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LR vor Ort in Kolkwitz
Große Erfolge und offene Baustellen

Kolkwitz. Zur Auftaktveranstaltung von LR vor Ort kamen 150 Gäste, um mit Bürgermeister Fritz Handrow (CDU) zu diskutieren. Von Andrea Hilscher

Es war rappelvoll in der Gaststätte „Zur Eisenbahn“. 150 Einwohner der Großgemeinde Kolkwitz waren neugierig: Sie wollten wissen, wie sich ihr Bürgermeister kurz vor dem Ausklingen seiner Amtszeit so präsentiert. Gerade 66 Jahre alt geworden, hat Fritz Handrow im Februar 2018 seinen letzten Arbeitstag, nach fast 28 Jahren an der Spitze seiner Gemeinde. Viel Zeit, um Fehler zu machen und Feindschaften zu entwickeln – sollte man meinen. Auch Handrow selbst hatte sich darauf eingestellt, bei der Auftaktveranstaltung von LR vor Ort mit kritischen Fragen konfrontiert zu werden. Dass der Abend stattdessen zu einer Hommage eines Ausnahmepolitikers wurde, trieb ihm fast Tränen der Rührung in die Augen. Für Rührung allerdings ist einer wie Handrow denn doch zu handfest: Statt emotionaler Abschiedsworte setzte er auf klare Konfrontation: Er hielt weder mit seiner Meinung zur Landespolitik noch zum Schulstreit mit Cottbus hinterm Berg.

„Es macht nicht mehr wirklich viel Spaß“ antwortete er auf die Frage von RUNDSCHAU-Moderator Daniel Steiger, warum er nicht noch ein Weilchen im Amt bleibe. „In den ersten zehn, 15 Jahren nach der Wende konnten wir noch viel bewegen und nach vorne bringen.“ Inzwischen könne er fast nichts mehr entscheiden. „Wir brauchten dringend Bauflächen, damit Heimkehrer hier Grundstücke kaufen können, doch das bekommen wir nicht mehr durch“, klagte der Bürgermeister. „Wollen wir einen Behindertenparkplatz einrichten, müssen erst sechs Leute aus dem Kreis anreisen und das prüfen.“

Trotz großer Erfolge – keine Schulden, volle Gewerbegebiete, ein intaktes Gemeinde- und Vereinsleben – hinterlässt Handrow seinem Nachfolger einige ungelöste Probleme.

Die Bahnanbindung: Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz sind abgehängt, haben auch im kommenden Winterplan keine regelmäßige Bahnanbindung. „Dabei haben wir viele verschiedene Varianten vorgelegt, die machbar wären“, so Handrow. Eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht.

Die Gesamtschule: Ist zwar im neuen Schulentwicklungsplan verankert, offen ist aber die Frage der Trägerschaft. Wann die Schule öffnen kann, ist unklar. Zudem hat die Haltung von Cottbus in dieser Frage bei Handrow für Ärger gesorgt.

Die Dorfaue Klein Gaglow: Gilt laut Flächennutzungsplan als Mischgebiet. Ein Hotel, ein Betriebshof, ein Hofladen und drei Schafzüchter leben und arbeiten hier. Das Verwaltungsgericht aber gibt einem Anwohner recht, der sich in seiner Ruhe gestört fühlt. Das Gewerbe soll verschwinden, die Aue wird reines Wohngebiet.