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Osterrennen in Sonsbeck
Rivalen auf der Rennbahn

Die Kaltblüter sind nicht schnell, aber schwer und machen ordentlich Krach.
Die Kaltblüter sind nicht schnell, aber schwer und machen ordentlich Krach.
Exklusiv | Sonsbeck. Welches Pferd ist der Favorit? Wer kommt als erstes ins Ziel? Zu Besuch beim Osterrennen in Sonsbeck. Heidrun Jasper

Welches Pferd ist der Favorit? Wer kommt als erstes ins Ziel? Zu Besuch beim Osterrennen in Sonsbeck.

Seit vielen Jahren kommt Marlene Haller aus Bremen nach Sonsbeck. Sie ist Pferdezüchterin, 30 Galopper stehen in ihren Ställen.
Seit vielen Jahren kommt Marlene Haller aus Bremen nach Sonsbeck. Sie ist Pferdezüchterin, 30 Galopper stehen in ihren Ställen.

Sonntag, 1. April, 13 Uhr. Acht Grad, Nieselregen. Die Landstraße, die von Sonsbeck nach Kapellen führt, in Höhe des Winkelschen Busches seitlich zugeparkt. Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss parktechnisch nehmen, was übrigbleibt beim traditionellen Osterrennen des Reitervereins Graf Haeseler auf der Waldrennbahn.

Wohl denen, die sich regensicher eingepackt und die Pumps zu Hause gelassen und gegen Gummistiefel eingetauscht haben: Sie wären mit dem Absatz steckengeblieben auf dem etwas matschigen Gelände. 20 Ordner sorgen für Ordnung auf dem großen Gelände, auch FDP-Ratsherr Jürgen Kühne gehört dazu. Ja, er werde später auch beim Totalisator auf das ein oder andere Pferd setzen, sagt er. Sein Tipp oder Favorit? Verrät er nicht, wohl aber, dass in den acht Euro Eintritt zwei Euro Wettgutschein enthalten sind.

"Das sind alles Pferde, die in der letzten Zeit nichts gewonnen haben", liest einer der vielen Zuschauer an der Rennbahn seiner Gattin vor und tippt mit dem Finger in der Broschüre auf ein Rennen, das um 15 Uhr starten soll. Tatsächlich steht da "für vierjährige und ältere Pferde, die seit dem 1. September 2017 kein Rennen der Kategorie A-E gewonnen haben". Was auch immer das bedeuten mag: Insider dürften es wissen, alle übrigen Zuschauer wollen einfach nur spannende Rennen auf der Sandbahn sehen.

"Hallo, stopp, Moment, umdrehen", schallt plötzlich die Stimme aus dem Lautsprecher übers Gelände; "Fehlstart", liefert der Moderator die Erklärung nach. "So was passiert", kommentiert ein Fachmann älteren Semesters. Und genauso kann es passieren, dass Ross und Reiter disqualifiziert werden, wenn der Reiter im Sulky nicht verhindern kann, dass sein Pferd beim Trabfahren in den Galopp fällt.

Die ersten beiden Rennen sind genau im Zeitplan, die Kaltblüter bringen den dann allerdings etwas durcheinander. "Warum starten die denn nicht", fragt sich ein Zuschauer; "die kriegen alle erst noch einen Schnaps", kommt die trockene Antwort zwei Stehplätze rechts von ihm.

Dass sich der Start verzögert, hat einen gewichtigen Grund: "Die Starter auf Seite sechs sind alle nicht korrekt, das ist die Liste vom letzten Jahr", macht Detlef Orth klar, dass es diesmal keinen Zweck hat, im Programheft nachzulesen, welcher Reiter, auf welchem Pferd sitzt. Also sagt der Mann aus Duisburg, der die Rennen kommentiert und gemeinsam mit Dea Franken moderiert, zum Mitschreiben und Wetten die Namen der neun Reiter und ihrer Kaltblüter einzeln an.

Die Reiter der Kaltblüter nehmen es gelassen, drehen auf ihren sanften Riesen gemächlich noch eine kleine Ehrenrunde. "Wir sind nicht schnell, aber schwer", sagt einer augenzwinkernd. "Und wir machen gut Krach", ergänzt ein anderer. Nebel gewinnt übrigens das Kaltblutrennen "unter dem Sattel im Trab", Orlando mit der Startnummer fünf wird 50 Meter vorm Ziel noch disqualifiziert, weil er das Traben nicht mehr aushält und in den Galopp fällt.

Zwölf Rennen stehen auf dem Zeitplan - Trabfahren, Kaltblut-Reiten und -Fahren, Vollblutrennen, Ponyrennen. Um 13 Uhr gibt Starter Herbert Köhler die Bahn für das Ponyrennen frei, kurz vor 18 Uhr endet das Osterrennen im Winkelschen Busch wieder mit einem Pony-Rennen. Zeit genug, sich zwischendurch mal auf einen Kaffee oder Kakao und ein Stück Kuchen im Zelt niederzulassen. Zeit genug auch, um an einem der elf Totalisatoren vor jedem Rennen auf Sieg oder Platz zu setzen. Rund 20.000 Euro werden beim Osterrennen umgesetzt, erzählt Dokuleiter Udo Jänichen und kommt zwischenzeitlich ins Schwitzen, als ein kurzer Stromausfall alle Geräte beim Elektronentoto lahmlegt. Der Schaden ist schnell behoben.

Das Osterrennen hat nicht nur Tradition, sondern auch Stammgäste. Seit vielen Jahren kommt beispielsweise Marlene Haller mit ihrem Ehemann Frank aus Bremen jedes Jahr nach Sonsbeck. Die beiden sind Pferdezüchter, 30 Galopper stehen in ihren Ställen. Und sie sind Besitzer des Deckhengstes Champion Areion, der schon einigen überaus erfolgreichen Nachwuchs "produziert" hat. 23 Jahre ist er alt, Marlene Haller hofft, dass er seinem Vater Big Shuffle nacheifert, der es auf 30 Lebensjahre gebracht hat. Für die Züchterin ist die Fahrt an den Niederrhein immer eine Reise in die alte Heimat. Sie ist in Geldern geboren und aufgewachsen, der Onkel war Zahnarzt in der kleinsten Gemeinde des Kreises Wesel, eine Cousine hat bei Graf Haeseler geritten. "Und ich habe nach Bremen geheiratet", erzählt die 69-Jährige.

Auch für Matthias Broeckmann ist der Besuch des Rennens quasi Gesetz. "Ostern, da bin ich hier", sagt der CDU-Vorsitzende und stellvertretende Bürgermeister, auch wenn das Rennen für ihn persönlich "bislang nicht so gut gelaufen" ist. Aber etwas Geld hat er noch in der Tasche und kann weiter auf Platz oder Sieg setzen. Aus Xanten sind Lisa Schmidtke und Melanie Ullenboom nach Sonsbeck gekommen, auch sie haben gewettet. Allerdings haben sie nach eigenen Worten "keine Ahnung: wir wollen einfach mal unser Glück versuchen". Vielleicht ist es ihnen ja gelungen. Wenn nicht, können sie es ja im nächsten Jahr erneut herausfordern.