Manfred Rothe war noch Kind, da hat er jeden, fast jeden besonderen Stein aufgehoben und begutachtet – es könnte ja ein historisches Zeugnis vergangener Zeiten sein. Der größte Glücksfund, den er je in den Händen hielt, war ein 40 000 Jahre alter Faustkeil, den der Schüler Alexander Kloditz in einer Kiesgrube in Klingmühl entdeckt hat. Ein versteinerter Farn aus der Kreidezeit, den Manfred Rothe aus einer Hennersdorfer Kiesgrube buddelte, war lange Zeit der einzige derartigen Fund in ganz Deutschland. Mehr als 5000 archäologische Fundstellen hat er in den mehr als vier Jahrzehnten, wo er als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger tätig war, in der Region um Finsterwalde ausfindig gemacht.

„Ich interessiere mich für alles – außer für Fußball und fürs Schwimmen“, sagt Manfred Rothe, der als Kind schwer herzkrank war und deshalb das Wasser meiden musste. Sein ausgebauter Heuboden überm Stall, wo der 66-Jährige manchmal bis zu zehn Stunden am Tag zubringt, ist eine wahre Fundgrube für seine Sammlungen: 7700 Ansichtskarten lagern hier, bei 45 000 Briefmarken hat er aufgehört zu zählen. Hinzu kommen die vielen alten Bücher – und die neuen Hefte, die der Vorsitzende des Heimatkalendervereins jedes Jahr herausgibt.

„Schon seit Mitte der 1980er Jahre trugen sich Heimatfreunde beim Kulturbund mit dem Gedanken, einen Finsterwalder Heimatkalender herauszubringen“, erinnert sich Manfred Rothe. „Immer fehlte es an was – mal an Geld, dann an Papier, vor allem an der Druckgenehmigung. Als 1989 alles zusammen war und der erste Kalender im November mit der Jahreszahl 1990 erscheinen konnte, war er an einigen Stellen unaktuell.“ Das Vorwort hatte der Vorsitzende des Rates des Kreises geschrieben, was er im Zuge der politischen Wende bald nicht mehr war. Von den 4000 Heften gibt es heute nur noch wenige, die als Raritäten nur noch zum Liebhaberpreis zu bekommen sind.

Neben dem „Finsterwalder Heimatkalender“, der fortan jährlich und ohne Unterbrechung erschien, veröffentlichten die Vereinsmitglieder 150 Sonderhefte zu speziellen Themen – über das abgebaggerte Dorf Grünhaus, über die einst vielen Gaststätten in Finsterwalde, über alte Sagen, Mühlen und Pechöfen. 450 Autoren haben in der Zeit Interessantes in Wort und Bild zusammengetragen. Ein Team um Manfred Rothe bereitet die Beiträge in aufwändiger Kleinarbeit jedes Jahr für den Druck vor.

Dieser Tage erst erschien der Finsterwalder Heimatkalender 2012 – er berichtet unter anderem über den Schäfer von Klingmühl, die Sage von der Babbener Jungfernsäule, über Flugzeugabstürze in Hennersdorf und Crinitz. Und Manfred Rothe ist sich sicher: „Der Stoff für Veröffentlichungen zur Heimatgeschichte geht nicht aus.“ Schon sind die Kalender für die Jahre 2013 und 2014 zur Hälfte fertig. Für ihn ist es eine Sensation, mit neuen Funden immer wieder etwas Licht in das Dunkel der Geschichte bringen zu können. So ist sich Manfred Rothe sicher, mit seiner Spürnase noch mehr Reste vom verschwundenen Haynsdorf, das im 13. oder 14. Jahrhundert bei Finsterwalde gelegen haben soll, zu finden.