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LR vor Ort in Bagenz
Urlauberdorf zu sein, das genügt nicht

Bagenz. Mit 268 Einwohnern ist Bagenz ein kleiner Ortsteil von Neuhausen/Spree. Er hat frohe Karnevalisten, den Strand, ein modernes Feuerwehrfahrzeug. Aber genau vorm Schloss endet das Märchen. Von Annett Igel-Allzeit

Die prächtigen Wolfshunde schlagen Alarm. Ein Bauzaun verlängert die fest verschraubte Pforte zum Bagenzer Schloss. Die Klinke liegt lose auf der Mauer. "Betreten verboten!" Ortsvorsteher Ronny Schiele seufzt. "Radtouristen fragen mich oft nach dem Schloss. Ich zeige ihnen den Weg, sag aber gleich, dass er sich kaum lohnt." Von den Hochzeiten, die in der Gaststätte im Schloss nach der Wende gefeiert wurden, erzählen die Dorfbewohner. Mit 6,5 Millionen Euro galt es im Jahr 2005 als teuerstes, in Brandenburg zum Verkauf stehendes Schloss.

Bagenz, das urkundlich 1389 erstmals erwähnt wurde, hatte schon früh ein Schloss. Das Uradelsgeschlecht von Pannwitz beginnt die nachgewiesene Reihe der Schlossherren. Der heutige Bau ist jung. Otto von Rhein ließ ihn um 1912 bauen und musste ihn 1936 unter Zwang verkaufen. Seit 1998 gilt Günther Michael von Rhein, sein Enkel aus München, als Eigentümer. Er hatte das Schloss und Teile der Gemarkung Bagenz bis zum Strand in einer Rückübertragung zugesprochen bekommen. Zugleich läuft zum Schloss ein Erbbaurecht bis Ende 2033. Diese Rechte liegen bei einer Bank. Der Versuch, sie 2004 beim Amtsgericht Cottbus zu versteigern, scheiterte.

Zu sehen ist von der Pforte ein prächtiges Schloss. "Jüngst war die Denkmalbehörde drin", erzählt Schiele. "Es ist alles in Ordnung. Sie hat keinen Grund, sich wegen Schäden an den Eigentümer zu wenden." Als Hotel oder Pflegeheim könnte das Schloss die Bagenzer Gästezahl erhöhen.

Aber es gibt weitere Sorgen. Die Strandgaststätte steht leer. "Es ist schwer, dort über den Winter zu kommen", weiß Schiele. Den größten Teil der rund 1000 Euro Ortsteil-Budget geben die Bagenzer für die Rentnerweihnachtsfeier aus. "Sie haben unser Dorf aufgebaut", sagt Schiele. Er ist 45 Jahre, sitzt auch in der Gemeindevertretung und ist in Bagenz aufgewachsen. "Ein paar Jahre habe ich versucht, in Spremberg zu wohnen. Ich bin wieder zurückgekehrt." Harald Geisler, 69 Jahre und Ortsbeiratsmitglied, ist vor 24 Jahren aus Cottbus zugezogen. "Die Natur gefällt mir, und die Dorfgemeinschaft ist auch in Ordnung", so Geisler. Hier wird gezampert, der Maibaum aufgestellt. Die junge Tradition des Frühjahrsputzes wächst. "In diesem Jahr waren wir schon 37 Helfer", so Schiele. Einen Jugendklub braucht Bagenz nicht. Die Jugendlichen und Kinder werden von den Karnevalisten des BCC aufgefangen und von der Feuerwehr.

Unternehmer im Baugewerbe hat Bagenz, einer will das alte Gemeindehaus abreißen lassen, um den Platz für eine Erweiterung zu nutzen. Von der Schlachterei und der Dampfbäckerei profitieren Bagenzer wie Gäste. Weit bekannt ist Petra Engelmanns Kostümverleih. Aber sie näht nicht nur, sondern sie hat auch die Bürgerinitiative L 47 gegründet. Der Lkw-Verkehr, der über das Kopfsteinpflaster poltert, hat zugenommen. Ein Plakat bittet die Autofahrer, auf Tempo 30 zu drosseln. "Ein 30-Schild bekommen wir leider nicht, denn wir haben einen Fußweg und keine Schule. Urlauberdorf zu sein, genügt nicht", so Schieles Erfahrungen.