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| 07:07 Uhr

Tennis-Länderkampf in der Krise
Ach, Davis Cup

Davis-Cup-Sieger 1989 nach einem 3:2 im Finale von Stuttgart gegen Schweden: Deutschland (v.l.) mit Patrik Kühnen, Boris Becker, Eric Jelen, Carl-Uwe Steeb und Teamchef Niki Pilic.
Davis-Cup-Sieger 1989 nach einem 3:2 im Finale von Stuttgart gegen Schweden: Deutschland (v.l.) mit Patrik Kühnen, Boris Becker, Eric Jelen, Carl-Uwe Steeb und Teamchef Niki Pilic.
Düsseldorf/Valencia. Früher war der Wettbewerb für Nationalteams im Tennis ein Straßenfeger. Die besten Spieler sorgten für volle Arenen und hohe TV-Quoten. Heute sucht der Davis Cup Wege zurück zu alter Größe. Eric Jelen hätte da einen Vorschlag. Pirmin Closse und Stefan Klüttermann

Boris Becker wird niemand absprechen, dass er weiß, wovon er spricht, wenn er sich zum Thema Davis Cup äußert. Schließlich war der 50-Jährige bei zwei von drei deutschen Siegen als Spieler dabei: 1988 in Göteborg und 1989 in Stuttgart, beide Male gegen Schweden. Und seit August 2017 ist Becker als "Head of Men's Tennis" des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) verantwortlich fürs Davis-Cup-Team. Gestern nun sprach sich Becker also für eine moderate Reform des Wettbewerbs aus, der früher mal der wichtigste Wettbewerb für Nationalteams im Tennis war. "Er muss renoviert werden, braucht ein neues Make-up", sagte Becker in Valencia, wo Deutschland ab heute (11.30 Uhr) im Viertelfinale gegen Spanien antreten muss.

Denn unbestritten ist, dass die Attraktivität des Produkts Davis Cup über die Jahre abgenommen hat, dass Spitzenspieler ihre Teilnahme absagen, und dass eben zum Unverständnis vieler Tennis-Fans aktuell die Übertragungsrechte für deutsche Spiele nicht bei ARD, ZDF, oder Eurosport, sondern beim Streamingdienst DAZN liegen. Der Grund für den Niedergang: Im engen Terminplan der ATP-Tour finden die Nationenduelle kaum noch Platz, und bei den Turnieren gibt es großes Geld zu verdienen. Beim Davis Cup dagegen geht es vor allem um Ruhm und Ehre.

Becker stellt trotzdem den Reiz des Länder-Wettstreits heraus. "Ich finde es fantastisch, hier in einer Stierkampfarena zu spielen. Das kannst du mit Geld gar nicht wettmachen", sagte er, "das ist einmalig, und deswegen möchte ich diese Heim- und Auswärtsspiele nicht missen." Damit wendet sich auch Becker gegen den umstrittenen radikalen Reformvorschlag des Weltverbandes ITF. Statt vier über das Jahr verteilte Spieltage will dieser ab 2019 einen sogenannten "World Cup of Tennis" mit den besten 18 Nationen austragen. Dieser soll an einem festen Ort innerhalb einer Woche im November ausgetragen werden. Bei der nächsten Mitgliederversammlung im August in Orlando/Florida braucht der Vorschlag eine Zweidrittelmehrheit.

Eric Jelen (53) war bei Beckers zwei Davis-Cup-Siegen sein erfolgreicher Doppelpartner und ist heute Trainer und Berater beim Tennisverband Niederrhein. Er sagte unserer Redaktion: "Ich fände es schade, die Tradition zu verändern, denn der Davis Cup lebt von dem Modus und der Atmosphäre bei Heim- und Auswärtsspielen. Wenn man wirklich etwas verändern muss, fände ich es besser, den Davis Cup wie den Ryder Cup im Golf nur alle zwei Jahre auszutragen und so den Terminkalender zu entzerren, statt ihn jedes Jahr innerhalb einer Woche an neutralem Ort auszutragen."

Patrik Kühnen (52), dreifacher Davis-Cup-Sieger, stimmt zu: "Mir sind viele Davis-Cup-Heimspiele in Erinnerung geblieben. Zum Beispiel 2007 in Krefeld, da hatten wir ein fantastisches Publikum. Jedes Match wurde von den Zuschauern getragen." Kühnen befürwortet den bekannten Modus. Auch in Frankreich, dem Land des amtierenden Champions und zehnmaligen Titelträgers, reagiert man geschockt auf die ITF-Pläne. "Das ist das Ende des Davis Cups. Welche Tristesse. Sorry Mr. Davis", twitterte der langjährige Davis-Cup-Kapitän Yannik Noah.

Rafael Nadal, der heute gegen Philipp Kohlschreiber spielt, begrüßte die Idee. "Die Debatte um den Davis Cup läuft schon seit Jahren. Das ist eine gute Idee, die funktionieren könnte", sagte der Spanier der Sporttageszeitung "Marca".