ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:26 Uhr

Sicher bauen von Anfang bis Ende

Berlin. Private Bauten entstehen meist „schlüsselfertig“. Das ist bequem, birgt aber Risiken. Bleiben Vertragsdetails unklar, profitiert die Baufirma. Bauherren sollten deshalb Expertenrat einholen. red/han

Wer ein Haus baut, ist gut beraten, die Bauleistung vollständig und klar festzulegen und den Vertrag vor Unterschrift von Experten prüfen zu lassen. Das empfiehlt die Zeitschrift Finanztest. Sonst wird der Traum vom Eigenheim schnell zum Kosten-Albtraum.

Mangelhaft im Detail: “Schlüsselfertig„ sagt nur, dass das Gebäude im Großen und Ganzen einzugsfertig sein wird. Was dafür laut Vertrag alles erledigt werden muss, überblickt kein Laie. In etwa zwei Drittel aller Verträge für schlüsselfertige Häuser sind die Bauleistungen nicht ausreichend beschrieben, hat der Verband privater Bauherren festgestellt. Oft fehlen statische Berechnungen oder Kalkulationen zum Wärmebedarf. In jedem zweiten Vertrag sind zentrale Leistungen wie die Dachdämmung nicht erwähnt.

Expertenrat: Technischen Rat bieten viele Organisationen zusammen mit juristischer Hilfe an, zum Beispiel die Verbraucherzentralen oder Bauherrenverbände. Wer rein technischen Rat sucht, kann sich an Bausachverständige wenden. Sie sehen die Baubeschreibung durch und verhindern, dass der Bau teurer wird, als geplant.

Teurer Anfang: Bereits vor Baubeginn können die Kosten steigen, wenn das Herrichten des Bauplatzes im Vertrag fehlt. Nötig sind Zufahrt, Bauwasser und -strom, der Boden muss ausgehoben und gelagert werden. Die Baustelle muss versichert sein, und wenn das Haus steht, muss es ans Versorgungsnetz angeschlossen werden. Zudem kalkulieren Firmen oft mit einfachen Bodenverhältnissen - braucht der Keller eine spezielle Abdichtung, steht die nächste Extra-Ausgabe an.

Innen komplett: Oft fehlen in den Verträgen Angaben zur Heizung, Warmwasserbereitung und der Qualität von Sanitärteilen, Farben, Fliesen und Böden. Manche Firmen schreiben zwar Details auf, behalten sich aber “technische Änderungen„ vor, die ihnen weitgehend freie Hand lassen.

Faire Abschläge: Viele Firmen versuchen, Bauherren zur Vorkasse zu verpflichten, verlangen bei Vertragsabschluss erhebliche Anzahlungen oder geben überzogene Raten vor. Wer bis zum Ende des Rohbaus 60 Prozent des Preises gezahlt hat, ist im Fall einer Firmenpleite der Dumme. Der Bauherr sollte aushandeln, dass die Firma eine Sicherheit von zehn Prozent stellt.

Zeitvorgaben: In welcher Zeit das Haus errichtet werden soll, steht nur selten in den Verträgen. Meist finden sich Zirka-Angaben und Absichtsbekundungen. Die Rechte, die ein Kunde bei Verzögerung hat, laufen dann ins Leere. Wird ein genauer Zeitplan bis hin zu den Vorarbeiten ausgehandelt, sind Vertragsstrafen möglich, wenn die Baufirma Termine nicht einhält.

Böses Nachspiel: Geht die Baufirma pleite, ist die gesetzliche Haftung für Baumängel über einen Zeitraum von fünf Jahren wertlos und der Bauherr zahlt für Reparaturen. Als zusätzliche Sicherheit können Bauherren deshalb fordern, dass die Firma fünf Prozent der Bausumme für den Pleitefall zurücklegt.