Am 18. Dezember 1909 hatte sie als eine von acht Geschwistern in Plessa das Licht der Welt erblickt. Sie meint zwar augenzwinkernd, dass sie sich daran nicht mehr erinnern kann, doch wo ihr Elternhaus in der Ackerstraße steht, weiß sie noch ganz genau. Die Eltern betrieben damals einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb, in dem die Kinder mit helfen mussten. Besonders an die Kartoffelernte kann sich Ella Wilhelm noch ganz genau erinnern. Die Ackerstraße wurde damals ihrem Namen mehr als gerecht, lag sie doch am Ortsrand von Plessa, fast noch auf den Feldern. In den vergangenen hundert Jahren sind ganze Straßenzüge dazu gekommen. Damit rückte die Ackerstraße mitten in den Ort.

Nach einer zweijährigen Anstellung in Lommatzsch, begann Ella Wilhelm in einer Plessaer Ziegelei zu arbeiten. Im Jahre 1932 heiratete sie ihren ebenfalls aus Plessa stammenden Mann Ewald. In den Jahren 1936 und 1942 wurden Sohn Ernst und Tochter Christine geboren. Trotz schwerer Nachkriegszeit begann die Familie 1950 mit dem Bau eines kleinen Häuschens in der Schillerstraße, das wie zu DDR-Zeiten üblich, je nach Platzbedarf erweitert wurde. Ab 1956 arbeitete Ella Wilhelm bei einer Tiefbaufirma in der Landschaftsgestaltung. Die schwere Arbeit sei der Grund für ihr langes Leben, wie sie selbst meint.

Noch immer zeige Ella Wilhelm, so wie Sohn Ernst meint, großes Interesse an regionalen Neuigkeiten. Emsig lese sie sogar Liebesromane, die sie sprichwörtlich unter die Lupe nimmt, wegen der schwachen Augen. Daneben sind Märchenfilme ihre große Leidenschaft und, wenn es um das Alter gehe, Johannes Heesters ihr großes Vorbild. Inzwischen ist die Familie auf sieben Enkel, acht Urenkel und einen Ururenkel angewachsen.