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| 14:57 Uhr

Lausitzer Geschichte
Lausitzer Burgen im Wandel der Zeit

 Die Slawenburg Raddusch: Nachbau einer Wehranlage aus dem 9. Jahrhundert.
Die Slawenburg Raddusch: Nachbau einer Wehranlage aus dem 9. Jahrhundert. FOTO: Preikschat
Cottbus. Der Burgenbau hat in der Lausitz eine lange Tradition. Bis heute haben sich Wehranlagen aus der Bronzezeit erhalten. Von dort reicht die Entwicklung bis zur Festung in Peitz. Von Bodo Baumert

Rund 250 Burganlagen zählen Historiker und Archäologen in der Lausitz, manche nur noch in Überlieferungen oder als Bilder erhalten, andere bis heute in Städten oder in der Landschaft sichtbar. Im Zuge der Jahrtausende hat sich der Wehrbau – im Gleichschritt mit der Entwicklung moderner Waffen – immer weiter verfeinert. Wie sah der Weg in der Lausitz aus? Ein Sprung durch die Geschichte:

Burgen in der Lausitz FOTO: christoph malcherowitz

Die Wallanlage von Malitschkendorf:

Die ersten Burgen der Lausitz entstanden in der Bronze- und frühen Eisenzeit zwischen 1300 und 500 vor Christus.  Die Menschen der sogenannten Lausitzer Kultur haben sie angelegt, als Wohn- und Wehrstätten. Reste einer solchen Anlage finden sich beispielsweise in der Nähe von Malitschkendorf (Elbe-Elster). Der Erdwall der Anlage ist bis heute erhalten, wenn auch von einem kleinen Wäldchen überwuchert. Die heute noch rund fünf Meter hohen Erdaufschüttungen geben einen guten Eindruck der Anlage, die zwischen 900 und 700 vor Christus errichtet wurde. Mit einem Umfang von etwa 400 Metern umspannte der Wall eine Fläche von rund 2,5 Hektar.

 Die Burganlage Malitschkendorf. Hier in einer Rekonstruktionszeichnung, die Besucher heute am Ort der teils verwilderten Anlage finden.
Die Burganlage Malitschkendorf. Hier in einer Rekonstruktionszeichnung, die Besucher heute am Ort der teils verwilderten Anlage finden. FOTO: LR / Bodo Baumert

Sicherheit bot die Anlage ihren Bewohnern vor allem, weil sie in sumpfigem Gebiet lag. Mehrere Lagen aus Baumstämmen bildeten das Fundament, auf dem sich der Wall und eine hölzerne Palisade erhoben. Ein Graben sorgte für zusätzlichen Schutz.

„Zwischen Sachsen-Anhalt und Großpolen sind etwa 150 eisenzeitliche Burgen bekannt“, berichtet Louis Nebelsick von der Universität Warschau. Bekannte Beispiele sind auch bei Senftenberg und Burg zu finden. Was zum Ende dieser frühen Burgen führte, ist nicht vollends geklärt. In einigen Anlagen fanden sich allerdings Pfeilspitzen der Skythen. Dieses Reitervolk drängte mit seiner innovativen Bogentechnik aus Südosteuropa in die Region und führte mit zum Ende der Lausitzer Kultur.

Die Slawenburg Raddusch:

Als nächste bedeutende Burgenbauer traten die Slawen ab dem 8. Jahrhundert in der Lausitz auf. Die ab dem 9. Jahrhundert als Lusizi bekannten neuen Herren errichteten ihre Burgen zum Schutz gegen ihre Nachbarn, vor allem die Deutschen. So entstand eine der dichtesten Burgenlandschaften Europas. Etwa 40 Anlagen sind bekannt, darunter die Slawenburg Raddusch, deren Nachbau heute ein sichtbares Zeugnis der damaligen Burgenbauweise gibt.

 Blick auf die Slawenburg
Blick auf die Slawenburg FOTO: ZB / Patrick Pleul

Holzbalken bilden den Rahmen der mit Erde, Sand und Lehm verfüllten, rund zehn Meter breiten Wälle. Tunneltore in den rund sieben Meter hohen Wällen verhindern ein Eindringen. Reiterkrieger und Bewaffnete auf den Wällen sorgten im Angriffsfall für Schutz.

Der Lubwarttum:

Eine große Anzahl von Burgen entstand in der Zeit von 1000 bis 1200, als die slawischen Stämme dem deutschen  König Heinrich I. und seinen Rittern auf Dauer militärisch nicht mehr gewachsen waren. Einwanderer aus Flandern, Sachsen, Thüringen und Franken schufen Burgen, die  heute noch teilweise das Landschaftsbild prägen.

