Spargel-Fans bekommen immer mehr deutsche Ware auf ihre Teller. "Die Flächenausweitung hat die ausländischen Angebote zurückgedrängt", sagt Hans-Dieter Stallknecht, Chef des Bundesausschusses Obst und Gemüse beim Bauernverband. "Die Importanteile sinken kontinuierlich, inzwischen liegen sie über die ganze Saison betrachtet nur noch bei etwa 20 Prozent."

Was der Experte beschreibt, spiegelt sich auch beim Statistischen Bundesamt wider: Seit dem Jahr 2000 hat sich die heimische Fläche für Spargel knapp verdoppelt, die Menge legte sogar noch etwas stärker zu. Zum Vergleich: Erdbeeren haben nur rund 65 Prozent Inlandsanteil. Der Trend beim Spargel trifft Konkurrenten aus Griechenland, Spanien, Italien und Osteuropa.

Mehr als 114 000 Tonnen des Edelgemüses waren in Deutschland im vergangenen Jahr auf dem Markt - so viel wie nie. Diese Saison wird der Rekord nicht erreicht werden. "Wir rechnen mit zehn bis 20 Prozent Mengeneinbußen", sagt Michael Koch von der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (Ami). Auch Stallknecht schätzt, dass bundesweit rund zehn Prozent weniger zusammenkommen.

"Gerade im Norden waren die Nächte lange zu kalt", berichtet Ami-Fachmann Koch. Es traf vor allem Deutschlands Spargelland Nummer eins: Niedersachsen. Von dort kommt mehr als jede fünfte inländische Stange. Dietrich Paul, Chef der Spargelanbauer in Niedersachsen, schätzt, dass bis zum traditionellen Saisonende am heutigen Mittwoch (Johannistag) 20 bis 25 Prozent weniger als 2014 geerntet werden dürften. "Die Ernte hat früh angefangen, wenn auch nicht so früh wie im vergangenen Jahr, aber es war einfach zu kalt", klagt er.

Aus Sicht der Verbraucher steht fest, dass sie in dieser Saison mehr zahlen mussten. Mit 6,37 Euro für ein Kilogramm weißen Spargel lag der bundesweite Schnitt im Mai etwa zwölf Prozent über dem Wert des Vorjahres, wie die Ami berechnete.

Im Zehnjahres-Vergleich liegen die Preise am obersten Ende. "Im Juni hat sich der Trend nicht wesentlich gedreht", sagt Marktexperte Koch. Eine exakte Bilanz sei zwar erst im Juli möglich, der Preisaufschlag diese Saison stehe aber schon fest: Bisher liege der Juni-Wert (6,43 Euro pro Kilo) leicht über Vorjahr.