Das deuten bereits die umfangreichen Fragebögen an, die je nach Krankenkasse bis zu 30 Punkte umfassen. Danach rechnen die Versicherer aus, wann sie eine Befreiungsbescheinigung ausstellen können. Und schon der erste Blick in diese Selbstauskünfte zeigt, dass zum Einkommen nicht nur Lohn oder Gehalt (auch aus 400-Euro-Jobs) zählen. Ob Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, Kranken-, Arbeitslosen- oder Mutterschaftsgeld, Renten, Zinsen, Mieteinnahmen - alles wird addiert. Nur Kinder- und Erziehungsgeld rechnen nicht mit.

Selbst Unterhalt zählt
Bei den Renten zählen sogar die den Rentnern abgezogenen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mit, weil es auf das Bruttoeinkommen ankommt. Und auch von der Eigenheimzulage gehen gegebenenfalls ein oder zwei Prozent als Zuzahlung an die Krankenkasse. Selbst Unterhaltszahlungen dürfen die Krankenkassen nicht auslassen; auf der anderen Seite reduzieren sie allerdings das anzurechnende Einkommen der Person, die den Unterhalt zahlt.
Grundsätzlich werden als Familieneinkommen sämtliche Einnahmen der gemeinsam im Haushalt lebenden Familienangehörigen berücksichtigt. Zur Familie zählen aber neben den Versicherten nur der Ehe- oder der eingetragene Lebenspartner sowie familienversicherte Kinder. Auszubildende mit eigenem Krankenversicherungsschutz zählen solo, Bafög ist kein Einkommen. Bei Sozialhilfeempfängern wird nur der monatliche Regelsatz berechnet, also keine Familien- und sonstigen Zuschläge, die die Sozialhilfe erhöhen, wie etwa die Miete.
Vorteil für Familien, in denen wenigstens eine Person als chronisch krank anerkannt ist: Auch für die übrigen Familienmitglieder gilt die Ein-Prozent-Regel, also die Halbierung der Belastungsgrenze.
Wichtige Ausnahme für Bezieher vom Arbeitslosengeld II: Als Bruttoeinnahme zählt bei ihnen für die gesamte Bedarfsgemeinschaft (also auch für zwei, drei oder vier Personen) ausschließlich die Regelleistung von 345 Euro monatlich, was eine Belastungsgrenzen von 82,80 Euro jährlich (zwei Prozent von 4140 Euro) beziehungsweise 41,40 Euro (bei einem Prozent) ergibt.
Und so wird ansonsten das Familieneinkommen 2006 berechnet:
Bruttoeinnahmen des Versicherten, seines Ehe- oder Lebenspartners und der familienversicherten Kinder
minus 4410 Euro für den ersten Angehörigen, bei Alleinerziehenden für das erste Kind
minus 3648 Euro für jedes weitere Kind
ergibt die Berechnungsgrundlage für die Zwei- beziehungsweise Ein-Prozent-Belastungsgrenze.
Bei einer Familie mit einem Kind sieht das so aus: Das Einkommen beträgt 30 000 Euro, hinzu kommen Arbeitslosengeld in Höhe von 1800 Euro, die Eigenheimzulage mit 1250 Euro und Zinseinnahmen in Höhe von 600 Euro. Zusammen sind das 33 650 Euro. Abgezogen werden der Abschlag für den Ehepartner (4410 Euro) und der Abschlag für das Kind (3648 Euro). Das ergibt eine Endsumme von 25 592 Euro. Die Belastungsgrenze für das Jahr 2006 bei zwei Prozent beträgt 511,84 Euro, bei einem Prozent sind es 255,92 Euro.

Zahlungen im Voraus leisten
Haben die Zuzahlungen die individuelle Belastungsgrenze für das Jahr 2006 überschritten, so wird der übersteigende Betrag von der Krankenkasse rückerstattet, selbst noch einige Jahre im Nachhinein.
Einige der gesetzlichen Krankenversicherungen vereinbaren mittlerweile mit chronisch Kranken, dass sie entsprechend dem voraussichtlichen Einkommen die einprozentige Zuzahlung im Voraus leisten - und im Gegenzug die Befreiungsbescheinigung schon im laufenden Jahr bekommen. Das wird insbesondere bei Rentenempfängern so gehandhabt, weil deren Einkommen in der Regel stabil ist.
Als Nachweis der Zuzahlungen dienen Einzelquittungen mit Namensangabe oder die Eintragung in dem von der Krankenkasse ausgegebenen Quittungsheft. Zuzahlungen zum Zahnersatz rechnen bei der Ermittlung der Belastungsgrenze übrigens nicht mit; hier gelten spezielle Einkommensgrenzen. Kosten für selbst beschaffte Arzneien bleiben völlig außen vor.