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LR vor Ort in Groß Breesen
Der Biberfrust bleibt

Ortsvorsteher Jens-Uwe Kellberg
Henrik Schuhr, Untere Naturschutzbehörde
Sven Rogosky, Baufachbereichsleiter
Ortsvorsteher Jens-Uwe Kellberg Henrik Schuhr, Untere Naturschutzbehörde Sven Rogosky, Baufachbereichsleiter FOTO: Foto-Werner
Rund 30 Groß Breesener fordern bei „LR vor Ort“ den gezielten Abschuss der Nager. Von Silke Halpick

Absolut kein Verständnis für den im Land Brandenburg praktizierten Biberschutz haben die Groß Breesener mehr. Kein Wunder: Eingebrochene Wege und Straßen sowie angenagte Bäume gehören für die Einwohner des Gubener Ortsteils mittlerweile zum Alltag. Groß Breesen ist eine Hochburg der Biberpopulation in Brandenburg, ähnlich wie der Oderbruch. Das räumen selbst die anwesenden Experten ein.

Beim RUNDSCHAU-Forum „LR vor Ort“ am Donnerstagabend wurde sehr emotional über die sich ausbreitenden Nager diskutiert. Rund 30 Bürger kamen in die Sportgaststätte Groß Breesen. Sie berichten von Löchern im eigenen Garten und den Unmengen an Sand, mit denen sie die unterirdischen Gänge bereits verfüllt haben. Vertrieben hat das den Biber aber nicht. Gefordert wird nun der Abschuss.

Mit seinem Bibermanagement steht das Land Brandenburg ohnehin in der Kritik. Vor allem Landwirte wollen schon seit Langem, dass der Biber wieder ins Jagdrecht aufgenommen wird. Zu DDR-Zeiten waren die Tiere fast ausgerottet, mittlerweile gibt es zwischen 3000 und 3500 Biber im Land Brandenburg, deren Bestand jährlich um zehn bis 20 Prozent wächst.

Den gezielten Abschuss der Nager schließt selbst das Land nicht mehr gänzlich aus, um die Ausbreitung in bestimmten Landesregionen zu begrenzen und wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Experten warnen jedoch, dass die frei gewordenen Reviere in der Regel wieder schnell von anderen Nagern besetzt werden.

Die Politik habe über den Schutz des Bibers völlig die Interessen der Menschen vergessen – das finden die Groß Breesener. Die Schäden, die die Tiere anrichten, sind beträchtlich. So musste die Stadt Guben im Vorjahr 4000 Euro investieren. Der Gewässer- und Bodenverband des Landkreises Spree-Neiße beziffert seine Auslagen im laufenden Jahr auf 40 000 Euro. Auch Privatpersonen bleiben meist auf ihren Kosten, die mehrere Hundert Euro betragen können, sitzen.

Mit einem Netzwerk aus ehrenamtlichen Biberbeauftragten will das Land Betroffene jetzt noch besser beraten und bei Konflikten vermitteln. Vier Ehrenamtler gibt es in Spree-Neiße, die über die Untere Naturschutzbehörde zu erreichen sind. Die Groß Breesener bleiben skeptisch. Aber immerhin soll es in der kommenden Woche einen Vor-Ort-Termin geben.Guben Den schwierigsten Part hatte an diesem Abend Mathias Gutt. Er bekam die volle Wucht des Bürgerzorns ab, meisterte die Situation aber souverän. Er verwies auf geltendes EU-Recht sowie auf Fördertöpfe, die von den Betroffenen mitunter gar nicht genutzt werden.

Dass man lernen müsse, mit dem Biber zu leben, räumte selbst Sven Alich ein. Er kritisierte den hohen bürokratischen Aufwand bei der Beantragung von Hilfen und ermunterte die Groß Breesener, gemeinsam den Druck auf die Politik zu erhöhen.

Henrik Schuhr verwies darauf, dass es gar keine freien Habitate mehr im Landkreis für eine Umsetzung gebe und letztlich nur noch der Abschuss des Bibers bleibe.

Sven Rogosky lobte die gute Zusammenarbeit mit den Betroffenen in der Gartenanlage und wünschte am Ende der Veranstaltungen allen eine möglichst lange biberfreie Zeit.

Jens-Uwe Kellberg berichtete von den Biberschäden im Ortsteil und der meist sehr aufwendigen Beseitigung.

Landwirt hat keine Zeit für Förderanträge

Der Landwirt Volker Naschke ist sauer auf die Biber, die mittlerweile selbst vor Eichen nicht mehr Halt machen und alle Bäume in der Region zerstören, wie er sagt. Die Zeit, umfangreiche Fördermittelanträge auszufüllen, hat er nicht. „Wer macht denn sonst meine Arbeit?“, fragt er. Das Bibermanagement des Landes Brandenburg hält er für „nicht praxistauglich“. Das Leben schwer machen ihm auch der Wolf sowie Vieh- und Traktordiebe.