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| 13:00 Uhr

Lausitzer Geschichte
Vor 550 Jahren stand Cottbus in Flammen

Rund um die Cottbuser Oberkriche stand die mittelalterliche Stadt mehrfach in Flammen. Auch die Kirche selbst wurde dabei beschädigt.
Rund um die Cottbuser Oberkriche stand die mittelalterliche Stadt mehrfach in Flammen. Auch die Kirche selbst wurde dabei beschädigt. FOTO: Michael Helbig/UBC Stock/shutter
Cottbus/Elsterwerda. Wer die Geschichte der Lausitz erzählen will, kommt am Feuer nicht vorbei. Bis heute gehören Brände zu den Ereignissen, die viele Menschen bewegen. Im Mittelalter konnten sie ganze Städte zerstören. Von Bodo Baumert

550 Jahre ist es her. Am 19. September 1468 schlug der Blitz in Cottbus ein. Für die damalige Stadt ein fatales Ereignis. Binnen 48 Stunden brannte die gesamte Stadt nieder. Selbst die Oberkirche, der größte und stabilste Bau der Stadt, war betroffen. Wie konnte ein einziger Blitz solch verheerende Folgen haben? „Das lag einmal an der völlig unzulänglichen Löschhilfe, den primitiven Löschgeräten, in der Hauptsache wohl an der Bauweise der Häuser. Fast bis zum Siebenjährigen Krieg waren Häuser in Cottbus, wie anderswo, durchweg Fachwerkbauten mit Schindel- und Strohdächern. Kein Wunder also, wenn bei jedem Brand gleich ganze Straßenzüge, die halbe oder die ganze Stadt in Flammen aufging“, erläutert Peter Klar in der Feuerwehrhistorie der Sandower Ortswehr.

Cottbus stand mit diesem Erlebnis auch nicht alleine dar. Die Geschichte fast aller mittelalterlichen Städte lässt sich über Brandkatastrophen erzählen. 1491 brannte halb Dresden nieder, 1541 zwei Drittel Prags inklusive eines Teils der Burg. 1656 entfachte die Unachtsamkeit eines Bäckers in Aachen einen der größten deutschen Stadtbrände. Nach offiziellen Angaben wurden 4664 Gebäude zerstört.

Auch Lausitzer Städte teilten dieses Schicksal im Mittelalter immer wieder. Am 3. Juni 1556 wurde Spremberg fast vollständig vernichtet. 1604 und 1646 traf es die Stadt erneut. Selbst das Rathaus und die Stadtkirchen brannten nieder. 1675 ereilte ein Großbrand Lübbenau. Auch hier wurde nahezu die gesamte Stadt vernichtet. In Finsterwalde wurde im gleichen Jahr bei einem Stadtbrand unter anderem das Rathaus vernichtet.

Elsterwerda, ein im Mittelalter eher kleines Ackerbauernstädtchen, war besonders oft getroffen. Die Chronik der Stadt erinnert an Feuersbrünste 1562, 1621, 1631, 1696 und 1721. Besonders perfide: Einige Generationen traf es gleich mehrmals. Kaum waren die Häuser wieder aufgebaut, mussten sie mit ansehen, wie diese erneut ein Opfer der Flammen wurden. Die Stadtchronisten konnten sich das damals nur als eine Strafe Gottes erklären. Nur wofür? „Nun ist zwar nicht zu leugnen, dass Sünde, Schande und Laster auch hier zu finden waren. Allein Gott hat diesen Ort anderen größeren und umliegenden Städten sonderlich zur Wahrnehmung und zum Schreckensbild vorgestellt“, heißt es dort – frei übersetzt.

Auch Cottbus blieb nach dem Feuer von 1468 nicht von weiteren Katastrophen verschont. Die Aufräumarbeiten waren kaum abgeschlossen, als es die Stadt 1479 erneut erwischte. Die gerade erst mühsam wieder erbauten Häuser lagen erneut in Schutt und Asche. 1567 folgte der nächste Großbrand. 33 Jahre später kam es noch schlimmer: „Am 3.September 1600 erleben die Cottbuser eine der größten Katastrophen der Stadt. Bei einem Brand wird fast der gesamte Ort in Schutt und Asche gelegt, nur neun kleine Buden sollen den Brand überstanden haben. Die Kirchen werden zerstört, lediglich die Bibliothek der Oberkirche kann gerettet werden. Das halbe Schloss, das Rathaus mit dem Archiv, die Lateinschule an der Oberkirche und die Stadtmühle sowie ein Teil von Sandow und das Hospital fallen den Flammen zum Opfer“, berichtet die Stadtchronik. Das Feuer soll bei dem Ratsverwandten Martin Meurer in der Mühlenstraße ausgebrochen sein. Sein Verschulden konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

„Die Chroniken der Stadt berichten über diese Ereignisse, jedoch wird kaum  vermeldet, welche Folgen diese für die Betroffenen hatten. So können wir uns kaum ein Bild davon machen, wie mühsam es war, nach einem Stadtbrand die Schäden zu beseitigen, die Häuser wieder aufzubauen und zu einem normalen Alltag zu finden“, schreibt der Cottbuser Stadt-Historiker Steffen Krestin im Sonderheft zum Jubiläum der Cottbuser Feuerwehr 2013.

Immerhin: Für den Cottbuser Brand von 1600 sind einige staatliche Hilfen überliefert. Der Kurfürst stellte Holz zur Verfügung und erließ der Stadt für fünf Jahre die Steuern, um den Wiederaufbau zu fördern, heißt in erhaltenen Urkunden. 1671 ereilte es die Stadt allerdings erneut. Wieder standen 300 Häuser in Flammen.

Feuerwehren, wie wir sie heute kennen, wie es sie aber auch schon im Alten Rom gab, waren im Mittelalter unbekannt. Löschen mussten die Bürger selbst. Löschordnungen legten fest, wer sich im Brandfall wie zu verhalten hatte. Zünfte und Gilden mussten Eimer und anderes Löschmaterial bereithalten. Stadtwächtern und Türmern wurde die Aufgabe übertragen, sofort Alarm zu schlagen, wenn es nachts Anzeichen für ein Feuer gab.

Um dem immer wiederkehrenden Problem der Brände Herr zu werden, wurden stattdessen drastische Gesetze erlassen. Nach altgotischem Rechte stand auf Brandstiftung der sofortige Tod. Der Sachsenspiegel, das älteste Rechtsbuch des Mittelalters, listet Enthauptung oder das Rädern als Strafe für Brandstifter.

Auch Bauvorschriften sollten helfen. So legte Kurfürst Friedrich Wilhelm nach dem Brand von 1671 fest, dass in Cottbus Häuser nicht mehr mit Stroh gedeckt werden durften. Forst erlebte nach dem großen Stadtbrand von 1748 eine völlige Umgestaltung. Der neue Standesherr Graf Heinrich von Brühl ließ die Stadt komplett neu planen und aufbauen. Der Brandschutz spielte dabei eine wichtige Rolle.

Feuerwehren kamen erst zum Ende des Mittelalters auf. 1686 wurde die vermutliche erste Berufsfeuerwehr in Wien gegründet. Berlin folgt 1851. In Cottbus wurde 1862 der neugegründete Turnverein mit dieser Aufgabe betraut.