„Hier
werde ich Ihnen
vorrechnen,
wie viel Geld
Sie zum Fenster rauswerfen.“
 Sabine Klauke-Fritsche von der Verbraucherzentrale


„Für unser Geld müssen wir viel arbeiten, deshalb habe ich nichts zu verschenken“ , sagt Birgit Mitschke am großen Esstisch im sonnigen Wintergarten ihres Hauses. Das sei auch der Grund, warum sie sich als Musterfamilie für die Aktion „Sparen mit Gewinn“ der Brandenburger Verbraucherzentrale und der RUNDSCHAU beworben hat. Die zierliche junge Frau mit dunkelrotem, schulterlangem Haar, das sie im Nacken zusammengebunden trägt, legt die rechte Hand auf ihren Bauch, der schon sichtbar gewölbt ist. Im Juli erwarten sie und ihr Ehemann Andreas Kaltenbrunner (36) ihr drittes Kind - nach Jonas-Julius (9) und Justus (4). „Wieder ein Junge“ , erzählt die 35-Jährige strahlend.
„Dann werden sie wohl noch mehr rechnen müssen“ , räumt Sabine Klauke-Fritschka von der Verbraucherzentrale in Cottbus ein, der die Suche nach einer passenden Musterfamilie „schon schlaflose Nächte“ bereitet hat. Einer Flut von Bewerbungen für die Aktion folgte eine Flut von Absagen. „Viele sprangen ab, weil die Partnerin oder der Partner nicht zu überzeugen war.“ Nicht jeder wolle Details über seine Haushaltskasse in der Zeitung lesen.
Doch mit der Entscheidung für Birgit Mitschke und Andreas Kaltenbrunner ist die aus ihrer Sicht schwerste Hürde überwunden: Die beiden sind damit einverstanden, dass ihre Finanzen exemplarisch unter die Lupe genommen werden. In den kommenden Wochen werden Experten die Versicherungsverträge der Familie überprüfen. Eine Beratung zur richtigen Altersvorsorge steht genauso auf dem Programm wie eine Energieberatung, bei dem das zehn Jahre alte Haus nach Schwachstellen abgesucht wird.


„Unsere Ernährungsfachfrau geht mit Ihnen auf Einkaufstour“ , verspricht Klauke-Fritschka. Neben den Tipps zur gesunden Ernährung werde dabei gezeigt, dass in den Supermarktregalen eine Reihe preisgünstiger Lebensmittel und Kosmetika zu finden sind, die den Vergleich mit teurer Markenware nicht zu scheuen brauchen. Weitere Punkte auf der Liste der Verbraucherschützerin sind die Baufinanzierung, das Telefonverhalten, Reise- und Gesundheitstipps. „Es soll nicht auf Teufel komm' raus gespart, sondern in erster Linie die Qualität verbessert werden“ , betont Klauke-Fritschka. Aber sie ist sicher, dass sich am Ende der Aktion die Familie über mehr Geld in der Haushaltskasse freuen wird.
„Das wäre toll“ , bestätigt Birgit Mitschke. Momentan stehen der vierköpfigen Familie 2500 Euro netto zur Verfügung, die sie als Krankenschwester und ihr Mann als Schlosser auf Montage jeden Monat erarbeiten. Hinzu kommt das Kindergeld für die beiden Söhne in Höhe von je 154 Euro. „Das ist gar nicht so wenig“ , findet die gebürtige Calauerin. Allerdings stehen den Einnahmen auch 1900 Euro an festen Ausgaben gegenüber. Den Löwenanteil daran macht das Hypothekendarlehen aus, das im kommenden Jahr ausläuft und für das einen Anschlussfinanzierung gefunden werden muss. Die Betreuung der Kinder in Kita und Ganztagsschule verschlingt 250 Euro. Auch die Beiträge für die Versicherungen sind nicht unerheblich.
„Wir kommen zwar ganz gut zurecht“ , sagt Birgit Mitschke. Aber sie gehöre auch zu dem Typ Mensch, der aufs Geld achtet. „Am 21. jeden Monats schreibe ich mir den Stand des Stromzählers auf. Das ist schon ein richtiges Ritual“ , berichtet sie schmunzelnd. Aus Kostengründen lehne sie Handys prinzipiell ab. Auch beim Heizen versucht sie zu sparen. „Zwischendurch wird mit Holz geheizt.“ Andreas Kaltenbrunner wirft neue Scheite in den antiken Ofen, der im Wohnzimmer steht. Ein weißer Engel, der zur aufwendigen Dekoration gehört, schaut ihm dabei zu. Das Prachtstück habe er in einer leer gezogenen Wohnung gefunden, erzählt er.
Von der Sparaktion erhofft sich die Familie insbesondere darüber Aufschluss, ob sie ausreichend und richtig versichert ist. „Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum die Teilkasko fürs Auto genauso viel kostet wie die Vollkasko“ , sagt Birgit Mitschke. Geärgert habe sie sich in der Vergangenheit auch über gekürzte Leistungen der Krankenkasse. „Für die ambulante Entbindung von Justus musste ich zuzahlen.“ Und die deutlich erhöhten Preise für den Nachtstrom, mit dem die Wärmepumpe im Keller des Hauses betrieben wird, will sie ebenfalls nicht einfach so hinnehmen.
„Dieses Problem beschäftigt derzeit viele Lausitzer“ , bestätigt Sabine Klauke-Fritschka. „Das schauen wir uns noch genauer an“ , verspricht sie. Die Finanzexpertin der Cottbuser Verbraucherzentrale ist schon ganz vertieft in die Versicherungsunterlagen der Familie, die in drei dicken Ordnern verstaut vor ihr liegen. „Hier werde ich Ihnen mal vorrechnen, wie viel Geld Sie zum Fenster rauswerfen“ , sagt sie spontan und tippt auf die Sparverträge für Jonas-Julius und Justus.
„Bei der Haftpflicht sind Sie unterversichert. Außerdem fehlt die Forderungsausfalldeckung“ , sieht sie auf den ersten Blick. Die Forderungsausfalldeckung springe immer dann ein, wenn dem Versicherten ein Schaden entstanden ist, der Verursacher jedoch keine entsprechende Police beziehungsweise nicht genügend Geld hat, den Schaden zu begleichen, erklärt Klauke-Fritschka. Das sei heute immer häufiger der Fall.
„Mit den Versicherungen fangen wir an“ , sagt Klauke-Fritschka entschlossen. Sie klappt die schweren Ordner zu. „Die Unterlagen würde ich gern mitnehmen und schon etwas vorarbeiten. Wenn Sie nichts dagegen haben?“ Fragend schaut sie von einem zum anderen. Doch Birgit Mitschke und Andreas Kaltenbrunner schütteln ihre Köpfe. „Gut, dann sehen wir uns kommende Woche wieder“ , verabschiedet sich die Verbraucherschützerin, einen Berg Papiere unter den Arm geklemmt.

In der nächsten Folge
am 24. März lesen Sie:

Sparen bei Versicherungen
- wie Verträge optimiert
werden können