Finanzvorsorge hat daher immer öfter auch mit der Ausbildung der Kinder zu tun - und kann in diesem Fall ruhig schon beginnen, wenn sie gerade in die Schule gekommen sind. "Je länger der Ansparzeitraum ist, umso mehr profitiert man vom Zinseszins", sagt Roth. "Einzelne Institute bieten auch Produkte wie ,Windelsparen' an, bei denen Verwandte Geld anlegen, wenn die Kinder noch ganz klein sind."

Große Beträge nicht nötig
Wichtig sei zuerst, dass kontinuierlich gespart wird und nicht, dass es dabei um große Summen geht, ergänzt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. "Auch bei 50 Euro oder weniger im Monat kommt im Lauf von zehn Jahren einiges zusammen." Die Produkte, die speziell für Eltern entwickelt wurden, seien überschaubar. Eine vernünftige Möglichkeit seien Fondssparpläne. "Man ist da vergleichsweise flexibel und kann zum Beispiel auch die Raten ändern."
Denkbar sei es zwar auch, regelmäßig Wertpapiere zu kaufen, deren Rendite später den Kindern zugute kommen soll. Sicherer auch im Sinn eines möglichst regelmäßigen Sparens seien aber Sparvarianten "per Dauerauftrag", sagt Beller. Das Sparbuch hat in diesem Zusammenhang spürbar an Bedeutung verloren. "Man sollte schon gucken, was es Rentableres gibt."
Eine Ausbildungsversicherung hält Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Ba den- Würt temberg dabei für die schlechteste Variante im Angebot: "Ausbildungsversicherungen bringen nur eine mittelmäßige Rendite bei gleichzeitig mittelmäßiger Risikoabsicherung", sagt der Finanzexperte. Für ebenfalls nicht empfehlenswert hält Nauhauser Bausparverträge, wenn es um die Geldanlage für den Nachwuchs geht. "Das ist zwar relativ sicher, aber es gibt anderswo bessere Renditen."

Banksparvertrag bringt feste Zinsen
Wer regelmäßig, beispielsweise monatlich, etwas sparen möchte, ist nach Einschätzung des Verbraucherschützers mit einem Banksparvertrag gut bedient, der feste Zinsen bringt. "Das lässt sich auch mit einem Aktienfondssparplan kombinieren." Eine Alternative sei das regelmäßige Investieren in Bundesschatzbriefe. "Oder man überweist monatlich etwas auf ein Tagesgeldkonto. Das ist ein sehr einfacher Sparvorgang."
"Noch vor wenigen Jahren wurde bevorzugt in Lebensversicherungen investiert, um langfristig zu sparen", sagt Stefanie Kühn. "Aber das ist wegen der mangelnden Flexibilität, der schlechten Rendite und der geringen Kostentransparenz nicht empfehlenswert", sagt die Finanzökonomin. Auch von Produkten mancher Versicherer, bei denen auf eine spätere Rente für die Kinder gespart wird, hält Kühn wenig: "Der Zeitraum ist viel zu lang. Wer weiß denn schon, was in 60 Jahren sein wird?"
Viel vernünftiger sei es, für überschaubare Zeiträume zu sparen - etwa während der Schulzeit des Kindes. Grundsätzlich plädiert auch Stefanie Kühn dafür, möglichst früh zu beginnen. "Ein Sparbrief der Hausbank ist meistens gar nicht schlecht", schätzt die Finanzberaterin ein. Auch ein Aktienfondssparplan sei eine gute Wahl. "Man muss aber tolerant sein gegen Schwankungen des Aktienkurses und nicht überreagieren." Von der alten sprichwörtlichen Börsenweisheit "Kaufen und liegen lassen" hält Stefanie Kühn aber auch nichts: "Man muss die Kursentwicklung schon regelmäßig überprüfen."
Wenn Eltern erst etwas später anfangen zu sparen, etwa wenn die Kinder die Grundschule beenden, schrumpft der Sparzeitraum auf wenige Jahre: "Dann sind Festgeld oder Tagesgelder besser als Fonds." Auch die Höhe der regelmäßigen Sparbeträge sollte überlegt werden. Jede 25 Euro, die man mehr spart, seien sinnvoll, so Kühn.
Wenn für die Kosten eines Studiums gespart werden soll, geht es um mehr als Kleckerbeträge. Wer 15 Jahre lang monatlich 100 Euro mit 4,5 Prozent Zinsen anlegt, bekommt rund 25 000 Euro heraus. Hochgerechnet auf ein fünfjähriges Studium wären das knapp 415 Euro im Monat. Damit müssen Studenten schon heute sehr sparsam leben, aber es wäre eine solide Grundlage.

Zuerst an sich selbst denken
Stefanie Kühn rät Eltern, im Interesse ihrer Kinder aber zunächst an sich selbst zu denken: "Die Berufsunfähigkeitsversicherung geht vor." Darüber hinaus sei zu überlegen, wie weit man für die eigene Pflege im Alter oder nach einem Unfall vorsorgen will - etwa mit einer Pflege rentenversicherung, die auch die Möglichkeit einschließt, in Pflegestufe eins oder zwei Hilfe in Anspruch nehmen zu können.
Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart rät, zunächst zu klären, ob die Eltern selbst ausreichend gegen finanzielle Probleme abgesichert sind: "Das wird immer wieder übersehen." Geraten Eltern zum Beispiel durch Berufsunfähigkeit in Schwierigkeiten, würden die Kinder automatisch in Mitleidenschaft gezogen. "Bei der Finanzplanung muss man immer an die ganze Familie denken." Vernünftig sei auch, zuerst Schulden abzutragen - etwa die Hypothek für das Haus - und erst dann Geld für die Kinder zu sparen.

hintergrund Hier finden Sie weitere Informationen:
Mehr Geld für Familien von Oliver Heuchert, Campus, ISBN 978-3-593-38249-4, 9,90 Euro.
Finanzratgeber für Eltern von Stefanie Kühn, Redline Wirtschaft, ISBN 978-3-636-01412-2, 19,90 Euro.
Der "Finanzratgeber für die junge Familie" zum Preis von 9,80 Euro ist erhältlich in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale. Er kann auch für 12,30 Euro bestellt werden beim Versandservice Verbraucherzentrale Ba den-Württemberg, Heinrich-Sommer-Straße 13 in 59939 Olsberg (Telefon: 01805 / 50 59 99, E-Mail: broschueren@vz-bw.de).