Vor allem um die Befindlichkeiten der Frau ab 40 drehte sich der Inhalt des Programms, mit dem die versierte Fernsehmoderatorin und einstige Show-Tänzerin die Forster begeisterte. Sie selbst hat sich inzwischen als Sex-Kabarettistin und Buchautorin einen Namen gemacht.

Als „Werbe-Ikone der Stützstrumpfindustrie und Femme Fatale der Midlife-Crisis“ stellte sie sich augenzwinkernd vor und sagte: „Hätte ich mein Alter aufs Plakat geschrieben, wäre keiner hierher gekommen.“ Dabei seien doch nur immer die anderen alt.

Angst vor Hitzewallungen

Tatjana Meissner, deren selbstironische und selbstbissige Monologe über Liebeslust und Liebesfrust sowie Partnersuche munter mit frechen Songs wechselten, verleugnete nach der Pause auch ihre tänzerische Vergangenheit nicht, sang, tanzte und kombinierte dabei alte Lieder mit zweideutigen Texten. Dabei stand sie jedoch nicht allein auf der Bühne. Immer in unmittelbarer Nähe „wachte“ Mutti aus dem Fotorahmen heraus über Wohl und Wehe der Tochter und wurde, geriet das Stand-Up mal zu frivol, einfach umgedreht.

„Sex als Mangelware“ beklagte die Meissner ebenso wie die schwierige Suche nach dem passenden Mann, Depressionen, Schlafstörungen und Cellulite. Während zwei Drittel aller Deutschen Angst um ihr Erspartes hätten, bekannte sie: „Ich habe Angst vor Hitzewallungen!“ Schließlich könnten Männer Frauen spätestens nach deren Wechseljahren nur noch schemenhaft sehen. Vielleicht sei dies der Grund, dass die Männer daraufhin ihre Partnerinnen zumeist mit Jüngeren ver-wechselten. Grund genug, nicht nur Stunden oder Tage, sondern gar Wochen damit zuzubringen, um Gesicht und Body zu glätten und zu unterpolstern.

Abgerechnet wurde nicht nur mit den Unzulänglichkeiten der Männer, sondern auch mit dem Fitness- und Nordic-Walking-Wahn der Generation über 40. „Früher waren sie mit einem Stock unterwegs, heute sogar mit zweien“, lästerte Tatjana Meissner. Beim Jazzdance litt sie jedoch nicht nur unter kichernden Mädels, sondern auch beim Blick in den wandgroßen Spiegel, der einen Befall durchs EHEC-Virus signalisierte.

Spitzenprodukt namens Kuss

„Mitleid mit mir – einem Show-Girl der 80er-Jahre?“, dagegen empörte sich alles in ihr. „Wir haben doch schließlich die Mauer eingerissen und hielten jede Gurke für eine verkleidete Banane“, verkündete die Künstlerin „mit ostdeutschem Integrationshintergrund“. Sie erinnerte sich wehmütig an den ersten Kuss – ein DDR-Spitzenprodukt – sowie an den Sex, der im Osten wie so vieles schöne Bückware gewesen sei, stellte entsetzt fest: „Ich werde wie Mama“ - um dann letztendlich zu verkünden: „Ich will Spaß!“.

Spaß hatte auch Anika Buder aus Gosda I, die ihre Eltern zu der Veranstaltung begleitete und das Soloprogramm verfolgte. „Ich habe die Künstlerin im Urlaub kennengelernt. Wann immer sie hier in der Nähe auftritt, gehen wir hin“, sagte sie. Angenehm überrascht waren auch Silke und Torsten Richter aus Forst, die bislang nur den Namen der Kabarettistin kannten. „Das Programm zeigt, wie das Leben so spielt. Sie kommt nicht nach Cottbus. Da kommen wir halt hierher“, erläutert Jens Rembe. Auch das Ambiente im Forster Hof fand der Cottbuser „echt chic“.