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| 03:30 Uhr

Lausitzer Geschichte
Hier spricht Clarence Chamberlin

Die Original-Schallplatte
Die Original-Schallplatte FOTO: Daniela Kühn
Cottbus. Seine Notlandung in Klinge hat den Atlantikflieger Clarence Chamberlin 1927 nach Cottbus geführt. Ein seltenes Tondokument von damals hat das Cottbuser Stadtarchiv 2011 erworben. Auf einer Schellack-Platte spricht der Pilot über seinen Flug und seine Erlebnisse. Hören Sie selbst: Von Bodo Baumert

Hier geht es zur digitalen Kopie der Platte von 1927. Zum Hören bitte einfach dem Link folgen.

Chamberlin versucht, Deutsch zu sprechen. Lässt dann aber doch einen Freund übersetzen. Den Text hat Steffen Krestin, Leiter des Cottbuser Stadtarchivs aufgeschrieben. Zum besseren Verständnis der Aufnahme drucken wir ihn im Folgenden ab:

Es ist leichter, die Luft zu beherrschen, als eine fremde Sprache. Sie werden es daher verstehen, daß mein Erlebnis ihnen durch meinen Freund vorgetragen wird, dessen Stimme sie nunmehr hören werden.

Eines der aufregendsten Teile unseres Fluges war der Anfang. Wir hatten einen schwierigen Start, da wir den Massen entrinnen mußten, die den Startplatz zu überrennen drohten. Dann kam ein schwieriger Zwischenfall mit unserem Hauptkompaß. Wir waren zuerst beruhigt, daß wir auf dem rechten Wege waren, als wir Neuschottland sichteten. Wir waren sehr stark durch Gegenwind behindert und während der Nacht schiene sich die Elemente zum Kampf gegen uns vereinigt zu haben. Wir flogen weiter über treibende von Grönland her kommende Eisberge in schwärzester Finsternis und schrecklicher Kälte. Sehr bald wurde der Nebel dichter und dichter, der Sturm wütete. Wir versuchten, über den Nebel zu steigen und erreichten dabei eine Höhe von 15.000 Fuß, aber das half nichts. Wir mußten durch den Nebel und Sturm. Die scharfe Kälte in dieser Höhe sonderte die Feuchtigkeit der Wolken ab und bedeckte den Aeroplan mit einer Eisschicht. Um die dadurch gegebene Gefahr zu verringern, waren wir genötigt, schnellstens in wärmere Regionen herunterzugehen. Als wir das Nebelmeer durchquert hatten, waren wir nur etwa 300 Fuß über dem Wasser. Gott sei Dank, der Nebel reichte nicht bis zum Wasser selbst. Andernfalls würde der Flug New York – Berlin vielleicht dort zu Ende gewesen sein. Nach etwa zwanzigstündigem Flug mit nichts als Wasser in Sicht, sahen wir plötzlich die vier Schornsteine der Mauritiania ( - ein Schiff). Wir wußten, wir waren auf dem richtigen Wege und unserem Ziele näher. Wir kreisten um das Schiff, überzeugt, daß der Kapitän der Welt fraglos mitteilen würde, daß er uns gesehen habe. Aus dem Namen des Schiffes und der Abfahrtstage, den wir aus unserer Zeitung ersahen, wußten wir unsere ungefähre Position. Wir flogen weiter, bis wir Land sichteten. Europa – das gab uns neue Kraft, Aber die Hoffnung auf ein ungehindertes Ende trügte. der Nebel wurde wieder dichter und dichter. wir kletterten 21.000 Fuß hoch, um dem Nebelmeer zu entrinnen. Schließlich wurde die Höhe und die Kälte jedoch unerträglich. Wir gingen herunter und sahen plötzlich auf Deutschland. Dortmund mit seinen rauchenden Schloten Durch Regen und Nebel flogen wir weiter in Richtung unseres Zieles, nämlich Berlin. Unser Benzin geht zu Ende und wir müssen landen. Wir sind jedoch auf deutschem Boden. Schließlich sind wir in Cottbus und endlich auch an dem Ziel unserer Reise, in Berlin. Sieg für uns, Sieg für die treue Miß Columbia, Sieg für die Menschheit in ihrem Kampfe gegen alle widerstrebenden Kräfte.

Ich habe Berlin schrecklich nett gefunden gegenüber so daß ich gern sprechen werde. (Dieser kurze Abschnitt ist nur schwer, zum Teil gar nicht verständlich!) Leider spreche ich jedoch nur sehr wenig deutsch, daß ich gezwungen bin, einen lieben Freund von mir zu bitten, meine Bemerkungen von unserem Flug New York – Berlin und der Probleme zu übersetzen. Bitte mein Freund:

Es ist meine Ansicht, und zwar bereits von Kindheit an, daß jeder Mensch den Ehrgeiz haben muß, auf irgendeinem Gebiete von Weltbedeutung ein Pionier zu sein. Das jedenfalls war mein Traum und später ein Ehrgeiz, der immer in mir lebendig war. Mein Steckenpferd schon als Junge von 13 Jahren war immer die Luftschiffahrt. Als das Glück mir lächelte , setzte es mich in den Stand, meine früheren Hoffnungen zu befriedigen und einen Aeroplan mir selbst zu kaufen. Dann kam mein gleichzeitiges Zusammentreffen mit Clarence Chamberlain, den ich als einen der besten Piloten der Welt schätzen lernte. Nach Vollbringung des 51stündigen Dauerfluges in demselben Columbiaflugzeug war der einzige Gedanken, den wir hatten: Auf nach Europa! Die Vorbereitungen begannen und die Welt war voller Aufregung. Der tapfere Kapitän Lindberg flog nach Paris und wir entschieden uns sofort, wenn möglich, noch weiter zu fliegen. Der Name des Fliegers, der Clarence begleiten sollte, wurde geheim gehalten. Aber wir einigten uns im Geheimen, den Flug zusammen auszuführen und mit Gottes Hilfe taten wir es. Mein Glück ist vollständig, wenn ich mir auch niemals die Freude und das Empfinden träumen ließ, welches dieses Wagnis neben uns auch bei anderen auslösen könnte. Und mehr als für irgend etwas anderes bin ich dankbar für den Geist der Freundschaft und Verehrungen, welche die alte Welt meinem eigenen Geburtsland gezeigt hat. Keine persönliche Ehre oder keine Empfindung ist mir so teuer als der zum Ausdruck gebrachte Gedanke, daß unser Flug unsere Länder in Banden der Freundschaft näher zusammengebracht hat. Ich weiß, daß ich auch die Gefühle von Clarence Chamberlain ebenso wie die meinigen wiedergebe, wenn ich sage, daß dieses Gefühl das krönende Juwel dieses Fluges ist.