Allzu lange warten sollten Besitzer alter Aufnahmen mit dem „Überspielen“ allerdings nicht mehr, rät Mario Engler vom Finsterwalder Electronic Partner-Markt EP:Gieritz. „Geräte, die alte Medien wie Musikkassetten und Videokassetten abspielen können, verschwinden immer schneller vom Markt“ , sagt der Experte. Der Finsterwalder Fachmarkt ist einer von wenigen Anbietern in der Region, der die Digitalisierung von Fotos, Dias und Videokassetten übernimmt. Die Nachbearbeitung und Aufbesserung von digitalen Fotos ist ein zusätzlicher Service. Fachgeschäfte vor Ort sind nach Aussagen von Engler in der Regel auch die erste Adresse für interessierte Kunden. Wer das Verschicken seiner Aufnahmen in Kauf nimmt, findet für die Digitalisierung von Videos und alten 8-Millimeter- und Super-8-Filmen im Internet zahlreiche professionelle Anbieter. Jedoch gibt es erhebliche Preis- und Qualitätsunterschiede. Welche technischen Voraussetzungen für das heimische „Überspielen“ notwendig sind, erklärt Mario Engler.

Wie rette ich Fotos und Dias?
Hier hilft ein klassischer Flachbettscanner, der per USB-Kabel an den Computer angeschlossen wird. Einsteigermodelle gibt es ab 70 Euro. Fotos sollten mit einer Auflösung von mindestens 400 dpi (dots per inch = Punkte pro Zoll) gescannt werden, so Engler. Wer Dias verarbeiten möchte, benötigt einen Scanner mit Durchlichtaufsatz und entsprechende Fotobearbeitungsprogramme. Hier liegt der Gerätepreis bei etwa 150 Euro.
Für die beste Qualität und eine schnellere Bearbeitung rät Engler zu einem Diascanner. Da der Preis solcher Geräte bei etwa 450 Euro liegt, lohnen sie sich eher für ambitionierte Fotofans und kaum für einen einmaligen Gebrauch. Für digitale Spiegelreflexkameras gibt es Dia-Kopiervorsätze zum Abfotografieren. Wer einen professionellen Service nutzt, sollte darauf achten, dass Staub- und Kratzerentfernung angeboten werden.

Digitalisierung von Schallplatten
Wer sich einen USB-Plattenspieler zulegt, kann diesen an einen Computer oder ein Notebook anschließen und seine Vinylscheiben auf die Festplatte überspielen. Eine Aufnahme-Software ist im Regelfall im Lieferumfang enthalten. Für das Überspielen vom Plattenspieler auf den PC wird ein Entzerrer-Verstärker benötigt, betont der Fachmann. Diese gibt es je nach Modell ab 50 Euro. Außerdem muss der Plattenspieler einen entsprechenden Audioausgang besitzen.
Alternativ dazu empfiehlt der Fachmann Software-Pakete ab 80 Euro (zum Beispiel von Steinberg oder Magix), bei denen das passende Kabel mit Entzerrer enthalten ist. Die Umwandlung erfolgt in hochaufgelöste MP3-Dateien. So bleiben laut Engler alle Feinheiten und die typischen Knackgeräusche von Schallplatten erhalten, was Liebhaber besonders schätzen. Gleichermaßen bietet die Software aber auch die Möglichkeit, Knackser und Rauscher zu eliminieren und einzelne Titel zu definieren. Möglich ist auch, den Plattenspieler an den Verstärker der Stereoanlage anzuschließen und diesen über den Audio-Ausgang mit dem Computer zu verbinden.

Musikkassetten auf CD brennen
Da bei der Digitalisierung alter Eisenoxid- oder Chromdioxid-Kassetten das Sound-Volumen auf der Strecke bleibt, rät Engler grundsätzlich davon ab. Wer es dennoch versuchen will, kann dies mit einem Verstärker oder durch Direktanschluss an die Soundkarte im Computer realisieren. Dabei wird der Bandinhalt wie beim Digitalisieren von Vinyl mithilfe einer Software auf die Festplatte überspielt. Anschließend können die Daten problemlos bearbeitet und auf eine CD gebrannt werden.

Wie bearbeite ich Videokassetten?
Wer künftig sowohl Videokassetten als auch DVDs nutzen will, sollte über den Kauf eines DVD-VHS-Kombi-Recorders nachdenken, am besten ein Modell mit Festplatte. Damit lassen sich Videos auf die Festplatte überspielen, überflüssige Szenen können herausgeschnitten und der Rest auf DVD gebrannt werden. Die einfachste Lösung, so Engler, ist, den herkömmlichen Videorecorder mit einem DVD-Rekorder zu verbinden. Je nach Modell speichern DVD-Rekorder die Dateien auf DVD-Rohlinge oder auf der integrierten Festplatte. Einsteigermodelle kosten etwa 180 Euro.
Für das Einspielen von VHS-Kassetten über den PC ist ein sehr leistungsstarker Computer mit viel Speicherplatz und umfangreiche Einarbeitungszeit nötig, so Engler. Der Videorecorder wird dabei über ein Video-Kabel mit dem PC verbunden, der jedoch einen Video-Eingang besitzen muss. Mit speziellen Videobearbeitungsprogrammen lassen sich Aufnahmen schneiden, Bild- und Tonqualität verbessern und alles auf DVD brennen.
Neu auf dem Markt sind USB-Videorecorder, erhältlich ab 180 Euro. Dabei wird der Videorecorder direkt am PC angeschlossen.

Wie rette ich Schmalfilme?
Ist der alte Projektor noch funktionstüchtig, ist die einfachste Variante, Filme im 8-Millimeter-, Super-8- oder einem anderen Format „an die Wand“ zu werfen und dies mit einem Camcorder abzufilmen, erklärt Engler. Das Ergebnis kann später am Computer nachbearbeitet werden, es lässt aber dennoch oft zu wünschen übrig. Bessere Ergebnisse erzielen professionelle Überspiel-Dienstleister im Internet wie www.digiscan.de, www.film-video-transfer.de oder www.wdemedia.de. Die Kosten werden meist pro Minute (etwa 1,50 Euro) berechnet.