Eines will Lars Dettmann klarstellen: Keineswegs gehöre er zu den Leuten, die den Wolf nur als Raubtier verdammen. "Aber ich würde ihn auch nicht verharmlosen, wie es in meinen Augen manche Artenschützer tun", sagt er. "Der Wolf hat seinen festen Platz in unserer Landschaft - was nichts daran ändert, dass ich seine Rückkehr auch mit Sorge betrachte."

Seine Sorge speist sich aus Erfahrung. Was sich derzeit beim Wolf andeute, hätten die Fischer bei Kormoran und Biber bereits erlebt: "Schutz auf Teufel komm raus - und trotz unübersehbarer Schäden ja nicht über eine Regulierung reden." Während die Teichwirte seit Jahren die Verluste aus der eigenen Tasche zahlten, würde der Schutz vor dem Wolf durch Zäune bislang zwar noch erstattet. Doch irgendwann, dies gibt der Geschäftsführer des Fischereiverbandes zu bedenken, könne auch das zu teuer werden.

Fuchs als Beispiel

Ihm widerspricht Markus Bathen vom Spremberger Wolfsbüro - und er regt einen Perspektivwechsel an. "Gesetzt den Fall, es gäbe nur 60 Füchse in unseren Breiten, wie es beim Wolf der Fall ist", sagt er. "Niemand käme auf die Idee zu sagen, dass dies bereits zu viele Füchse sind - obwohl sie mitunter Gänse töten." Vor diesem Hintergrund plädiert Markus Bathen für einen anderen Ansatz, der lautet: künftige Schäden mit Hilfe von Schutzprogrammen für die Schafzüchter, wie sie bereits existieren, zu verhindern. "Dabei hilft aber nur öffentliche Aufklärung."

In einer Hinsicht zeigen sich sowohl der Chef des Fischereiverbandes als auch der Wolfs-Fachmann einig: Beide wünschen sich eine sachliche Diskussion zum Artenschutz. Dazu gehört nach den Worten von Lars Dettmann, dass die betroffenen Verbände an neuen Plänen zum Wolfsmanagement beteiligt werden. "Daran mangelt es momentan", sagt er. Ihm schließt sich Markus Bathen an: "Ich warte ebenso auf eine Einladung des Umweltministeriums an die Verbände - es müsste ein runder Tisch her, wie es ihn in Sachsen gab."

Trotz der Vorbildrolle von Sachsen bei der öffentlichen Diskussion über die Rückkehr der Wölfe kommt es auch in diesem Bundesland nach wie vor zu Angriffen auf Schafen, die nach Ansicht von Experten vermeidbar wären. Wie das Landratsamt Görlitz mitteilt, wurde in der Nacht zum Mittwoch bei Meißen ein angepflocktes Schaf vom Wolf gerissen.

Rat für Schafzüchter

Der Rat, den das Landratsamt den Schafzüchtern gibt, gilt zugleich für die Spremberger Region, die in den vergangenen Wochen mehrmals solche tödlichen Attacken von Wölfen zu verkraften hatte: "In Gebieten, wo sich Wölfe neu etablieren, müssen sich die Tierhalter darauf einstellen, dass sie ihre Tiere gut vor Wolfsübergriffen schützen, da ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Schafe und Ziegen eine besonders leichte Beute für den Wolf sind", heißt es in einer Mitteilung der zuständigen Behörde. "Der effektivste Schutz für Schafe und Ziegen ist, soweit die Möglichkeit besteht, diese über Nacht im Stall unterzubringen."

Einen guten Schutz gegen Wölfe biete auch ein handelsüblicher Elektrozaun von mindestens 90 Zentimetern Höhe.