ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 09:33 Uhr

Lausitzer Geschichte
Wer ist eigentlich dieser Josef an der Krippe?

 So kennen wir den Josef, als Krippenfigur an der Seite Marias. Dieser hier enstand zwischen den Jahren 1919 und 1929 in der Werkstatt des damaligen Dombildhauers  von Osnabrück.
So kennen wir den Josef, als Krippenfigur an der Seite Marias. Dieser hier enstand zwischen den Jahren 1919 und 1929 in der Werkstatt des damaligen Dombildhauers  von Osnabrück. FOTO: dpa / Friso Gentsch
Cottbus. Weihnachten steht vor der Tür. Zeit, auch in unserer Geschichtsserie einen Blick in die heilige Krippe zu werfen. Und zwar ganz nach hinten, da, wo oft ein wenig abseits der Heilige Josef steht. Wer ist er – und warum wird er in der Lausitz verehrt? Von Bodo Baumert

Das Jesuskindlein, Maria, die Hirten, Schafe, Engel – so kennen wir die Weihnachtskrippe. Ein wenig abseits dabei steht meist noch der Josef, ein wenig verloren. Denn, was ist er eigentlich? Zwar Marias Mann, aber nicht der Vater ihres Kindes. Das wurde laut christlicher Überzeugung vom Heiligen Geist gezeugt. Josef ist also bestenfalls das, was man heute einen sozialen Vater nennt.

In den vergangenen 2000 Jahren hat ihm das teils Spott, teils auch Verehrung eingebracht. Wer sich heute in Lausitzer Kirchen umsieht, wird vielfach auf den Heiligen Josef treffen – nicht nur an der Krippe im Stall. Denn Josef hat sich entwickelt: zum Schutzheiligen der Arbeiter, der Handwerker und Zimmerleute, der Ingenieure, Erzieher, der Reisenden und Obdachlosen.

Wer also ist dieser Josef? Werfen wir einmal einen Blick auf Darstellungen, die wir in der Lausitz finden.

Josef-Figuren in Lausitzer Kirchen FOTO: LR / Sascha Klein

 

Josef, der Alte. Frühe Darstellungen des Josef zeigen einen alten Mann. Das rührt daher, dass Josef laut Bibel bereits Witwer gewesen sein soll, als er sich mit Maria verlobte. Daher taucht er häufig in Bildern als alter, bärtiger Mann auf. Auch in den Darstellungen der Josefskapelle im Kloster Neuzelle  lässt sich dies gut erkennen. Vielfach wurde daraus auf einen gebrechlichen Charakter geschlossen. Moderne Auslegungen sind da aber ganz anderer Auffassung. „Josef muss ziemlich fit und sportlich gewesen sein. Schließlich unternahm er lange Wanderungen“, sagt etwa Ansgar Wucherpfennig, Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen. Zudem müsse er als Zimmermann kräftig gewesen sein.

 Die Josefskapelle im Kloster Neuzelle wurde zwischen 1732 und 1745 gebaut. Sie enthält diverse Darstellungen des Heiligen.
Die Josefskapelle im Kloster Neuzelle wurde zwischen 1732 und 1745 gebaut. Sie enthält diverse Darstellungen des Heiligen. FOTO: Bistum Görlitz / Markus HILBICH

 

 Die katholische Kirche in Lauta ist dem Heiligen Josef geweiht. Über dem Portal ist er als alter Vater zu sehen.
Die katholische Kirche in Lauta ist dem Heiligen Josef geweiht. Über dem Portal ist er als alter Vater zu sehen. FOTO: LR / Sascha Klein

Josef, der Vater. Häufig begegnen wir dem Josef in Lausitzer Kirchen in seiner Vaterrolle, so etwa auch in Peitz, wo er das schon etwas ältere Jesuskind an der Hand führt. Im Mittelalter haben Künstler diese Seite des Josef gerne ausgeschmückt, ihn mit Topf und Pfanne dargestellt, als Hausmann. Das hat ihm viel Spott und Hohn eingebracht. Josef, das Weichei, kein richtiger Mann – und dann noch Jude.

