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LR vor Ort in Groß Leuthen
DORV-Zentrum wird heiß diskutiert

Groß Leuthen. Wie wird die Nahversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs künftig in der Gemeinde Märkische Heide organisiert, nachdem alte Strukturen weggebrochen sind? Ein DORV-Zentrum könnte eine Lösung sein. Wie dieses aussehen und wo es stehen könnte, und ob es überhaupt gewünscht ist, das wurde am Donnerstagabend diskutiert. Von Andreas Staindl

Etwa 80 Bürger waren der Einladung der Lausitzer Rundschau zum Forum LR vor Ort in das Gasthaus Beinio in Groß Leuthen (Märkische Heide) gefolgt. Die stellvertretende Bürgermeisterin Katharina Magoltz freute sich über die gute Resonanz. Die Gemeinde ist in Vorleistung gegangen und hat eine Standortanalyse in Auftrag gegeben, die von der DORV Zentrum GmbH in Jülich (Nordrhein-Westfalen) durchgeführt wurde. Geschäftsführer Heinz Frey stellte die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung vor.

DORV steht für Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung: Dienstleistungen, Lebensmittel, sozialmedizinische Versorgung, kulturelle Veranstaltungen und vieles mehr sollen unter einem Dach angeboten werden. Das DORV-Zentrum ist mehr als ein Einkaufsmarkt, wie Heinz Frey sagt: "Es sichert vielmehr eine multifunktionale Rundumversorgung." Das Konzept funktioniere und werde schon in etwa 40 Orten bundesweit realisiert. Ob es auch in der Märkischen Heide eine Erfolgsgeschichte wird, liege an den Bürgern, sagt er. Sie sind nämlich gefragt, und nicht die Verwaltung oder die DORV Zentrum GmbH entscheiden. Zwei Standorte – beide in Groß Leuthen haben sich herauskristallisiert: Das Gelände der BHG Handelszentren GmbH am Bahnhof und das Areal in Nachbarschaft des evangelischen Gemeindehauses in der Schlossstraße.

Ingo von der Lieth würde das DORV-Zentrum lieber in Gröditsch ansiedeln: "Dort gibt es wenigstens noch eine Schule; Groß Leuthen aber ist auf dem absterbenden Ast." Dietmar Schade dagegen macht sich für Groß Leuthen stark: "Wir haben schon die Schule verloren, aber noch den Campingplatz hier." Ein Versorgungs- und Dienstleistungszentrum gehöre nach Groß Leuthen. Viola Lüben spricht sich auch dafür aus und favorisiert den Standort auf dem BHG-Gelände. Sie argumentiert: "Das DORV-Zentrum würde zwischen Groß Leuthen und Gröditsch liegen, ein guter Kompromiss. Und ein Einkaufsmarkt in unmittelbarer Nähe wäre sicherlich auch für Mieter der Wohnblöcke dort attraktiv." Als Kita-Leiterin ist sie froh, wenn es in absehbarer Zeit wieder Lebensmittel vor Ort zu kaufen gäbe. "Wir haben im Markt immer Obst und Gemüse für unser Projekt ‚Gesundes Frühstück' gekauft und so die Kinder an gesunde Ernährung herangeführt. Seit Schließung der Einrichtung ist unsere Initiative eingeschlafen", stellt Viola Lüben bedauernd fest. Dieter Freihoff spricht sich auch für den Standort bei der BHG aus: "Dort kommen ohnehin viele Leute zum Einkaufen hin." Marktleiter Christian Wilke "befürwortet das Projekt. Das Grundstück steht zur Verfügung."

Knapp 600 000 Euro Jahresumsatz könnte man mit der Grundversorgung und Dienstleistungen in Groß Leuthen erzielen, schätzt Heinz Frey nach seiner bisherigen Analyse ein – und damit etwa 170 000 Euro mehr als in Gröditsch. Nach Ansicht von Manuel Borch wollen die Bürger "keine Umsatzzahlen hören, sondern wissen, wie es mit den Einkaufsmöglichkeiten in Groß Leuthen weitergeht. Die Gemeinde hat doch während der vergangenen Jahre geschlafen. In den Nachbarorten Neu Lübbenau und Goyatz sind längst moderne Einkaufsmärkte entstanden." Der multifunktionalen Idee kann Manuel Borch nichts abgewinnen: "Die Leute sind sicherlich nicht am Kaffeetrinken, sondern nur am Einkaufen interessiert." Das sieht Rainer Schwitalski anders. "Das DORV-Zentrum ist eine Chance, unsere Dorfentwicklung voranzutreiben", sagt das Mitglied des Ortsbeirats. "Unser Gremium steht hinter dem Projekt."

Reinhard Schulz findet nicht nur das Projekt, sondern auch die Herangehensweise großartig. "Die Bürger werden beteiligt. Das bringt die Entwicklung in der Märkischen Heide voran", betont er. Die von ihm am vergangenen Wochenende mitinitiierte Bürgerinitiative (die RUNDSCHAU berichtete) hält Günter Thiele für "ein gutes Gremium, um die Idee intensiv zu diskutieren".

Die Verwaltung der Gemeinde Märkische Heide plant ohnehin noch in diesem Jahr eine weitere Runde mit den Bürgern, wie Katharina Magoltz ankündigt. Bereits in der kommenden Woche sind Gewerbetreibende zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Auch Umfragen und Workshops sollen durchgeführt werden, legte Heinz Frey dar. "Wir binden die Bürger intensiv ein", versichert er. "Sie bestimmen schließlich, ob und wie ein DORV-Zentrum in Groß Leuthen realisiert wird."