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| 07:51 Uhr

Interview mit Dr. Heidi Kübler
Dürfen Hund und Katze mit ins Bett?

Wer mit dem Hund im Bett schläft, sollte seine Bettwäsche öfter wechseln und dafür Sorge tragen, dass Zecke, Floh und Co. nach Möglichkeit draußen bleiben.
Wer mit dem Hund im Bett schläft, sollte seine Bettwäsche öfter wechseln und dafür Sorge tragen, dass Zecke, Floh und Co. nach Möglichkeit draußen bleiben. FOTO: dpa-tmn / Silke Heyer
Sollten Hund oder Katze generell mit im Bett schlafen dürfen?

Dr. Heidi Kübler Kurz gesagt: Das kann jeder halten wie er möchte. Wer selbst keine Tiere hat, findet die Vorstellung möglicherweise befremdlich. Doch tatsächlich merke ich bei mir in der Praxis, dass Tierhalter oft eher zögerlich oder nur bei Nachfrage zugeben, dass ihre Tiere im Bett schlafen.

Welche Gefahren drohen aus
medizinischer Sicht?

Kübler Natürlich können Tiere – Hunde vor allem, wenn sie viel draußen sind, oder Freigängerkatzen – Erreger mitbringen, die auf den Menschen übertragbar sind. Das können ganz gewöhnliche Erkältungsviren sein oder Bakterien, häufig sind es Parasiten wie Flöhe, Würmer oder Zecken.

Gerade Zecken können wiederum Krankheitsüberträger sein. Die Gefahren drohen hier aber nicht nur im Bett, sondern   in der ganzen Wohnung – auch auf dem Sofa oder Teppich. Das Gleiche gilt übrigens auch umgekehrt: Der Mensch kann auch seine Haustiere anstecken – zum Beispiel mit Erkältungskrankheiten.

Hund im Bett? Das kann laut Tierärztin Heidi Kübler jeder halten wie er möchte. Schläft der Hund mit im Bett gibt es aber ein paar Dinge zu beachten.
Hund im Bett? Das kann laut Tierärztin Heidi Kübler jeder halten wie er möchte. Schläft der Hund mit im Bett gibt es aber ein paar Dinge zu beachten. FOTO: Dr. Heidi Kübler

Sollte man Tiere, die mit ins Bett dürfen, prophylaktisch gegen Parasiten behandeln?

Kübler Davon halte ich persönlich wenig. Regelmäßige häusliche Gesundheitschecks, tierärztliche Untersuchungen und Impfungen, dazu eine gewisse Grundhygiene – wie die Bettwäsche lieber häufiger zu wechseln – empfehlen sich auf jeden Fall. Aber Wurmtabletten helfen halt nur gegen Würmer, die da sind, und nicht prophylaktisch. Zu diesem Thema gehen die Meinungen selbst unter Tierärzten weit auseinander. Ich – als auch naturheilkundlich tätige Tierärztin – rate eher dazu, Hunde, die häufig von Parasiten befallen werden und beispielsweise regelrechte Zeckensammler sind, nach Spaziergängen immer gründlich abzusuchen, vor allem langhaarige Tiere häufig zu bürsten, dabei regelmäßig einen Flohkamm zu verwenden und bei Bedarf eben auch mal zu waschen oder zu baden. Wird dann tatsächlich ein Befall festgestellt, sollte dieser konsequent mit wirksamen Mitteln bekämpft werden.

Gibt es Menschen, die besonders aufpassen müssen?

Kübler Bei kleinen Kindern und alten Menschen, deren Immunsystem noch nicht beziehungsweise nicht mehr richtig funktioniert, sollte man mit allzu engem Tierkontakt vorsichtig sein. Kleine Kinder darf man mit Hunden sowieso nie alleine lassen. Hat man Kinder im Krabbelalter, empfiehlt es sich, regelmäßig Kotproben auf Wurm-Eier untersuchen zu lassen und die Hunde mindestens alle drei Monate zu entwurmen. Auch Menschen, die Immunsuppressiva wie Cortison einnehmen müssen, sollten sehr engen Kontakt mit Tieren meiden.

Stören Hund und Katz den Schlaf des Menschen beziehungsweise umgekehrt? Wie passt der Schlafrhythmus von Tier und Mensch am besten zusammen?

Kübler Bei dem einen so, bei dem anderen so – das ist zwischen Menschen ja auch nicht anders. Hunde sind generell sehr anpassungsfähig und fühlen sich als Rudeltiere auch beim Schlafen in der Nähe ihrer Rudelmitglieder nun einmal am wohlsten. Da sollte halt jeder schauen, wie es für ihn am besten passt. Manche Hunde schnarchen sehr laut, bewegen sich im Schlaf und geben auch Laute von sich. Das kann den Schlaf des Menschen durchaus stören. Fühlen Hunde sich ihrerseits gestört, dann legen sie sich eben woanders hin. Nur – wenn sie es gewöhnt sind im Bett schlafen zu dürfen, dann verstehen sie die Welt nicht mehr, wenn das auf einmal anders sein soll. Häufig ist das der Fall, wenn ein Paar sein erstes Kind bekommt und der Hund im Bett plötzlich stört.

Was tut man dann?

Kübler Das ist oft sehr schwierig. Da hilft nur eine liebevolle, geduldige und konsequente Umgewöhnung in kleinen Trainings-Einheiten. Ich plädiere sowieso dafür, sich gleich bei der Anschaffung zu überlegen, was der Hund in der Wohnung darf und was nicht und ob er mit ins Schlafzimmer kommen soll. Das sollte dann auch von allen Familienmitgliedern einheitlich gehandhabt werden – auch bei Detailfragen, etwa ob der Hund auf einer Decke schlafen soll und einen bestimmten Platz zugewiesen bekommt. Dann klappt das Zusammenleben meist gut, der Hund will ja nichts anderes, als seinen Menschen zu gefallen. Und dazu braucht es klare Regeln. Wenn er beim einen Familienmitglied dieses und jenes darf und beim anderen nicht, verunsichert ihn das nur. Das gilt grundsätzlich bei der Hunde-Erziehung. Nichts ist für einen Hund schlimmer, als wenn er etwas einmal darf und ihm das Gleiche ein andermal verboten wird.

Sollten Kleintiere wie Hamster, Kaninchen oder Meerschweinchen mit ins Bett genommen werden?

Kübler Davon halte ich gar nichts. Erstens werden diese Tiere oft nicht zuverlässig stubenrein und zweitens besteht eine große Gefahr, dass man sie im Schlaf verletzt oder zerdrückt, wenn man sich bewegt.

Mit Dr. Heidi Kübler
sprach Gudrun Sokol