Ältere Knochenbrüche, ausgeschlagene Zähne, Vitamin D-Mangel. Röntgenaufnahmen zeigen detailliert, wie die Männer zu Lebzeiten litten. Per Computertomografie haben Experten in Halle die Schädel von acht Soldaten untersucht, die alle ein gemeinsames Schicksal erlitten: Sie starben in einem der blutigsten Kämpfe des Dreißigjährigen Krieges, der Schlacht vom 16. November 1632 bei Lützen (Burgenlandkreis).

Nun sollen einige der Gefallenen wieder ein Gesicht bekommen - für eine Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Die Schau soll später auch in Schweden, Finnland und Estland zu sehen sein. In der Schlacht zwischen dem protestantischen Heer unter Führung von König Gustav II. Adolf von Schweden und den katholischen kaiserlichen Truppen unter Wallenstein kam auch der Schwedenkönig selbst ums Leben.

Insgesamt fielen bei Lützen schätzungsweise 6500 bis 10 000 Soldaten. Bislang ist historisch belegt, dass neben Deutschen auch Schweden, Finnen und Schotten kämpften.

Die nun geröntgten Schädel stammen aus einem Massengrab mit 47 Toten. Archäologen hatten es 2011 auf Grundlage historischer Quellen des 17. und 18. Jahrhunderts entdeckt. Das 1,10 Meter tiefe und sechs mal sieben Meter große Grab wurde im Herbst 2011 in zwei tonnenschweren Blöcken geborgen - und seit März 2012 im Landesmuseum für Vorgeschichte akribisch freigelegt. Archäologen vom Museum und Mediziner des Universitätsklinikums Halle erstellten detailgetreue 3-D-Aufnahmen. "Die Computerbilder sind auch Grundlage für eine Gesichtsrekonstruktion der Soldaten", erklärt Anthropologin Nicole Niklisch von der Universität Mainz. "Geplant ist, ein bis zwei Gesichter lebensecht zu modellieren."