ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:46 Uhr

Schlafen & Träumen im Wasserbett XXL
In den Schlaf geschaukelt

Neben dem ursprünglich als Tauchschule aufs Wasser gebrachten ersten schwimmenden Haus auf dem Gräbendorfer See bei Laasow liegen inzwischen zwei weitere Mobilien am Steg. 16 weitere Feriendomizile sind hier auf dem Wasser geplant. 
Neben dem ursprünglich als Tauchschule aufs Wasser gebrachten ersten schwimmenden Haus auf dem Gräbendorfer See bei Laasow liegen inzwischen zwei weitere Mobilien am Steg. 16 weitere Feriendomizile sind hier auf dem Wasser geplant.  FOTO: LR Medienverlag / Bettina Friedenberg
Laasow. Schwimmende Häuser sollen ein Markenzeichen des Lausitzer Seenlandes werden. Die ersten Ferienwohnungen auf dem Wasser sind traumhaft und ausgesprochen gut gebucht. Neue Seen werden zum Wasserbett XXL. Von Bettina Friedenberg und Kathleen Weser

Es ist kein Boot, obwohl es schwimmt. Es ist auch kein Hausboot, obwohl man darin wohnen kann. Ein normales Haus ist es auch nicht, schließlich gibt es kein festes Fundament. Es ist ein schwimmendes Haus – eines von noch wenigen, die es inzwischen im Lausitzer Seen­land gibt. Werden Gäste darin in den Schlaf geschaukelt? Die RUNDSCHAU hat es getestet.

„Na bitte. Sag ich doch – es schaukelt.“ Soeben haben wir „Möwe 2“ betreten, eines von drei schwimmenden Häusern auf dem Gräbendorfer See, und blicken durch die großen Panoramascheiben auf das Wasser. Die Dämmerung bricht an, das gegenüberliegende Ufer scheint kilometerweit entfernt. Es ist leicht diesig, einziger Farbklecks ist das blinkende Rot der Windkrafträder gegenüber. Wir sind weit und breit allein. Das nächstgelegene Dorf Laasow (ein Ortsteil von Vetschau im Kreis Oberspreewald Lausitz) ist zwar nur wenige Hundert Meter entfernt, aber von hier sieht man noch nicht mal die Kirchturmspitze. „Nein, es schaukelt nicht“, reißt mich meine Kollegin aus den Gedanken. „Das bildest du dir nur ein, weil wir aufs Wasser und die Wellen sehen.“ Fürs Erste will ich ihr mal glauben. Wir drehen uns um, testen die Bequemlichkeit des Sofas und der Stühle am Tisch. Und tatsächlich – es schaukelt nicht. Erstaunlich, was uns der eigene Kopf so vorgaukelt.

Das Haus Möwe 2 steht auf einem Betonponton, der mit Styropor gefüllt und damit unsinkbar ist. Die 84 Quadratmeter Wohnfläche lassen kaum einen Wunsch offen: zwei separate kleine Schlafzimmer, ein voll ausgestatteter Wohn- und Essbereich inklusive Kochfeld, Herd und Spülmaschine, ein Duschbad, WC. Innen alles in gedeckten Farben und dezent maritim, ohne penetrant Meeresromantik zu erzwingen. Außen dominieren Holz, Glas und ein wenig Stahl. Nichts lenkt von der Natur ab.

Und das ist tatsächlich bemerkenswert. Wurde doch hier bis Ende 1992 Kohle abgebaut. Wo sich heute der See auf 457 Hektar breit macht, grünes Wasser in der Sonne glitzert und eine kleine Insel Magnet für seltene Möwen und Tausende Gänse ist, war seinerzeit nur geschundene Natur. Ein riesiges, bis zu 50 Meter tiefes Loch aufgekratzter Erde. Wer es nicht weiß, kann sich kaum vorstellen, dieses kleine Paradies liegt mitten in der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft.

Damit auch Besucher das so richtig genießen können, waren erst im Mai 2017 Möwe 2 und ein baugleiches Musterhaus per Kran aufs Wasser gesetzt worden. Der Unternehmer Frank Storm (51), Spezialist für Computertechnik und Datenverarbeitungsanlagen aus Hänchen bei Cottbus, hat das schwimmende Haus von einem Hersteller aus Holland gekauft und aufs Wasser gebracht. Als Kapitalanlage für die eigene Altersversorgung. Direkt neben der ehemaligen Tauchschule, die ihm auch gehört, inzwischen Möwe 1 heißt und ein zweistöckiges 116 Quadratmeter großes Ferienhaus ist.

