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| 13:23 Uhr

Gesichter des Theaters
Martin Schüler

Aufbruchstimmung: Martin Schüler wurde 1991 am Staatstheater als Operndirektor engagiert.
Aufbruchstimmung: Martin Schüler wurde 1991 am Staatstheater als Operndirektor engagiert. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Martin Schüler hat über Jahre das Cottbuser Staatstheater geprägt. Zu seinem Abschied schrieb Ida Kretzschmar: Von Ida Kretzschmar

Martin Schüler, am 11. Juli vor 60 Jahren in Finsterwalde geboren, bleibt bei seiner Entscheidung, gerade, weil ihm die künstlerisch erfüllende Zeit in Cottbus sehr viel bedeutet: „Es war für mich als Theatermacher wunderbar, nach Arbeiten an Opernhäusern in der Welt so viele Jahre verantwortlich in der Heimat wirken zu können. Noch dazu im schönsten Jugendstiltheater Deutschlands. Ich bin gern zur Arbeit gegangen“, bekennt er.

Seit 1991 war er Operndirektor am Staatstheater. Hier erarbeitete er als Regisseur 83 Werke. Sein Name gilt als Garant für ein aufregendes, spielerisch-intensives, oft auch lebenspralles Musiktheater, das weit über die Grenzen der Lausitz Beachtung gefunden hat. Überregionale Wertschätzung erwarb sich das Cottbuser Opernensemble unter anderem mit semiszenischen Inszenierungen wie Offenbachs „Rheinnixen“. So war es dem Wagner-Verehrer Schüler auch möglich, den viel beachteten „Ring des Nibelungen“ über zehn Jahre hinweg auf die Cottbuser Bühne zu bringen. „Ich konnte ein Sängerensemble so fördern und formen, dass es die schwierigsten Werke auf hohem Niveau bewältigte“, freut er sich. Wichtig ist ihm, dass sowohl eingefleischte Opernfreunde wie auch Schulklassen ihren Spaß dabei haben. Die Trefferquote war hoch. „Die Auslastung der Sparte Oper lag Ende Mai bei 80 Prozent. Begonnen hatte ich nach der Wende mit 52,8 Prozent“, betont der scheidende Operndirektor.

Dem Intendanten bereitete besonderes Vergnügen, wenn das Theater seine angestammten Spielstätten verließ. Dazu gehören die Sommerspektakel im Kasernenhof, vor allem aber die Spielplanpräsentationen in Pücklers Park, „Fidelio“ im Zuchthaus und sieben Theaterfeste im Großen Haus. „Eine Herzensangelegenheit waren mir die Begegnungen mit den Stifterfamilien der Max Grünebaum-Stiftung und die jährlichen Preisverleihungen“, hebt Martin Schüler hervor.

Zu den schwierigsten Kapiteln dieser Jahre zählt er den Schritt in die Kulturstiftung 2004: „Die Mitarbeiter mussten davon überzeugt werden, dass die Stiftung ein Erfolgsmodell für die Zukunft des Theaters ist. Fast alle dachten, dass man sie abwickeln will. Das Gegenteil ist der Fall: Inzwischen ist die Brandenburgische Kulturstiftung Garant für das finanzielle Überleben des Staatstheaters und des Landesmuseums“, ist Martin Schüler überzeugt. „Dass es das Staatstheater noch gibt, dass es als Drei-Sparten-Haus geführt wird und dass es künstlerisch einen ausgezeichneten Ruf in Deutschland genießt, das Zuist wohl das Beste, was ich – gemeinsam mit allen Künstlern und Mitarbeitern – erreicht habe“, erklärt er auf Nachfrage.

In seiner Ära hat sich das Staatstheater Cottbus der besonderen Idee verschrieben, die Qualitäten aller Sparten zusammenzuführen und Mehrspartenprojekte mit Oper, Schauspiel und Orchester zur Aufführung zu bringen. „Das kleine Ballett haben wir nicht nur am Leben erhalten, sondern dabei unterstützt, über sich hinauszuwachsen. Das Schauspiel, das neun Jahre mit vielen besonderen Projekten unter der Leitung Mario Holetzecks aufwartete, ist nun unter Jo Fabian unterwegs zu neuen Ufern.“

Martin Schüler pflegt eine altmodische Angewohnheit. Er sammelt seine Arbeiten in Karteikarten. Seine letzte Oper am Staatstheater „Macbeth“ war seine 115. Inszenierung, die 83. in Cottbus – umjubelt von den Zuschauern, perfekt auf die Bühne gebracht – und doch umwölkt von den Zerwürfnissen hinter den Kulissen. „Ich bedaure, dass es mir im letzten Jahr nicht mehr gelang, die Arbeitsbedingungen am Theater durchgängig so zu gestalten, dass für jeden ein freies und lustvolles Arbeiten möglich war. Dass ich nun die exzellenten Musiker und Sänger nur noch vom Zuschauerraum aus erleben kann, ist für mich nach all den erfolgreichen Jahren persönlich ein großer Verlust“, gesteht er. Eine Sabbatzeit voller Ungewissheiten steht vor ihm.