Nach dem Eintragen auf der Steuerkarte haben Arbeitnehmer sofort mehr Netto. Der Vorteil besteht darin, dass das Monatsnetto höher ist. Übers Jahr gleicht sich das wieder aus, denn bei der jährlichen Steuererklärung werden Freibeträge berücksichtigt. Wer vorher monatlich weniger gezahlt hat, erhält eine niedrigere Rückzahlung. Sogar fürs laufende Jahr können noch Freibeträge nachgetragen werden. Dann wird der Vorteil des ganzen Jahres im November und Dezember ausgezahlt.

Kleine Summen sind keine Freibeträge – bis auf Ausnahmen. Minifreibeträge berücksichtigt das Finanzamt nicht. Es müssen insgesamt mehr als 600 Euro pro Jahr zusammenkommen. Arbeitnehmer müssen beispielsweise mindestens 1520 Euro Werbungskosten haben, bevor das Amt einen Freibetrag dafür einträgt: zunächst der Arbeitnehmerpauschbetrag von derzeit 920 Euro, dazu die 600-Euro-Hürde. Beispiel: Ein Arbeitnehmer, der ausschließlich Fahrtkosten geltend macht, muss bei 230 Arbeitstagen im Jahr mindestens 23 Kilometer entfernt vom Betrieb wohnen. Er kommt so auf 1587 Euro. Die 600-Euro-Grenze gilt aber nicht für Kinderbetreuung, Behindertenpauschbetrag, haushaltsnahe Dienstleistungen. Häufige Freibeträge werden nachfolgend aufgezeigt:

Weg zur Arbeit. Es gibt 30 Cent pro Kilometer, aber nur für einen Weg, nicht für Hin- und Rückfahrt. Bus- und Bahnfahrer geben ihre Ticketkosten an, wenn sie höher sind als die 30 Cent Kilometerpauschale.

Arbeitsmittel. Wer Büromaterial, Fachbücher, Computer, Büromöbel kauft, kann den vollen Kaufpreis eintragen lassen. Kaufpreise über 487,90 Euro werden über die Nutzungsdauer verteilt.

Kinderbetreuung. Pro Kind bis 14 Jahre trägt das Finanzamt maximal 4000 Euro als Freibetrag ein.

Gewerkschaft. Beiträge zählen ebenso als Freibeträge wie Kosten für berufliche Bildung.

Spende, Kirche, Schule, Unterhalt. Auch solche Sonderausgaben rechtfertigen den Freibetrag.

Ausbildung, Pflege. 924 Euro für Kinder über 18 Jahre, die auswärts wohnen. Ebenso wenn Angehörige mit Pflegestufe III oder Behindertenausweis mit Buchstabe H gepflegt werden.

Krankheit. Für Arzt, Krankenhaus, Kur, Rezepte, Brillen oder Zahnersatz gibt es Freibeträge – allerdings nur oberhalb der zumutbaren Belastung. Sie liegt je nach Einkommen, Familienstand und Kinderzahl zwischen ein und sieben Prozent vom Gesamtbetrag der Einkünfte.

Ausführlich in test 10/11 von Stiftung Warentest

Zum Thema:

Antrag – So wird er gestelltWer einen Freibetrag will, muss den „Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“ beim Finanzamt stellen. Für das laufende Jahr geht das bis zum 30. November. Der Freibetrag wirkt sich ab dem Folgemonat nach Antragsgenehmigung aus. Das Finanzamt trägt den Freibetrag in der Regel noch auf die Lohnsteuerkarte für 2010 ein, die noch für 2011 gilt. Da es das Dokument ab 2012 nicht mehr in Papierform gibt, werden danach die Freibeträge beim Finanzamt elektronisch hinterlegt. Wer erstmals einen Freibetrag beantragt oder seinen alten erhöhen will, muss sechs Seiten ausfüllen. Soll es derselbe Freibetrag sein wie im Vorjahr oder ein geringerer, reicht der zweiseitige Kurzantrag. Die Formulare gibt es unter www.formulare-bfinv.de oder beim Finanzamt.