Teuer wird es in diesem Jahr vor allem für Weißwasseraner. Ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 2500 Kilowattstunden muss mit Kosten in Höhe von 561,21 Euro rechnen. Im Vorjahr waren es noch 526,97 Euro. Das entspricht einer Steigerung um sechs Prozent. In Hoyerswerda liegen die Gebühren für Strom sieben Prozent über den Werten von 2006. Statt 481,61 Euro zahlt die Musterfamilie jetzt 515,48 Euro.
Aufatmen können dagegen viele Brandenburger. Die regionalen Energieversorger haben in der Regel nur die Mehrwertsteuererhöhung an ihre Kunden weitergegeben. „Das liegt schlicht und einfach am Preisgenehmigungsverfahren“ , sagt Harald Geisler von den Spremberger Stadtwerken. Das Brandenburgische Wirtschaftsministerium als zuständige Aufsichtsbehörde habe die Preise für 2007 meist gar nicht und wenn, dann nur anteilig genehmigt - und damit seiner Meinung nach „total versagt“ . Auch das sächsische Wirtschaftsministerium hat nach eigenen Angaben die von den Vorsorgern geplanten Preissteigerungen gekürzt.

Marktpreis-Niveau halten
Auf die Frage, ob mit der bevorstehenden Abschaffung der ländereigenen Energieaufsichtbehörde zum 30. Juni 2007 auch die Preise ansteigen werden, hat Geisler keine klare Antwort parat. „Vor einem halben Jahr hätte ich sofort Ja gesagt“ . Mit den neuen Billigkonkurrenten wie der Eon-Tochter E-wie-Einfach beziehungsweise Bonusstrom habe sich jedoch die Situation verändert. „Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss Marktpreis-Niveau halten.“
E-wie-Einfach wirbt damit, die regionalen Stromversorger mit einem Cent pro Kilowattstunde zu unterbieten und dieses Angebot zwei Jahre lang zu halten. Allerdings gibt es nach Angaben eines Sprechers keinen deutschlandweiten Einheitspreis, sondern eine Preisgarantie in Form eines Preisdeckels: Der Standardtarif des Anbieters vor Ort wird knapp unterboten.
„Oberflächlich hört sich das ja gut an“ , muss auch Alexander Bauer von den Stadtwerken Finsterwalde einräumen. Doch es gehe dabei nur um den Grundversorgungstarif. „Wir bieten schon seit Jahren Sonderprodukte an, die deutlich unter diesen Konditionen liegen“ , betont er. „Durch die Kombination verschiedener Rabatte können unsere Kunden bis zu 1,62 Cent pro Kilowattstunde sparen“ , stimmt ihm Stefan Jugert von den Versorgungsbetrieben Hoyerswerda zu.
Als Enttäuschung bezeichnet auch die Stiftung Warentest das Angebot von Billigstrom. Den versprochenen Bonus von zehn Prozent gebe es nur auf den Energieanteil des Kilowattpreises, nicht aber auf Steuern, Durchleitungsgebühren und Konzessionsabgaben. Das bedeutet: Bei einem Kilowattpreis von 18 Cent würden zwölf Cent an Staat und Netzbetreiber gehen, lediglich sechs Cent würden rabattiert. Das sind unter dem Strich 0,6 Cent pro Kilowattstunde.
„Das ergibt nur drei statt zehn Prozent Bonus“ , kritisieren die Experten. Zudem gebe es den Bonus nicht für Kunden, die bereits in einem Sondertarif sind. Wer aber noch Strom im Standardtarif bezieht, könne durch einen Tarifwechsel innerhalb des heimischen Versorgers oft mehr sparen, als die von Bonusstrom effektiv erstatteten drei Prozent, betonen die Warentester.

Wechsel bringt bis zu 31 Euro
Lohnen kann sich ein Anbieterwechsel dennoch in einigen Fällen: Eine Familie in Weißwasser mit einem Strombedarf von 2500 Kilowattstunden spart gegenüber dem Stadtwerke-Tarif bei E-wie-Einfach 25 Euro. Werden 3500 Kilowattstunden verbraucht, beträgt die Ersparnis knapp 28 Euro. Die Forster Stadtwerke werden von der Eon-Billig-Tochter mit 22 beziehungsweise 31 Euro unterboten, die Cottbuser Stadtwerke mit 18 beziehungsweise 29 Euro.
Doch noch sind viele Verbraucher zu bequem zum Wechseln, berichtet Verivox. Darauf würden dem Verbraucherportal zufolge viele Versorger bauen. „Zahlreiche Unternehmen setzen bei ihrer Hochpreispolitik bewusst auf die Passivität ihrer Kunden. Solange nur wenige den teuren Energieversorgern den Rücken kehren, besteht für diese gar keine Veranlassung zu einer verbraucherfreundlichen Preispolitik“ , sagt der Verivox-Energieexperte Peter Foyd Reese.
Unschlagbar günstig ist nach wie vor die Offerte von Flexstrom. Das Berliner Unternehmen verlangt einen monatlichen Grundpreis von 6,67 Euro zuzüglich 15,30 Cent pro Kilowattstunde. Der Haken: Die Kunden müssen die Stromkosten für ein Jahr im Voraus zahlen. „Bei einer Pleite des Anbieters ist das Geld weg“ , warnt Sabine Klauke-Fritschka von der Verbraucherzentrale Cottbus. Zudem handele es sich bei den Angeboten um Paketpreise. Wer mehr verbraucht, muss für jede zusätzliche Kilowattstunde 25 Cent zahlen. Wer das Kontingent nicht ausschöpft, zahlt ebenfalls drauf.
Statt vorschnell den Anbieter zu wechseln, sollten Lausitzer Familien versuchen, ihren Stromverbrauch zu reduzieren. „Das bringt meist mehr“ , ist Klauke-Fritschka sicher. So haben Energiesparlampen eine zehnmal höhere Lebensdauer und benötigen fünfmal weniger Strom als herkömmliche Glühbirnen. Auch der Stand-by-Betrieb von Fernseher, DVD-Rekorder und Co. verschlingt unnötig viel Energie.
Strompreisvergleich im Internet: www.verivox.de