Der Schauspieler Michael Becker, der sein jüngstes Buch den Juden von Lieberose widmete, hatte die Stolperstein-Idee gemeinsam mit Peter Kotzan ersonnen. Kotzan beschäftigt sich seit Mitte der 80-er Jahre als Vorsitzender des Vereins zur Förderung der antifaschistischen Mahn- und Gedenkstätte Lieberose mit der Geschichte der jüdischen Familien der Stadt.

Vor dreieinhalb Jahren hatte die Lieberoser Stadtverordnetenversammlung das Projekt positiv beschieden, „aber mein Vorgänger hat sich nicht sonderlich dieser Sache angenommen“, bedauerte Bürgermeister Manfred Liescheski. „Aber jetzt haben wir die Realisierung hinbekommen.“

Bisher 30 000 Steine verlegt

Im Zuge der Erinnerungskultur könnten Menschen „die Verantwortung für alles abartige und unmenschliche Verhalten im Laufe der Geschichte nicht abwälzen.“ Mit der Verlegung von bisher über 30 000 Steinen durch den Künstler werde „wenn auch nur in gewissen Maßen, diese Verantwortung für die dunkelste Zeit deutscher Geschichte übernommen“.

70 Jahre später ist es laut Liescheski „unsere Aufgabe, daraus zu lernen“. Die Bemühungen der Schulen gäben Grund zur Hoffnung, „dass sich in den Köpfen der jungen Menschen etwas bewegt hat“.

Nachdem die von einem Künstler der jüdischen Gemeinde Cottbus beigesteuerte Musik verklungen war, setzte Gunter Demnig die sieben Mahnmale wortlos in die vorher geschaffenen Lücken im Gehwegbelag ein.

Tragik auch in Lieberose

Der Lieberoser Heinz-Gerd Hesse hatte zur Erleichterung der Finanzierung einen der Stolpersteine gestiftet. „Das gehört einfach dazu. Ich habe schon immer versucht, mich mit der jüdischen Tragik auch hier in Lieberose auseinanderzusetzen.“

Am Markt 5 sind nun die Namen von Moses, Elisabeth, Eveline und Harriet Fuchs, wenige Schritte entfernt Max, Elisabeth und Sophie Alice Hirsch verewigt. Die vier Mitglieder der Familie Fuchs überlebten die Nazizeit durch Ausreise nach Polen. Von Hirsch's gelang nur der Tochter 1939 die Flucht über Palästina nach Nordamerika, wo sie noch heute lebt.

Zufall der Geschichte

„Ich bin ein Fan der Juden, wollte mal Jude werden“, begrüßte der Lieberoser Schauspieler Michael Becker sichtlich bewegt besondere Gäste. Die Israelin MichaL Gemer und der in Deutschland lebende Gabriel Grabow, zwei Enkel von Harriet Fuchs, waren am Mittwoch nach eigenen Angaben zufällig auf Durchreise in Lieberose.

Sie begleiteten die Gedenkveranstaltung vor dem Rathaus. „Heute schließt sich für mich ein Kreis“, bedankte sich die gerührte Nachfahrin für die Realisierung dieses Vorhabens.