Nicht nur privat Versicherte sollten ihre Krankenversicherung sorgfältig auswählen. Auch bei den gesetzlichen Krankenkassen gibt es Unterschiede bei den Leistungen, beim Service und - seit der Einführung der Zusatzbeiträge - auch bei den monatlichen Kosten.

Zum Jahreswechsel bekamen Millionen gesetzlich Versicherte Post von ihrer Krankenkasse mit der Ankündigung, dass die Zusatzbeiträge steigen. Durchschnittlich 1,1 Prozent verlangen die Kassen seitdem zusätzlich zum gesetzlich vorgeschriebenen Beitragssatz von 14,6 Prozent.

"Anders als in der privaten Krankenversicherung können gesetzlich Versicherte dabei nichts falsch machen", sagt Thomas Adolph vom Vergleichsportal der Kassensuche GmbH. Denn die Leistungen der Kassen sind zu etwa 95 Prozent gleich. Die wichtigsten Behandlungen bekommen also Kassenpatienten überall. Wer wechseln will, profitiert außerdem vom Kontrahierungszwang. Dieser besagt: Eine Krankenkasse muss jeden gesetzlich Versicherten aufnehmen.

Doch worauf kommt es bei der Kassenwahl an? "Zunächst einmal sollte man darauf achten, ob die Kasse überhaupt am Wohn- oder Arbeitsort verfügbar ist", rät Sabine Baierl-Johna, Versicherungsexpertin der Stiftung Warentest. Denn nicht jede Krankenkasse bietet ihre Leistungen bundesweit an.

Ein weiterer Punkt ist der Service: "Einige Krankenkassen vermitteln Facharzttermine oder haben eine medizinische Telefonhotline." Andere zahlen Behandlungen, die nicht standardmäßig zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gehören. Versicherte sollten also nicht nur auf den Preis schauen, rät Claudia Widmaier vom GKV-Spitzenverband. Denn für manche Patienten kann es sich rechnen, bei einer teureren Kasse zu bleiben, wenn diese regelmäßig beanspruchte Extra-Leistungen bezahlt. Zu den freiwilligen Leistungen zählt etwa die Kostenübernahme für homöopathische Arzneimittel oder eine erweiterte Vorsorge.

Kunden sollten sich außerdem fragen: "Ist mir eine Geschäftsstelle vor Ort wichtig oder bevorzuge ich eine gute Betreuung über Telefon und Internet?" Grundsätzlich gibt Baierl-Johna zu bedenken: "Welche Kasse die richtige ist, hängt sehr von den persönlichen Wünschen ab." Für den einen zählt die Kostenübernahme bei Auslandsreiseimpfungen, für den anderen ein erhöhter Zuschuss zur künstlichen Befruchtung.

"Ganz oben in der Prioritätenliste der Versicherten rangiert der Zuschuss für die professionelle Zahnreinigung", sagt Adolph. Wert legen viele auch auf die freie Krankenhauswahl oder auf Bonusprogramme für gesundheitsbewusstes Verhalten.

Neben Leistung und Service sollte aber auch der Preis stimmen. Versicherte können dafür auf den Zusatzbeitrag achten, den die Kassen erheben. Denn der Aufschlag kann zwischen 0,59 und 1,7 Prozent liegen. Versicherte tragen ihn allein - der Arbeitgeber gibt nichts dazu. Ist der Zusatzbeitrag zum Beispiel 0,6 Prozentpunkte niedriger, können Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von 2500 Euro schon 180 Euro im Jahr sparen.

"Besonders interessant ist der Wechsel für freiwillig gesetzlich Versicherte wie Selbstständige", sagt Adolph. Denn für ihre Beiträge gilt eine Bemessungsgrenze von 4237,50 Euro. Das bedeutet: Bei einem Prozentpunkt Unterschied im Zusatzbeitrag sparen sie mehr als 500 Euro im Jahr. Einige Kassen erstatten zusätzlich einen Teil der Beiträge, wenn der Versicherte keine Leistungen beansprucht.

Zum Thema:
Wer mindestens 18 Monate bei einer Krankenkasse versichert war, kann jederzeit kündigen, erklärt Claudia Widmaier vom GKV-Spitzenverband. Wirksam wird die Kündigung zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats. Erhöht eine Kasse den Zusatzbeitragssatz, muss sie ihre Mitglieder schriftlich darauf hinweisen. Die Versicherten haben dann ein Sonderkündigungsrecht. Das verkürzt zwar nicht die Kündigungsfristen - dadurch können aber auch kürzer Versicherte kündigen. Ein formloses Schreiben reicht aus, wichtig ist nur die Formulierung "bis zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen".