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| 19:45 Uhr

Immer schärfere Auflagen und Kontrollen
Strafanzeigen beim Festumzug

Aufwändige Aufbauten wie dieses Automobil der Zukunft sind selten geworden beim großen Sängerfestumzug. Ein Grund: Sicherheitsauflagen und Kontrollen sind strenger geworden. Diesmal gab es Unmut, weil die Verkehrspolizei scharf kontrolliert und auch Strafanzeigen ausgesprochen hat.
Aufwändige Aufbauten wie dieses Automobil der Zukunft sind selten geworden beim großen Sängerfestumzug. Ein Grund: Sicherheitsauflagen und Kontrollen sind strenger geworden. Diesmal gab es Unmut, weil die Verkehrspolizei scharf kontrolliert und auch Strafanzeigen ausgesprochen hat. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. Ein ausgelassenes und friedliches Sängerfest hat für vier Umzugsteilnehmer ernste Folgen. Von Heike Lehmann

Mit einer Strafanzeige wegen unerlaubter Personenbeförderung auf einem Lkw haben vier Teilnehmer am großen Festumzug beim Finsterwalder Sängerfest zu rechnen. Das hat Thomas Baller­staedt, Leiter der Polizeiinspektion Elbe-Elster, am Montag auf Nachfrage erklärt. Betroffene hatten gegenüber der RUNDSCHAU ihren Unmut geäußert und gemutmaßt: „Das ist der Tod des Umzugs.“ Auch die Arbeitsgruppe Umzug vom Sängerfestverein „war am Sonntag sehr wütend“, sagt Holger Barth, seit Jahren der Umzugs-Chef.

„Zu jedem Sängerfest werden die Wagen im Vorfeld auf Verkehrssicherheit geprüft“, erklärt Baller­staedt. Das sei nicht neu und dem Verein und den Verantwortlichen auch sehr deutlich erklärt worden. Die Vorwürfe der Verkehrspolizei der Polizeidirektion Südbrandenburg beziehen sich auf die Zeit, bevor der Festumzug ins Rollen kommt. Beim Festumzug selbst gelte eine Ausnahmevorschrift. Schon 2016 habe es Ärger gegeben. Diesmal hätten auf vier Wagen schon vor dem Umzug Leute draufgesessen – ein Verstoß gegen die Personenbeförderung. Eine spezielle Fahrerlaubnis sei dann notwendig. „Die Kontrolle hat lange gedauert, weil es Diskussionen gab“, so Ballerstaedt.

Finsterwalder Sängerfest: Festumzug FOTO: LR / Heike Lehmann

Betroffene sprechen indes davon, dass sich die kontrollierenden Polizisten „fürchterlich verhalten“ hätten. „An jedem Wagen wurde was gesucht. Das war unausstehliche deutsche Pingelichkeit. Man macht sich ein halbes Jahr vorher Gedanken und holt sich Sponsoren ran. So was habe ich noch nicht erlebt“, berichtet ein Umzugsteilnehmer.

Holger Barth sagt: „Es war noch nie so schlimm wie in diesem Jahr. Es wurden Fotos von Eigenbauten ohne verkehrsrechtliche Zulassung gemacht. Auch meine Arbeitsgruppe war schon sehr wütend. Aber allen Verantwortlichen der einzelnen Wagen haben wir die Vorschriften vorher schriftlich bekanntgegeben. Und verkehrsrechtlich hat die Polizei richtig gehandelt. Es ging um die Anfahrt, nicht um den Umzug.“ Er spricht von unschönen Szenen und Beleidigungen der Polizisten. Schlimm sei, dass der Umzug unter immer strengeren Auflagen leide. „Immer weniger Leute wollen dann mitmachen. Seit dem Unglück in Duisburg ist es besonders streng.“

Thomas Ballerstaedt verteidigt das Vorgehen. „Ich bin zufrieden, dass die Kollegen das so durchgezogen haben. Es gab in den meisten Fällen Hinweise, dass noch Dinge abzustellen oder zu befestigen sind. Wir hatten aber auch einen Unbelehrbaren, der vor zwei Jahren schon aufgefallen war.“ Sehr geärgert habe den Elbe-Elster-Polizeichef, dass zum Teil „Verkehrsschilder ignoriert oder beiseite geschoben wurden, um mal eben durchzufahren“.

Schade um diese bittere Note am Sonntag, die für Betroffene mehrere Hundert Euro teuer werden könnte. Ansonsten ist das Sängerfest „aus polizeilicher Sicht ganz friedlich verlaufen“, betont Thomas Ballerstaedt ausdrücklich. Es habe zwar zwei Schlägereien zwischen Betrunkenen und „relativ viele Drogenfeststellungen“ gegeben, „auch einmal ein vermisstes Kind und einmal vermisste Eltern“, zählt er auf. Thomas Ballerstaedt hebt das „sehr entspannte Arbeiten und die gute Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma“ hervor.

Beim Festumzug ist mehr erlaubt als im normalen Straßenverkehr. Bei der Anfahrt haben Personen noch nichts auf dem Lkw zu suchen.
Beim Festumzug ist mehr erlaubt als im normalen Straßenverkehr. Bei der Anfahrt haben Personen noch nichts auf dem Lkw zu suchen. FOTO: Heike Lehmann