So viel Platz brauchen wir nun wirklich nicht, obwohl wir inzwischen zu dritt sind. Aber in Möwe 2 könnten sogar sechs Gäste übernachten.

Der Blick nach draußen verrät – nichts. Inzwischen ist es stockdunkel. Wasser und Wellen sind kaum mehr zu erkennen. Meine Kollegin scheint recht gehabt zu haben, es schaukelt wirklich nicht. Schade eigentlich, ich hatte mich schon darauf gefreut, etwas Besonderes erwartet; eine Art Riesen-Wiege oder Wasserbett in XXL. Wir haben es uns gemütlich gemacht, genießen Pasta, Salat und geschmackvolles Ambiente. Plötzlich ein leichtes Ruckeln. Dazu ein leises Gluckern, kaum wahrnehmbar. „Habt ihr das auch gemerkt, schaukelt es“, frage ich. „Nein, da schaukelt nichts“, die anderen sind tief in ein Gespräch abgetaucht. Aber der neue See arbeitet. Naturgemäß hat die Herbstzirkulation, der Temperaturausgleich in der Tiefe, eingesetzt. Und ein Wind kommt auf.

Dann eben nicht. Ich will jetzt Frischluft, schleiche mich durch die Schiebetür auf die Terrasse. Hier draußen besteht kein Zweifel: es schaukelt. Und zwar richtig. Außerdem platschen unüberhörbar Wellen an den Strand. Wind ist aufgekommen, rauscht durch die Bäume am Ufer und trägt das Schnattern zahlloser Gänse von der Insel über den See. In stoischer Gleichgültigkeit blinken die roten Leuchten der Windkrafträder gegenüber. Jetzt ist definitiv Bewegung ins Haus gekommen. Keinesfalls unangenehm, aber deutlich spürbar. Sogar für meine beiden Mitreisenden, die leicht irritiert aufschauen. Ich freue mich, womöglich doch in den Schlaf geschaukelt zu werden. Aber es ist gerade erst 21 Uhr, noch zu früh fürs Bett.

Auch die Gänse auf der Insel schnattern noch immer fröhlich vor sich hin. Kein Wunder, sind doch die Insel und das Ostufer des Gräbendorfer Sees – insgesamt 164 Hektar – ausgewiesene Vogelschutzgebiete: Möwen, Wiedehopf und Feldlerche fühlen sich hier wohl, und jetzt, Anfang November, sammeln sich hier Tausende Nordische Gänse. Wer weiß, was sich die Vögel zu berichten haben.

Wir drei Frauen im Haus schnattern ebenfalls. Ein weiterer Vergleich mit Gänsen verbietet sich selbstverständlich. So ist das eben, wenn man sich wohl fühlt. Es ist fast 2 Uhr, definitiv Zeit fürs Bett. Der Wind hat sich gelegt, jetzt schaukelt tatsächlich gar nichts mehr. Die beiden anderen verschwinden in ihre Schlafzimmer, mir bleibt das (Schlaf-)Sofa im Wohnraum. Ein Glücksfall, wie sich jetzt zeigt. Links, rechts und geradeaus sind große Panoramafenster – und ein unverstellter Blick in einen grandiosen Sternenhimmel. Kein Wölkchen trübt die Sicht, und Lichtverschmutzer wie Berlin oder Dresden sind weit genug entfernt, um nicht zu stören. Ich fühle mich ganz klein in meinem Bett und schlafe beseelt ein.

Der Morgen toppt beinahe die Nacht: strahlend blauer Himmel über mir, glitzerndes Wasser unter mir, laues Lüftchen und ringsum ein herbstbuntgefärbtes Ufer. Wäre nicht November, würde man wahrscheinlich sofort ins Wasser hüpfen. Wir ziehen ein Frühstück auf der Terrasse vor. Und bedauern sehr, dass wir nur eine Nacht zum Testen gekommen waren.

www.lr-online.de/video