Wie ist die aktuelle Entwicklung?
Es gab im letzten Jahr 2,4 Millionen Unfälle. Diese Zahl ist seit Längerem ungefähr gleichbleibend. Jedoch sank die Zahl der Unfälle mit Personenschäden um 2,2 Prozent auf nur noch 299 637. Getötet wurden 3600 Menschen, 10,2 Prozent weniger als 2011. Es ist die niedrigste Zahl seit 1950. Die bessere Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr erklären sich die Statistiker zum Teil mit dem Wetter. Wenn es schlecht ist, wie im letzten Jahr, wird vorsichtiger gefahren, außerdem sind weniger Fußgänger, Radler und Motorradfahrer unterwegs. Für 2013 werden wegen des nasskalten Beginns bereits noch niedrigere Zahlen registriert.

Gibt es regionale Unterschiede?
Ja, deutliche. Während bundesweit 44 tote Verkehrsteilnehmer auf eine Million Einwohner zu beklagen waren, lagen Brandenburg (67), Niedersachsen (61) und Sachsen-Anhalt (61) weit darüber. In den drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg sowie in Nordrhein-Westfalen (30) und dem Saarland (37) wurden hingegen deutlich niedrigere Zahlen registriert. Europaweit liegt Deutschland unter dem EU-Durchschnitt von 55 Verkehrstoten je eine Million Einwohner.

Wie ist der langfristige Trend?
1950 wurden 7408 Menschen getötet - bei nur 2,4 Millionen Kraftfahrzeugen gegenüber 53,8 Millionen heute. Der Verkehr war also über 40 Mal risikoreicher als heute. Das schlimmste Jahr war 1970 mit 21 332 Toten. Auch bei den Verkehrsarten gibt es Verschiebungen: Waren vor 20 Jahren noch 60,5 Prozent aller Verkehrstoten Autoinsassen, so sank ihr Anteil auf 49,8 Prozent. Zugenommen hat hingegen der Anteil der getöteten Rad- und Motorradfahrer.

Wirken Verbote und technische Maßnahmen?
Erhebliche Rückgänge bei den Getöteten-Zahlen gab es jeweils nach der Einführung von Alkoholgrenzen, der Gurtanlege- und der Helmtragepflicht. Auch haben passive Sicherheitssysteme in den Autos und bessere Verkehrsanlagen zu der Entwicklung beigetragen. Aktuell haben sich offenbar das strikte Alkoholverbot für Fahranfänger und der Führerschein auf Probe positiv ausgewirkt. Jedenfalls gab es bei den 18- bis 24-Jährigen mit einem Minus von 17,1 Prozent den stärksten Rückgang bei den Unfalltoten.

Wo liegen die größten Herausforderungen?
Einen Negativtrend gibt es bei den Senioren. Sie haben inzwischen nach den jungen Erwachsenen das zweithöchste Sterberisiko im Straßenverkehr. Allerdings häufig auch als Fußgänger oder Radfahrer. Auffällig: Wenn ältere Menschen als Pkw-Fahrer in einen Unfall verwickelt waren, trugen sie zu 65 Prozent die Hauptschuld. Bei den über 75-Jährigen sogar zu 75,6 Prozent. Diese Daten dürften in der Debatte um eine regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit in hohem Alter eine Rolle spielen. Bei der Hälfte der Autobahntoten war zu hohe Geschwindigkeit die Unfallursache. Das wirklich große Schlachtfeld der Mobilitätsgesellschaft sind weiterhin die Landstraßen mit 2151 Toten. Jeder Vierte davon starb dabei an einem Baum.