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| 12:04 Uhr

9. November
Ein schwieriger Tag zum Gedenken

FOTO: dpa / dpa/Montage: Janetzko/lr
Berlin/Cottbus. Der 9. November steht für wichtige deutsche Ereignisse, aber auch für menschliche Abgründe.

Der 9. November ist ein besonderer Tag in der Deutschen Geschichte. Der Tag des Mauerfalls 1989, der Tag der Novemberrevolution 1918, der Tag der Reichspogromnacht 1938. „Ein Tag mit drei historischen Ebenen. Der 9. November ist zu vielschichtig für einen Feiertag“, sagt der Cottbuser Historiker Steffen Krestin.

Zwei der Ereignisse stehen für wichtige Schritte auf dem Weg zur Demokratie in Deutschland – auch in der Lausitz. Das dritte Datum – 1938 – steht eher für das Gegenteil. Als vor 80 Jahren die Synagogen, auch in Cottbus, Lübben oder Guben, brannten, war das erst der Auftakt zu einem noch viel größeren Morden an den Juden in Deutschland.

Der 9. November ist aber auch der Tag einer bis heute eher unbekannten Tat. Vor 40 Jahren zündete sich ein Häftling des Cottbuser Gefängnisses selbst an. Er wollte frei sei – und konnte es doch nicht in einem Staat der Unterdrückung.

Stolpersteine erinnern vielerorts in Deutschland an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren.
Stolpersteine erinnern vielerorts in Deutschland an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren. FOTO: dpa / Markus Scholz

All das ist Geschichte. Vergangenheit. Oder nicht? „Auch heute gibt es Splitter von eingeworfenen Scheiben, Spuren von Hakenkreuzen und offene Angriffe auf Juden. Was wir tun können, ist hinsehen, hingehen, die Stimme erheben“, so die SPD-Abgeordnete Hanka Kliese am Donnerstag bei einer Debatte zum Thema im sächsischen Landtag in Dresden. Von der friedlichen Revolution 1989 zu „Hetzjagden“ 2018. Was ist in Chemnitz passiert? Auch dem geht die RUNDSCHAU heute nach.

Zu Gedenkveranstaltungen rufen am Freitag zahlreiche Städte der Region ein. So wird es etwa in Cottbus um 11 Uhr eine Kranzniederlegung geben. Das Gedenken wird im Anschluss in der Synagoge in der Spremberger Straße und der Oberkirche mit Musikbeiträgen und einer Ausstellung zum jüdischen Leben in Cottbus fortgeführt. Um 18 Uhr laden das Filmfestival und das Bündnis „Cottbuser Aufbruch“ zum Rundgang an den „Stolpersteinen“ in der Innenstadt ein. "Wir wollen an diesem Abend ein Zeichen setzen gegen Geschichtsvergessenheit, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit", heißt es im Aufruf. Teilnehmer werden gebeten Kerzen oder Teelichter mitzubringen.

Im Gedenken an die Lübbener Juden sollen am Freitag die in der Stadt verlegten Stolpersteine in einer Gemeinschaftsaktion gereinigt werden. Dazu rufen Lübbens Bürgermeister Lars Kolan und Landrat Stephan Loge (beide SPD) mit weiteren Akteuren wie dem LDS-Kulturdezernenten Carsten Saß (CDU) und dem Lübbener Jörg Asshoff auf. Treffpunkt ist um 17 Uhr vor dem Rathaus.

In Forst wird um 14.30 Uhr wird im Rahmen des Gedenkens die neunte Forster Grenzrose eingeweiht (Kegeldamm, Seufzersteg). Um 15.30 Uhr wird Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) die Gedenkveranstaltung einführen. Über 100 Jahre Kriegsende referiert Werner Benecke, Professor an der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder). Über das Pogrom wird dann Jan Klußmann, Chef des Forster Stadtarchivs, sprechen. Über die Geschichte der Familie Konsens-Silberberg-Golde aus Forst spricht daraufhin Gil Keness. Um 18 Uhr kündigt die Stadt Worte des Gedenkens unter dem Motto „Forst trägt Kippa“ von Taubenek und Pfarrer Christoph Lange von der evangelischen Kirchengemeinde an (Gedenkstein der Synagoge in Forst, Uferstraße).

Im Kommentar zum Gedenktag schreibt RUNDSCHAU-Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer: „Kreatives Gedenken ist wichtig“.