Im Dom zu Aachen werden bis heute die sogenannten Josefshosen als Reliquie aufbewahrt. Aus ihnen soll Maria Windeln für das Kind im Stall gemacht haben. Josef, einer, der mehr als nur sein letztes Hemd für das Jesuskind gegeben hat.

Weihnachtskrippen FOTO: Wolfilser - stock.adobe.com / wlfilser / fotolia

 

Josef, der Träumer. In der Figur des Josef steckt allerdings sehr viel mehr. Die Bibel unterstreicht nicht umsonst seine Abstammung aus dem Hause Davids, also dem vornehmsten Königsgeschlecht Israels. Josef zweifelt, nachdem ihm Maria offenbart hat, nicht von ihm schwanger zu sein. Soll er seine Verlobte verlassen? Da erscheint ihm ein Engel im Traum. Und Josef glaubt. Er begreift seine Rolle und nimmt sie klaglos an, rettet Mutter und Kinder vor den Schergen des Herodes, flieht mit ihnen nach Ägypten, sorgt für den Sohn, der ja eigentlich gar nicht seiner ist, wie ein Vater im besten Sinne. Josef, der Träumer, auch so eine Darstellung, die uns immer wieder in der Kunst begegnet, sehr schön etwa als Deckengemälde in Neuzelle.

 

Josef, der Beschützer. In der Cottbuser Propsteikirche St. Maria finden wir den Heiligen Josef als Figur aus der Werkstatt Felix Hertelt. Während die Maria hoch über dem Kirchenraum thront, muss man schon um die Ecke gehen, um die vor wenigen Jahren neu eingerichtete Josefskapelle zu finden. Der Josef steht hier hinter dem schon herangewachsenen Jesuskind. Josef ist hier der Vater, wie wir ihn uns modern vorstellen. Sorgsam hält er die Hand über den Jungen, ohne ihn zu führen, zu lenken. Josef ist da, passt auf.

 

Josef, der Handwerker. Wenig ist in der Bibel über Josef überliefert.  Immerhin wissen wir, welchen Beruf er hatte: Zimmermann. Und so ist es kein Wunder, dass Josef im Lauf der Jahrhunderte zum Schutzheiligen der Handwerker aufgestiegen ist. In der Kirche in Niesky ist er als Holzfigur mit Hobel und Winkelmaß zu sehen.

 

Josef, der Arbeiter. Seine vergleichsweise weite Verbreitung in der Lausitz verdankt Josef einem weiteren Attribut, das ihm zugerechnet wird. So erlebte er im 20. Jahrhundert eine deutliche Aufwertung, auch innerhalb der Kirche. Das Fest „Heiliger Josef, der Arbeiter“ hat Papst Pius XII. 1955 eingeführt. Als Gedenktag verbindet es seitdem Josef mit dem Tag der Arbeit am 1. Mai. Der bescheidene Handwerker aus Nazareth stehe bei Gott und für die Kirche für die Würde der menschlichen Arbeit ein, so die Begründung.

Das machte den Josef auch dort beliebt, wo zu Beginn des 20. Jahrhunderts und später durch die Zuwanderung von Industrie-Arbeitern neue christliche Gemeinden entstehen. In Lauta etwa, wo die Kirche 1926 auf den Heiligen Josef geweiht wurde, war es das Aluminiumwerk.

 

Josef, der Kämpfer gegen den Kommunismus. Auch dies unterstellt man dem Josef heute. Papst Pius XI. ernannte ihn 1937 zum Patron all derer, die den Kommunismus bekämpfen. Solche Darstellungen sucht man in der Lausitz allerdings vergebens. Es bleibt ein Randaspekt, den auch die Kunst nur selten aufgreift.

 

Josef, der Macher. Der schweigsame Josef, der in der Bibel kein einziges Mal zu Wort kommt und über dessen weiteres Schicksal nach der Rückkehr aus Ägypten nichts mehr bekannt ist, hat im Lauf der Jahrhunderte gerade bei katholischen Männern eine Wandlung durchlebt. So gilt er heute als einer, der anpackt, der nicht viel redet, sondern macht. Das kommt an.

Und in mancherlei Hinsicht kann der Josef auch als Vorbild für moderne Väter wirken.