Solche Namen haben manche Sonntage, sie sind abgeleitet von den Psalmversen, die in der Alten Kirche lateinisch gelesen wurden. Sogar die Konfirmanden konnten die Bezeichnungen der Fastensonntage aufsagen, vielleicht deshalb, weil ich gesagt hatte, die braucht ihr nicht zu lernen, ihr werdet sie euch ja sowieso nicht merken.

Und morgen also Reminiscere, in der ursprünglichen Sprache der Psalmen - hebräisch sachor und deutsch gedenke. "Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind." (Psalm 25,6).

Ein Mensch bittet Gott, er möge sich doch daran erinnern, dass er gnädig und barmherzig ist. Er wendet sich an Gott, weil er sich gewissermaßen von außen und innen bedrängt fühlt.

Einige seiner Mitmenschen setzen ihm zu, aber eben auch eigenes Versagen bedrückt ihn. Er weiß, dass er Schuld auf sich geladen hat, so spricht er von den Sünden der Jugend. Er wünscht sich Entlastung. Er sucht Vergebung und hofft darauf, dass Gott sich an seine Menschenfreundlichkeit erinnert. Das ist die eine Seite. Die andere ist die Aufforderung, die sich an uns richtet: reminiscere, gedenke, halte inne, sieh dich um. Es kann schmerzlich und hilfreich zugleich sein, sich zu erinnern.

Manchmal sieht man sich um und schaut in einen Abgrund, dann möchte man wie einst Lots Frau zur Salzsäule erstarren. Aber einfach weiter ohne Besinnung, das geht nicht gut, Verdrängtes kommt irgendwann an die Oberfläche, es holt uns immer wieder ein und trifft uns dann, wenn wir am wenigsten damit rechnen.

Beziehungen können an solchen unbeachteten Lasten aus der Vergangenheit zerbrechen. Lassen wir uns stattdessen ermutigen von den guten Erfahrungen, wenn Menschen einander wieder in die Augen sehen können, weil sie sich dem Belastenden aus der Vergangenheit gemeinsam gestellt haben.

Martina Schmidt ist Pfarrerin

in Kalkwitz