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LR vor Ort in Trebendorf
Ein Rädchen greift ins andere

Trebendorf. Das Knistern im angeschürten Ofen, der einst im Wohnhaus von Dudelsackspieler Hans Schuster in Hinterberg stand, bringt angenehme Wärme im Raum. Sofort fühlen sich die Gäste bei "LR vor Ort" wohl. Von Christian Köhler

Im Trebendorfer Schuster-Hof haben sich RUNDSCHAU-Leser, die Ortsgruppe der Domowina um Vorsitzende Angelika Balzke und Bürgermeisterin Kerstin Antonius versammelt, um über sorbische Traditionen und das Vereinsleben zu diskutieren.

Voller Selbstbewusstsein kann die Ortsgruppe der Domowina auf das Erreichte zurückblicken: "Das Brauchtum in unserer Heimat lebt", erklärt Angelika Balzke, "und der Schuster-Hof wird sehr gut angenommen." Immerhin greift in Trebendorf gewissermaßen ein Rädchen in das andere, um Veranstaltungen zu organisieren und die Tradition zu pflegen. "Ohne den Frauenverein wären wir oft aufgeschmissen", gibt die Domowina-Vorsitzende zu verstehen. Doris Gornetzki vom Frauenverein erzählt, wie sich die Frauen bei der Weihnachtsbäckerei oder beim Girlandenwickeln einbringen, in ihrer Freizeit die Außenpflege des Hofes übernehmen.

Auch der Kindergarten "Lutki" oder die Grundschule Schleife bringen sich ein. Mit den Kindern wird beispielsweise traditionsgemäß das Feld bestellt oder gebacken, die Erntebräuche werden begangen. "Es passt sehr gut in den Lehrplan", bestätigt Petra Rübesam, Leiterin der Schleifer Grundschule. Von den 178 Mädchen und Jungen der Schule lernen 161 die sorbische Sprache. "Der Bedarf ist da", stellt die Schulleiterin fest.

"Und wie steht es um die sorbische Sprache im Alltag?", fragt RUNDSCHAU-Redakteurin Gabi Nitsche, die an diesem Abend die Veranstaltung moderiert, in die Runde. Peter Mäkelburg, ehemaliger Trebendorfer Bürgermeister, sagt, "die Kinder lernen zwar die sorbische Sprache in der Schule", aber danach werde sie kaum noch angewendet. Das sieht auch Ricarda Mäkelburg so: "Gerade wenn die Kinder die Schule verlassen und wegen der Arbeit woanders hinziehen, gibt es einen Schnitt."

Deshalb wünscht sich die Ortsgruppen-Vorsitzende der Domowina auch, dass die Politik Möglichkeiten schafft, die Jugend in der Region zu halten, "denn nur die Jugend kann das Leben der Vereine verlängern". Das können angereiste RUNDSCHAU-Leser aus Tätzschwitz nur bestätigen. Dort, so erklärt Martina Petschick, kämpfe man mit ähnlichen Problemen.

Die Tätzschwitzer allerdings, die in einer ehemaligen Volksschule ein Schulmuseum eingerichtet haben, sind an diesem Abend in Trebendorf auf der Suche nach einer Verbindung beider Orte. "Unser Kantor Arthur Winkler wurde während der NS-Zeit nach Trebendorf versetzt", berichtet Martina Petschick. Sie hofft, Spuren des Kantors in Trebendorf zu finden. Da lässt sich Angelika Balzke nicht zwei Mal bitten: "Meine Mutter hat immer von einem Lehrer Winkler erzählt", sagt sie. Noch am selben Abend sollte Licht ins Dunkel gebracht werden.

Unterdessen sind sich die Trebendorfer einig: "Wir werden unsere Traditionen weiter pflegen und setzen dabei auf unsere Jugend", sagt Angelika Balzke. Und wer weiß, vielleicht gibt es auch wieder ein Heimatfest an der Freilichtbühne in Trebendorf. "Das würde mich wirklich freuen", wünscht sich Wolfgang Zech am Schluss des Abends.