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LR vor Ort in Gahry
Milchbetrieb für Zukunft gerüstet

Gahry. "Die Landwirtschaft hat Zukunft" – das war der einheitliche Tenor am Donnerstagabend im Schloss Gahry beim "Vor Ort"-Gespräch mit der RUNDSCHAU. "Wir haben uns 2015 dazu entschieden, in die Zukunft zu investieren und haben unseren Betrieb modernisiert", erzählt Podiumsgast Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Gahry. Von Michéle-Cathrin Zeidler

Die Investition hat sich gelohnt – die Tiergesundheit und die Milchleistung haben sich verbessert. Die 1600 Tiere der Agrargenossenschaft sind jetzt in modernen und luftigen Ställen untergebracht, ein neues Melkkarussell erleichtert den 34 Mitarbeitern die schwere Arbeit. "Vieles funktioniert nun automatisch", sagt der Landwirt und nennt als Beispiele das Entmisten und die Belüftung. "Trotzdem haben wir uns aktiv dagegen entschieden, Roboter für das Melken einzusetzen", so der Geschäftsführer weiter. Er fühlt sich seinen vielen jungen Mitarbeitern verpflichtet und will Arbeitsplätze in der Region halten. "Außerdem ist es auch ein Vorteil, wenn jemand jeden Tag auf die Kuh schaut", sagt er. Auch der Ortsvorsteher von Gahry, Klaus Vatter, kennt die Hochs und Tiefs in der Milchproduktion und bewundert diesen Schritt daher besonders. "Durch diese Investitionen werden Arbeitsplätze in der Region gehalten und davon gibt es schließlich nicht so viele hier vor Ort", sagt Klaus Vatter in der Diskussion.

Um sich besser vor den Auswirkungen der Milchpreisschwankungen zu schützen, hat die Agrargenossenschaft Gahry außerdem im Sommer 2014 eine Biogasanlage in Betrieb genommen. "Aus Gülle und Stalldung machen wir dort Strom", erklärt Bernd Schäfer. Gerne würde er dieses Standbein noch vergrößern, aber aufgrund der staatlichen Vorschriften ist dies nicht möglich. "Wir investieren trotzdem in die Sicherheit und werden einen zweiten Motor bauen", verrät der Landwirt. Außerdem will er auch weiter auf sein jüngstes neues Standbein setzen: die Rinderzucht und Vermarktung ins Ausland.

In der Zukunft brauchen die Landwirte mehr als nur ein Standbein – das ist auch die Meinung Lothar Müllers, Vorstandsmitglied des Kreisbauernverbandes und Seniorinhaber des Landwirtschaftsbetriebs Müller in Lauschütz. "In der Milchproduktion gibt es eine Fieberkurve", erklärt der Experte. "Darauf muss sich der Agrarbetrieb einstellen, in der Talfahrt an die Reserven gehen und investieren." Schließlich müsse in der nächsten Hochphase die Produktion stimmen. Dabei muss ein Landwirt nicht nur den eigenen Betrieb im Auge behalten. "Der Landwirt der Zukunft muss mehr leisten: Er ist Fördermittelmanager, plant die Investitionen, kennt sich aus in der Vermarktung und behält den Export im Auge", sagt Lothar Müller. "Der Landwirt muss sich breit aufstellen, mit nur einem Standbein fällt man leicht runter."

Obwohl Frank Lukas, Azubi im dritten Lehrjahr bei der Agrargenossenschaft Gahry, um die Herausforderungen der Branche weiß, liebt er seine Arbeit und will auch nichts anderes machen. "Ich schaffe etwas mit meinen Händen", sagt der 31-Jährige. "Dieser große Kreislauf fasziniert mich."