Ein Beispiel aus dem 12. Jahrhundert ist der Lubwartturm in Bad Liebenwerda. Er entstand als Bergfried einer steinernen Wasserburg auf einer Insel. Der Eingang zum Turm befand sich in etwa zwölf Metern Höhe, was einen massiven Schutz gegen Angreifer bot, selbst, wenn diese die Außenmauern der Burg überwunden hatten.

 Lubwartturm um 1840
Lubwartturm um 1840 FOTO: Stadtarchiv Liebenwerda

Die Burg Bautzen:

Die Orten(s)burg in Bautzen, bis heute als wehrhaftes Wahrzeichen der Stadt über der Spree thronend, zeigt den weiteren Ausbau der Burglandschaft im 15. Jahrhundert. Von drei Seiten durch die steil abfallenden Böschungen und die Spree gedeckt, bestand der einzige Zugang zur Burg an der Nord-Ost-Seite, wo ein Torturm mit einer Zugbrücke den Einlass verhindern sollte. Belagerungsmaschinen und Angriffsstürme konnten so nur bedingt Schaden anrichten.

 Ein Blick auf die Altstadt von Bautzen mit der Ortenburg (r.), die über der Spree thront.
Ein Blick auf die Altstadt von Bautzen mit der Ortenburg (r.), die über der Spree thront. FOTO: picture alliance / Monika Skolim / Monika Skolimowska

Dass allerdings auch solche Trutzburgen keinen umfassenden Schutz bieten konnten, bewiesen die Schweden im Dreißigjährigen Krieg, als sie mit ihren Kanonen die Stadt einnahmen – ein Schicksal, das übrigens auch die Cottbuser und ihre steinerne Stadtmauer teilten.

Burg Sonnewalde:

Ein Beispiel, wie der Burgenbau auf die neuen Herausforderungen reagierte, ist die Burg Sonnewalde (Elbe-Elster). Der Historiker Ralf Gebuhr hebt die Anlage hervor, da sie „in bemerkenswerter Weise das Ringen um neue und zugleich ökonomisch tragbare Formen im Befestigungsbau angesichts des Innovationsdrucks moderner Feuerwaffentechnik“ zeige. Die Rundbastion am Vorderschloss gibt ein Beispiel des damaligen Wehrbaus, ehe das Anwesen im 18. Jahrhundert zum barocken Schloss umgebaut wurde.

 Das Vorderschloss in Sonnewalde ist wegen des großen Sanierungsstaus ein Sorgenkind der Stadt.
Das Vorderschloss in Sonnewalde ist wegen des großen Sanierungsstaus ein Sorgenkind der Stadt. FOTO: Heike Lehmann

Die Festung Peitz:

Bastionen statt gerader Mauern. Um mit den modernen Kanonen Schritt zu halten, wurden Burgen im 16. Jahrhundert zu Festungen ausgebaut. Sternförmige, ausladende Befestigungsanlagen wurden konstruiert, in deren massiven Seiten die Metall-Geschosse nur wenig Schaden anrichten konnten. Meister dieser neuen Sicherheitstechnik waren die Italiener. Ein noch erhaltenes Beispiel in der Lausitz ist Peitz, wo der venezianische Baumeister Franceso Chiaramella seine Kunst einbringen konnte. Auch in Senftenberg entstand im 16. Jahrhundert eine für die damalige Zeit typische Festungsanlage.

 Die einstige Festung im goldenen Bild der Stadt Senftenberg, gemalt von Günther Wendt.
Die einstige Festung im goldenen Bild der Stadt Senftenberg, gemalt von Günther Wendt. FOTO: Museum/Steffen Rasche

Die Maßnahmen zeigten Wirkung. Im Dreißigjährigen Krieg, als ringsumher die Mauern fielen, diente Peitz Adelsfamilien und 1636 sogar dem Kurfürsten selbst als Zufluchtsort.

Erst 100 Jahre später fiel die Festung, deren Modernisierung nicht mehr verwirklicht worden war. 1767 gab dann Friedrich der Große den Befehl zum Abriss.

 Von der im 16. Jahrhundert errichteten Festung Peitz ist heute noch der Turm erhalten.
Von der im 16. Jahrhundert errichteten Festung Peitz ist heute noch der Turm erhalten. FOTO: Amt Peitz

Ihren militärischen Wert hatten die Burgen verloren. Die trotzigen Bauwerke wichen offenen Schlössern, deren Sinn eher in der Repräsentation lag. Die Zeit der Bollwerke ging zu Ende.