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| 18:46 Uhr

LR vor Ort bei Senftenbergs Nacht-Rettern
Mit den Nacht-Rettern im Cockpit

Die Piloten Frank Girschik und Thomas Schröter mit Nachtsichtbrille. Mit ihren Rettungsflügen bei Dunkelheit sind sie die sichere Unterstützung für die Retter am Boden. Die Senftenberger sind die ersten Piloten in Deutschland, die in der Nacht zu unbekannten Einsatzorten fliegen.
Die Piloten Frank Girschik und Thomas Schröter mit Nachtsichtbrille. Mit ihren Rettungsflügen bei Dunkelheit sind sie die sichere Unterstützung für die Retter am Boden. Die Senftenberger sind die ersten Piloten in Deutschland, die in der Nacht zu unbekannten Einsatzorten fliegen. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Senftenberg. Die RUNDSCHAU landet mit „LR vor Ort“ am 15. November in der ADAC-Luftrettungsstation in Senftenberg.

Wenn Senftenbergs Nacht-Retter die Triebwerke starten und mit dem Rettungshubschrauber in die Dunkelheit abheben, dann ist irgendwo da Draußen etwas Schlimmes passiert. Beim letzten Nacht-Alarm für Pilot Ingolf Bartzok (60) war es eine Gasexplosion in der Beethovenstraße in Schipkau.

Wenn die Leitstelle entscheidet, dass die Crew des Nachts abhebt, dann ist das für die zwei Piloten, für den Notfallsanitäter und den Rettungsarzt an Bord etwas vollkommen Neues. Die 13 Piloten der ADAC-Luftrettungsstation Senftenberg sind die ersten in Deutschland, die in der Nacht ohne Bodenunterstützung zu Rettungseinsätzen an unbekannte Einsatzorte fliegen. „Normalerweise fliegen wir ins absolute Schwarz. Dank der neuen Nachtbrillen konnten wir in Schipkau aber in unmittelbarer Nähe des Explosionsortes landen, ohne dass die Feuerwehr den Platz ausleuchten musste“, erklärt der Leiter der Luftrettungsstation. Eine Landung mit bloßem Auge wäre an dieser Stelle in der Dunkelheit unmöglich gewesen.

Die Nacht zum Tage machen - das ist für Senftenbergs Retter eine neue Ära, aber zugleich auch eine neue Herausforderung. Denn durch die Geräte haben die Piloten kein räumliches Bild. Höhe, Geschwindigkeit und Entfernung sind so viel schwerer einzuschätzen als bei Tageslicht. Die 11 000 Euro teuren Brillen verstärken zwar das Restlicht, leuchten aber nicht jedes Hindernis restlos aus.

Deshalb gibt es an jedem Tag vor den möglichen Nacht-Einsätzen eine separate Wetterberatung, bei der die zu erwartende Helligkeit genau analysiert wird. „Beim finalen Anflug des unbekannten Einsatzortes fliegen wir langsamer und steiler als am Tag“, sagt Bartzok. Wenn dann aus dem schwarzen Nichts trotz Brille und Zusatzscheinwerfer ein Hindernis auftaucht, kann die Landung in letzter Minute jederzeit abgebrochen werden.

Eine neue Herausforderung sind die Nacht-Flüge auch für die Rettungsärzte an Bord. „Wir müssen den Piloten blind vertrauen. Sie fliegen mit uns ins Nichts“, bestätigt Dr. Petra Prignitz, die ärztliche Leiterin der Luftrettung. Im stockfinsteren Gelände muss sich der Notarzt dann mit Stirnlampe durchs Gelände tasten. „Das sind Fragen, die sich am Tage überhaupt nicht stellen“, so Dr. Prignitz.

Den Männern am Steuerknüppel von „Christoph Brandenburg“ zu vertrauen, fällt ihr indes nicht schwer. Ingolf Bartzok fliegt als ehemaliger NVA-Pilot seit 40 Jahren, mittlerweile bringt er es auf 8000 Flugstunden, 1400 davon ist er in der Nacht geflogen.

Ein Blick durch die Nachtsichtbrille auf den einsatzbereiten „Christoph Brandenburg“: Die Brille verstärkt vorhandene Lichter.
Ein Blick durch die Nachtsichtbrille auf den einsatzbereiten „Christoph Brandenburg“: Die Brille verstärkt vorhandene Lichter. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE