrunde allerdings zuletzt 2012/13 kassiert.

"Wir könnten jetzt Ausreden finden, warum es nicht läuft. Aber wenn man für den deutschen Meister spielt, gibt es keine Entschuldigungen", sagte der erfahrene Point Guard Nikos Zisis: "Die Art, wie wir gespielt haben, ist einfach nicht akzeptabel."

Es gibt natürlich Gründe. So fehlen die Langzeitverletzten Elias Harris, Luka Mitrovic und Bryce Taylor, vor dem Spiel in Bonn meldete sich auch noch Daniel Hackett ab, für Leon Radosevic kam im zweiten Viertel das Aus. Dass Trinchieri nicht coachen kann, ist auch ein Problem.

Und in dieser Saison haben auch einige Transfers nicht gepasst. So wurde der frühere NBA-Profi Quincy Miller nach wenigen Monaten wieder abgegeben, Schlüsselspieler Ricky Hickman fehlt die Konstanz. Dass grundsätzlich Potenzial da ist, zeigte sich beim Pokalspiel in München.

Bamberg, das am Sonntag den Bonner Tomislav Zubcic (33 Punkte) nie in den Griff bekam, muss in der Liga zulegen. 16 Spiele stehen aus - genügend Möglichkeiten, um sich wieder in Stellung zu bringen. Das Herz hat einen Stich bekommen, doch Beyer ist sicher: "Es wird weiter und stärker schlagen."