Bevor die Kosten anerkannt werden, müssen die Betroffenen erst einmal eine zumutbare Belastung abziehen, die sie selbst tragen müssen. Und die kann je nach Familienstand und Einkommen ein bis sieben Prozent des Einkommens ausmachen. Ein Single mit 40 000 Euro Jahreseinkommen muss beispielsweise sechs Prozent des Einkommens selbst zahlen. Krankheitskosten wirken sich in dem Fall steuerlich nur aus, wenn sie mehr als 2400 Euro im Jahr betragen. Eine Familie mit drei Kindern ist im Vergleich dazu besser dran: Bei gleichen Einkommen beträgt der Selbstbehalt nur ein Prozent - ab 400 Euro wirken sich Krankheitskosten also steuerlich aus.
Den Eigenanteil müssen Betroffene jedes Jahr aufs Neue zahlen, bevor sich die außergewöhnlichen Belastungen steuersenkend bemerkbar machen. Deshalb gilt: Ausgaben sollten nach Möglichkeit gebündelt, Rechnungen freiwillig in einem Jahr gezahlt werden, um die Grenze für den Eigenanteil zu überschreiten. Auch lassen sich viele Ausgaben vorziehen oder verschieben. Dies gilt beispielsweise für den Zahnersatz.

Besuchsfahrten ins Krankenhaus
Wenn aber der Grenzbetrag überschritten ist, wissen viele Steuerzahler nicht, welche Kosten sie geltend machen können. Absetzbar sind selbst die Besuchsfahrten zu einer erkrankten Person: Die Fahrten ins Krankenhaus zu kranken Angehörigen sind als außergewöhnliche Belastung zu berücksichtigen, wenn der Besuch für die Heilung oder die seelische Stimmung des Patienten notwendig ist.
Der Bundesfinanzhof (BFH) verlangt in diesem Fall aber, dass die medizinische Notwendigkeit vom behandelnden Arzt bescheinigt wird. Das ist nachzulesen in Bundesteuerblatt (BStBl.) 1984 II S. 484. Absetzbar sind die tatsächlichen Fahrtkosten für die Bahn und bei Fahrten mit dem privaten Fahrzeug pro Kilometer pauschal 0,30 Euro.
Absetzbar kann aber sogar eine Asbestsanierung sein, wenn ein amtliches Gutachten die Notwendigkeit nachweist, dass im konkreten Fall eine Gesundheitsgefährdung durch die freigesetzten Asbestfasern droht (Urteil des BFH, nachzulesen in BStBl. 2002 II S. 240). Auch Kurkosten können die Steuerlast mindern. Allerdings erkennt das Finanzamt die Kur nur dann an, wenn das Attest des Amtsarztes oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen vorliegt, das unbedingt vor Antritt der Kur ausgestellt sein muss. Aus diesem Nachweis muss hervorgehen, dass die Kur medizinisch notwendig ist.
Ein besonderer Fall liegt übrigens vor, wenn die Ursache der Krankheit auf einen Arbeitsunfall oder Wegeunfall zurückzuführen ist oder wenn es sich um eine Berufskrankheit handelt. In diesen Fällen sind die Krankheitskosten als Werbungskosten absetzbar und nicht als außergewöhnliche Belastung.
Der große Vorteil: Es gibt keine zumutbare Belastung, die selbst getragen werden muss. Die Kosten fallen selbst dann nicht unter den Tisch, wenn im betreffenden Jahr gar keine Einnahmen erzielt wurden - sie können einfach in späteren Jahren angerechnet werden. (ddp.djn/sh)