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| 12:34 Uhr

Lausitzer Geschichte
„Krieg von Luckau“ bleibt ein Rätsel

Luckau. Fünf Tschechen sorgen 1953 für Riesen-Polizei-Einsatz – und bis heute für Mythen. Von Bodo Baumert

Es war der 10. Oktober 1953. Bei einer nächtlichen Polizei-Kon­trolle am Bahnhof Uckro fallen Schüsse. Ein Polizist stirbt, zwei weitere werden verletzt. Die Schützen, fünf tschechische Dissidenten, sind auf der Flucht nach West-Berlin. Die DDR-Führung will das um jeden Preis verhindern, setzt mehr als 10 000 Polizisten und Soldaten ein. Luckau wird zu einem Heerlager. In den Nächten wird rund um die Stadt wild geschossen. Zeitzeugen sprechen vom „Krieg von Luckau“.

Und trotzdem entkommen drei der fünf jungen Männer. Wie konnte das geschehen? Wie kam es dazu, dass sich in der West-Presse wilde Geschichten über einen „Aufstand bei Cottbus“ bildeten? Und wer hat die Polizisten überhaupt erschossen? Zumindest in einem Fall ist das bis heute nicht geklärt. Ctirad Masin, einer der drei Flüchtenden, ist sich sicher, er habe geschossen. Experten wie der frühere Polizist Wolfgang Mittmann aus Elbe-Elster behaupten, die Polizei habe den eigenen Mann getroffen. Die Staatsanwaltschaft Cottbus hat seit 2001 mehrfach Anzeigen dazu vorliegen gehabt, konnte aber auch nichts zur Aufklärung beitragen. Der Fall sei verjährt, erklärt Oberstaatsanwältin Petra Hertwig. Erst 1978 sei das Gesetz in Kraft getreten, nach dem Mord nicht mehr verjährt. Fälle von 1953 sind deshalb heute strafrechtlich nicht mehr relevant und den Ermittlern damit die Hände gebunden.

„Man findet bei etwas Suchen viele Versionen dessen, was 1953 passierte. Eine eindeutige Geschichte wird daraus niemals. Sie dennoch zu schreiben, ist schwer“, hat der verstorbene Vize-Chefredakteur der RUNDSCHAU, Johann Legner, 2001 festgestellt. Die RUNDSCHAU wagt den Versuch – in einer neuen Serie.
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