In der Autoversicherung gibt es neue Telematik-Tarife. Wer vorsichtig fährt und sich dabei überwachen lässt, bekommt Rabatt. Wer Interesse daran hat, muss seinen derzeitigen Vertrag bis Ende November kündigen.

Im November sind bei Autoversicherungen Überstunden angesagt. Bis zum Ende dieses Monats können Kunden kündigen und zum Januar zu einer anderen Gesellschaft wechseln. Der Wechsel ist diesmal so schwierig wie noch nie. Denn ab dem neuen Jahr gilt zumindest bei einigen Versicherern ein weiteres Merkmal für die Beitragsberechnung: Wer vorsichtig fährt, und sich dabei überwachen lässt, bekommt Rabatt.

Für diese neuen Telematik-Tarife wird in das Auto eine Blackbox eingestöpselt, die alle Fahrten aufzeichnet: Strecke, Uhrzeit, Tempo, sanftes Gleiten, aber auch heftige Querbeschleunigung in Kurven, Vollgas, hartes Bremsen. Wenige Kilometer, Fahrten bei Tageslicht, mehr Autobahn als Landstraße, eingehaltene Tempolimits, vor allem aber eine vernünftige Fahrweise führen zu einem günstigen Tarif.

Zur Blackbox gehört eine App fürs Smartphone. Das übermittelt die Daten fortlaufend oder in bestimmten Zeitabständen an die Versicherungsgesellschaft oder an einen Dienstleister. Das Beobachten der tatsächlichen Fahrweise lässt das Unfallrisiko des betreffenden Fahrers viel exakter erkennen als dies nach den bisherigen Kriterien möglich ist. Die Versicherer versprechen dann auch bis zu 40 Prozent Rabatt. Dieser gilt aber meist erst für Prämien ab einer bestimmten Höhe. Für Fahrer mit schlechten Fahrwerten sind Prämienzuschläge wenigstens bisher nicht im Gespräch. Häufige Schäden schließen höhere Schadenfreiheitsklassen und höhere Rabatte ohnehin aus.

Die Situation ist unübersichtlich. Erst wenige Gesellschaften bieten Telematik-Tarife, einige wie der Marktführer HUK-Coburg oder die Allianz haben sie angekündigt. In anderen Ländern, so in Großbritannien, Italien und den USA, sind solche "Bezahle-wie-du-fährst"-Tarife längst üblich. Interessant sind sie besonders für junge Fahrer. Sie haben das höchste Unfallrisiko und die höchsten Prämien. Eine andere Möglichkeit für jüngere Fahrer bieten etliche Automobilhersteller. Für über sie finanzierte Neuwagen gelten sehr günstige Versicherungsbedingungen selbst für junge Fahrer.

Ältere Fahrer mit hohem Schadenfreiheitsrabatt profitieren von den neuen Tarifen eher weniger. Die Gefahr besteht aber, dass sie in Zukunft, wenn sie sich der Telematik verweigern, als unsicher betrachtet und schlechter eingestuft werden. Datenschützer sehen den Datenspion im Auto ohnehin kritisch. Für dessen Daten könnte sich auch die Krankenversicherung interessieren oder der Arbeitgeber. Nach Umfragen steht fast die Hälfte der Fahrer den neuen Tarifen dennoch positiv gegenüber.

Mit oder ohne Telematik-Tarif: Grundprämien, Rabatte, Rückstufungen, Leistungen driften bei den einzelnen Gesellschaften weit auseinander. Ein Überblick ist praktisch nur durch Vergleichsportale im Internet möglich. Sie gibt es in großer Zahl, zuweilen arbeiten sie aber mit bestimmten Versicherern oder Maklern zusammen. Sie sind meist nicht unabhängig, preiswerte Angebote der Konkurrenz lassen sie außen vor. Oder sie sind neutral, aber gebührenpflichtig wie bei der Stiftung Warentest.

Das Austüfteln des günstigsten Vertrages erfordert zeitraubende Vergleiche verschiedener Portale. Dabei ist es keine schlechte Idee, mit einem solchen Internet-Angebot bei seiner bisherigen Gesellschaft vorzusprechen. Auch Versicherungsprämien sind Verhandlungssache.