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| 19:02 Uhr

Sport
Abschied vom Sachsenring – oder gibt es noch Hoffnung?

 Der Spanier Marc Marquez triumphiert seit 2010 immer wieder auf dem Sachsenring . Ist damit Schluss?
 Der Spanier Marc Marquez triumphiert seit 2010 immer wieder auf dem Sachsenring . Ist damit Schluss? FOTO: dpa / Jan Woitas
Hohenstein-Ernstthal. Vor 20 Jahren kehrte die Motorrad-WM zum Sachsenring zurück. Aber 2019 findet der Große Preis von Deutschland wohl woanders statt. Von Uli Schrember

Abschied vom Sachsenring, soll es das wirklich gewesen sein? Was immer mal wieder drohte, wird wohl traurige Gewissheit. Nach derzeitigem Stand macht die Motorrad-WM genau 20 Jahre nach ihrer Rückkehr an diesem Wochenende zum letzten Mal in Hohenstein-Ernstthal Halt. Natürlich hoffen nicht nur die Fans, dass es vielleicht doch irgendwie weitergeht, Signale von den Entscheidungsträgern gibt es in dieser Richtung aber nicht.

Die Verhältnisse rund um den Großen Preis von Deutschland sind verzwickt. Die Sachsenring Rennstrecken Management GmbH (SRM) ist seit 2012 Veranstalter, den Vertrag mit dem WM-Vermarkter Dorna, der noch bis 2021 läuft und an keine Strecke gebunden ist, hat aber der ADAC geschlossen. Und der ADAC gab vor gut einer Woche bekannt, dass im kommenden Jahr nicht auf dem Sachsenring gefahren wird - die Nachricht lag in der Luft.

Schon im Mai hatte der ADAC den Vertrag mit der SRM gekündigt. Begründet wurde dies mit nicht erfüllten Bedingungen. Seither habe man sich „intensiv um den Verbleib des deutschen Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring bemüht“, teilte ein ADAC-Sprecher dem SID mit: „Die SRM hat den Vorschlag leider nicht angenommen.“ Details wurden nicht genannt.

Kernpunkt der Ungereimtheiten ist wohl eine Bankbürgschaft in Höhe von 3,8 Millionen Euro, die die SRM beim ADAC vorweisen soll, doch es gab keine Einigung. Das bestätigte Jan Hippold, Aufsichtsratsvorsitzender der SRM, dem MDR Sachsen. Gleichbedeutend mit dem Aus sei dies aber nicht.

„Ich gehe nicht davon aus, dass das letzte Wort schon gesprochen ist“, sagte Hippold und erklärte, dass der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer am Rennsonntag komme. „Das wird ein Zeichen setzen.“ Der Landtagsabgeordnete Hippold ist sicher, dass es vor Ort „Gespräche zur Fortführung über das Jahr 2018 hinaus“ geben wird.

Die SRM steckt in Schwierigkeiten. Die enttäuschende Zuschauerbilanz aus dem Vorjahr, als statt der üblichen 200 000 Besucher nur 164 801 kamen, sorgte für ein Minus im hohen sechsstelligen Bereich. Die roten Zahlen in Verbindung mit der üppigen Gebühr für die Dorna, die vier Millionen Euro beträgt, hat die Sorgenfalten noch einmal tiefer werden lassen.

Grundsätzlich müssen bzw. müssten alle Seiten ein Interesse daran haben, das Kultevent zu halten. Am Sachsenring geht seit 1998 weit mehr als nur ein WM-Lauf über die Bühne, über mehrere Tage gibt es eine PS-Party in der Zeltstadt am Ankerberg, DJ‘s legen in der Kart­halle auf, das Bier fließt in Strömen. Und damit soll jetzt wirklich Schluss sein?

Wegen schlechter Zuschauerzahlen – 22 000 Fans verirrten sich 1997 an den Nürburgring – erfolgte der Wechsel nach Sachsen. 2011 wurden beim Rekord 230 133 Karten verkauft. Ein Abschied, ein Jahr nach dem 90. Geburtstag der Strecke, ist sicher nicht die beste Lösung. Das Aus wäre „schade“, sagte der italienische Superstar Valentino Rossi am Donnerstag. Besonders würde es Marc Marquez treffen, der MotoGP-Weltmeister hat auf dem Kurs seit 2010 jedes Rennen gewonnen. Er sei „sehr enttäuscht“ von den Entwicklungen, sagte der Spanier, will die Hoffnung aber nicht aufgeben: „Wir werden sehen, es ist noch offen.“

„Der einseitig durch den ADAC erfolgte Abbruch der seit Wochen laufenden Gespräche überrascht uns sehr“, teilten SRM und die Sächsische Staatskanzlei in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Man sei weiter bereit zu reden. In und über Hohenstein-Ernstthal donnern jetzt erstmal die Motoren. Spätestens am Montag, wenn auch der Letzte abgereist ist, verstummen sie. Fragt sich nur für wie lange.