Wie der Berliner Archäologe Prof. Dr. Felix Biermann, Autor des Buches „Slawische Besiedlung zwischen Elbe, Neiße und Lubsza“, betonte, geht die Wissenschaft als Ergebnis neuerer Forschungen davon aus, dass Slawen das Gebiet erst im 7. Jahrhundert und nicht wie ursprünglich angenommen im 6. Jahrhundert besiedelt haben. Der Bau von Burgen folgte jedoch erst später. So hätten die Einwanderer vorerst in offenen Siedlungen friedlich nebeneinander gelebt. Erst in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts und im 10. Jahrhundert seien kleine Burgwälle errichtet worden. Zu dieser Erkenntnis habe die genaue Untersuchung der Jahresringfolge der zum Bau der Wälle verwendeten Hölzer geführt.

Aus der Vielzahl der Burgen und ihrer geringen Größe schließt der Wissenschaftler auf eine zersplitterte Herrschaft vieler kleiner Häuptlinge. In Gang gekommen sei der Burgenbau durch das starke Bevölkerungswachstum im 9. Jahrhundert und die daraus resultierenden kriegerischen Auseinandersetzungen um gute Böden.

Felix Biermann musste trotz vorgerückter Stunde Fragen des interessierten Publikums im voll besetzten Vortragsraum des Museums beantworten. Fachvorträge zur sorbischen Geschichte gehören seit Jahren zum Veranstaltungsspektrum des Museums. „Wir hatten unter anderem einen Rechtsanwalt, der historische Gesetze beleuchtet hat, und einen Sprachwissenschaftler, der sich mit Ortsnamen befasst hat, zu Gast“, sagt Museumsleiterin Babette Zenker. Außerdem werde jedes der alljährlichen slawischen Mittelalterfeste des Museums mit einem wissenschaftlichen Kolloquium eingeleitet.